Immobilienmarkt : Berliner Mieten steigen um 7,4 Prozent

Seit 2008/2009 steigen die Neu- und Wiedervermietungsmieten in der Hauptstadt rasant. Auch im vergangenen Jahr hielt der Trend an. Doch auch in kleineren Städten wird preiswerter Wohnraum knapp.

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Der Protest gegen Gentrifizierung ist in Berlin allgegenwärtig.
Der Protest gegen Gentrifizierung ist in Berlin allgegenwärtig.Foto: dpa

Die Wohnungsmieten sind im vergangenen Jahr nicht nur in den deutschen Großstädten kräftig gestiegen. Auch in kleineren Städten wird bezahlbarer Wohnraum knapp. „Aktuell zeichnen sich in einer zunehmenden Zahl von Städten und Regionen lange Zeit nicht mehr bekannte Wohnungsmarktengpässe ab“, heißt es im Immobilienwirtschaftsbericht des Bundesbauministeriums, der dem Tagesspiegel vorliegt. Der Bericht soll am 17. Oktober im Bundeskabinett beraten werden.

Bei der Analyse der Neu- und Wiedervermietungsmieten zeigt sich dem Bericht zufolge, dass seit 2006 in immer mehr Landkreisen die Mieten steigen, während die Zahl der Kreise mit sinkenden Mieten abnimmt. „Diese Entwicklung hat sich seit 2010 beschleunigt“, heißt es in dem Bericht, den das Ministerium nach 2009 zum zweiten Mal vorlegt, um die Entwicklungen auf dem Wohn- und Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren nachzuzeichnen. Bundesweit stiegen die Mietpreise bei Neuvermietungen im Schnitt um 2,9 Prozent.

Die höchsten Mietpreissteigerungen gab es demnach 2011 vor allem in den Großstädten und Metropolen. Den Spitzenplatz nahm allerdings Greifswald ein – mit einem Plus von 10,4 Prozent. Auch in den mittelgroßen Städten Bremen (plus 8,8 Prozent) und Freiburg (plus 8,1 Prozent) mussten Neumieter tiefer in die Tasche greifen. In Berlin steigen die Neu- und Wiedervermietungsmieten bereits seit Beginn der Finanzkrise 2008/2009 deutlich. Im vergangenen Jahr setzte sich der Trend fort: in der Bundeshauptstadt legten die Mieten um 7,4 Prozent zu.

Insgesamt bleibt die Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt angespannt. Das geht auch aus dem am Dienstag veröffentlichten Wohnungsmarktbarometer der Investitionsbank Berlin (IBB) hervor. Demnach verschärfte sich die Angebotssituation bei Mietwohnungen, im Segment Wohneigentumsbereich besteht ein „Nachfrageüberhang“. Allmählich rentiere sich der Neubau von Mietwohnungen wieder, lautet ein Fazit der Erhebung.

Das Bauministerium führt die steigenden Mietpreise unter anderem auf Versäumnisse beim Wohnungsbau und die in einigen Regionen starke Nachfrage – auch von Kapitalanlegern – zurück. „Derzeit ist offen, ob die mit einiger Verzögerung angesprungene Bautätigkeit im Wohnungsbau gerade in den dynamischen Wachstumsregionen mit der Nachfrage Schritt halten wird“, heißt es im Bericht. Im Jahr 2015 hält das Ministerium einen Wohnungsneubau von etwa 260 000 Wohnungen für realistisch.

Eine „allgemeine Wohnungsnot“ in Deutschland hält das Ministerium nicht für wahrscheinlich. „Es gibt aber vielerorts deutliche Verknappungen und Versorgungsschwierigkeiten vor allem für einkommensschwächere Haushalte“, schreiben die Experten im Immobilienwirtschaftsbericht. Insbesondere seien auch Familien mit Kindern von Mietsteigerungen betroffen. Einer wirksamen „sozialen Abfederung“ komme deshalb „eine besondere Bedeutung zu“.