Industrie : Stahlkonzern streicht 1200 Stellen

Der indische Stahlkonzern Tata Steel streicht in Großbritannien 1200 Stellen: Stromkosten und Emissionsabgaben belasten Stahlproduzenten in Europa.

Eine Fabrik von Tata Steel in Scunthorpe im Nordosten Englands.
Eine Fabrik von Tata Steel in Scunthorpe im Nordosten Englands.Foto: AFP

Der indische Stahlkonzern Tata Steel will wegen des harten Wettbewerbs in der Branche etwa 1200 Stellen in Großbritannien streichen. Weltweit beschäftigt der Konzert etwa 80 000 Menschen. Grund für die Stellenstreichungen seien gravierende Marktveränderungen im globalen Stahlhandel, erklärte der Europa Chef des Stahlproduzenten, Karl Koehler, am vergangenen Dienstag. So seien neben der zunehmend stärker werdenden Konkurrenz aus China auch hohe Stromkosten und der Emissionshandel in Europa treibende Kraft für die Veränderungen. Für Großbritannien stellen die Stelleneinschnitte bereits den zweiten herben Schlag in der traditionsreichen Stahlbranche innerhalb eines Monats dar: Vor kurzem wurde bekannt, dass auch der britische Stahlproduzent SSI UK liquidiert werden soll. Dies würde den Verlust weiterer 1700 Arbeitsplätze zur Folge haben.

Stromkosten und Emissionsabgaben größte Herausforderungen

Die Einschnitte bei dem indischen Stahlproduzenten sind ein Synonym für die Veränderungen in der gesamten Stahlbranche. Der Chef des Weltstahlverbands Wolfgang Eder warnte erst kürzlich im Interview mit dem Tagesspiegel vor gravierenden Auswirkungen für Europa. Seiner Ansicht nach könnten deutsche und europäische Stahlproduzenten dem Druck billigerer chinesischer Importe auf mittelfristige Sicht nicht standhalten. Neben den Stromkosten seien die Kosten für die Emissionsabgaben, die jedes Unternehmen bei zu hohen Schadstoffausstößen zahlen muss, ein Hauptgrund für diese Entwicklung. Eine weitere Reduktion von Schadstoffemissionen sei technologisch jedoch erst in 10 bis 15 Jahren zu erwarten, betont Eder. Seiner Einschätzung nach werde Europa 60 Prozent seiner Stahlproduktion an China verlieren. "Hier wird es nur noch industrielles Hightech geben können. Aber da ist Europa durchaus eine Macht. Maschinen- und Fahrzeugbau, Schienenverkehr und selbst die Luftfahrt – da kann Europa auch langfristig den Takt vorgeben", betont der Chef des Weltstahlverbandes.

Politik verkennt Bedeutung europäischer Stahlproduktion

Damit das aber auch so bleibt und auch der zu erwartende Stellenabbau sozialverträglich gestaltet wird, nimmt Wolfgang Eder die Politik in die Pflicht. Dieser wirft er vor, das Potenzial einer europäischen Stahlproduktion für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit auf einem globalen Markt zu verkennen. Immerhin verschone die deutsche Regierung bei der nationalen Energiewende energieintensive Industriebereiche, dies komme den Stahlproduzenten zu Gute, betont Eder. (Reuters, dam)

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