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Interview : „Berlin koppelt sich von der Euro-Krise ab“

16.07.2012 00:00 Uhrvon und
Frank Gilly (54) ist seit Anfang 2011 Vorsitzender der Geschäftsführung der Berliner Bank. Der gebürtige Berliner hat 20 Jahre für die Commerzbank gearbeitet, bevor er 1997 zur Berliner Bank kam.Bild vergrößern
Frank Gilly (54) ist seit Anfang 2011 Vorsitzender der Geschäftsführung der Berliner Bank. Der gebürtige Berliner hat 20 Jahre für die Commerzbank gearbeitet, bevor er 1997 zur... - Foto: Thilo Rückeis

Frank Gilly, Chef der Berliner Bank, über die Wirtschaft der Hauptstadt, den Flughafen und die Chancen der Elektromobilität.

Herr Gilly, ist die Euro-Krise mittlerweile bei den Berliner Bankkunden angekommen?

Ja. Wir merken deutlich, dass die Krise die Privatkunden verunsichert. Sie gehen weniger Risiken ein und legen ihr Geld zum Beispiel häufiger mit einer Kapitalschutzgarantie an. Gleichzeitig sind sie aber auch deutlich aufgeklärter und informierter als noch vor ein paar Jahren. Das ist auch eine Folge der Euro-Krise.

Und die Berliner Firmen? Inwiefern spüren die die Krise?

An den Unternehmen ist die Krise bislang weitgehend vorbeigegangen. Die meisten Unternehmer der Stadt blicken derzeit optimistisch in die Zukunft und tätigen sogar mehr langfristige Investitionen als noch vor einem Jahr.

Das merken wir etwa bei der Kreditvergabe. Allein in den ersten vier Monaten diesen Jahres haben wir schon Kredite in einem Umfang von fast 200 Millionen Euro an Unternehmen vergeben – 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das zeigt: Was die Wirtschaft angeht, haben wir uns hier in Berlin ein Stück weit von der Euro-Krise abgekoppelt.

Woran machen Sie das – abgesehen von der Kreditvergabe – fest?

Das sieht man schon allein daran, was sich auf dem Arbeitsmarkt getan hat. Wir haben fast 40 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mehr in der Stadt als noch vor einem Jahr. Und auch die Zahl der Neugründungen ist in Berlin so hoch, wie seit 1990 nicht mehr – im letzten Jahr waren es fast 48 000. Wenn man davon die Firmen abzieht, die in die Insolvenz gegangen sind, haben wir netto über 10 000 Unternehmen dazugewonnen. Das sind Zahlen, die sich sehen lassen können.

Was macht Berlin Ihrer Meinung nach gerade für Gründer so attraktiv?

Ich halte die Rahmenbedingungen für Unternehmen hier für außerordentlich günstig. Berlin hat eine gute Infrastruktur, die Mieten sind immer noch bezahlbar und wir sind ein durchaus wichtiger Wissenschaftsstandort.

Haben wir in Berlin ausreichende Möglichkeiten, Gründer finanziell zu fördern?

Bei Gründern, die nur einen Kapitalbedarf von maximal 100 000 Euro haben, war die Finanzierung noch nie ein Problem. Schwieriger ist das bei Jungunternehmern, die mehr Geld brauchen, weil zum Beispiel der Gründung eine längere Phase der Forschung und Entwicklung vorausgeht. Sie brauchen dann vor allem Risikokapitalgeber.

Mit Earlybird ist erst kürzlich einer der größten Risikokapitalgeber nach Berlin gezogen. Sehen Sie das als Konkurrenz?

Nein, ich glaube der Kuchen ist groß genug. Ich sehe das eher als eine Chance für uns. Je mehr Venture Capital in Berlin zur Verfügung steht, je mehr klassische Kredite werden letztlich auch nachgefragt. Gerade bei kleinen, jungen Unternehmen, die einen hohen Kapitalbedarf haben, können wir als Berliner Bank nicht immer das Risiko vollständig alleine tragen. Dafür brauchen wir Venture Capital als Ergänzung.

Ist es ein Problem, dass die meisten Unternehmensgründungen noch immer im Dienstleistungsbereich angesiedelt sind?

Meiner Meinung nach ja. Wir können hier in Berlin nicht nur von Dienstleistungen und Wissenschaft leben. Wir brauchen auch Arbeitsplätze in der Industrieproduktion.

Aber wo sollen die herkommen?

Eine Chance kann zum Beispiel die Elektromobilität sein. Berlin hat ja erst kürzlich den Zuschlag als Metropole für Elektromobilität bekommen. Das könnte auch durchaus noch weitere Unternehmen nach Berlin ziehen. Denn wenn es mehr Elektrofahrzeuge in der Stadt geben soll, brauchen wir zum Beispiel auch mehr Ladestationen und auch Firmen, die die aufstellen.

Was muss sich noch tun, damit daraus tatsächlich eine Chance für die Stadt wird?

Wir brauchen erst einmal eine Vision, was wir mit den Mitteln, die der Bund im Zuge des Projekts „Schaufenster Elektromobilität“ bereitstellt, überhaupt anstellen wollen. Gerade als Bundeshauptstadt wird von uns erwartet, dass wir bei der Elektromobilität eine Vorreiterrolle einnehmen. Das können wir aber nur, wenn wir jetzt auch ein schlüssiges Konzept vorlegen. Bislang gibt es noch zu viele offene Fragen wie zum Beispiel die, welche Rolle die Elektromobilität künftig im Nahverkehr spielen soll.

Der neue Flughafen startet später – wie sehr schadet das dem Ansehen der Region?

Die Absage war eine der schlechtesten Nachrichten, die Berlin in den letzten Jahren verkraften musste. Jetzt muss man alle Kräfte konzentrieren, damit es zu keiner weiteren Verschiebung kommt. Ansonsten würde das das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit der Stadt schädigen.

Es gibt aber Zweifel, dass auch der Termin 17. März gehalten werden kann.

Wenn die Sicherheit der Passagiere auf dem Spiel steht, muss man auch eine weitere Verschiebung akzeptieren. Aber auch wirklich nur dann. Alles andere muss in den nächsten Wochen und Monaten geregelt werden.

Wird die Berliner Bank am neuen Flughafen eine Filiale eröffnen?

Nein, wir selbst werden dort keine Filiale aufmachen. Aber unser Mutterhaus, die Deutsche Bank, wird am neuen Flughafen vertreten sein.

Sie sind jetzt seit zwei Jahren offiziell eine Niederlassung der Deutschen Bank. Hat sich in dieser Zeit etwas für Sie geändert?

Nicht viel. Wir sind immer noch mit den gleichen Filialen am Markt. Unsere Stärke ist unsere Berlin-Kompetenz. Das nimmt man uns auch ab, weil viele unserer Mitarbeiter gebürtige Berliner sind. Damit nehmen wir auch innerhalb der Deutschen Bank ganz bewusst eine klare Position zur Regionalität ein. Das sage ich ganz selbstbewusst.

Die Deutsche Bank ist aber auch selbst stark in Berlin vertreten. Da gibt es doch sicherlich Überschneidungen.

Wir kommen uns da nicht in die Quere. Wir sprechen mit unserem berlintypischen Auftreten und unserer Verwurzelung in den Kiezen andere Zielgruppen als die Deutsche Bank an, etwa bei Gewerbekunden.

In welchen Bereichen wollen Sie als Berliner Bank noch wachsen?

Wachstumspotenzial sehe ich für uns zum Beispiel bei der Immobilienfinanzierung. Das Angebot an Immobilien ist in Berlin da, und die Zinsen für die Finanzierung sind niedrig. Es gibt immer noch viele Privatanleger, die in Immobilien investieren wollen. Allein im ersten Quartal haben wir schon neue Baukredite für fast 100 Millionen Euro vergeben. Unser Ziel, bis Jahresende 250 Millionen Euro an Baufinanzierung auszureichen, dürften wir damit auf jeden Fall erreichen.

Auch in Berlin steigen die Mieten derzeit kräftig. Entsteht da eine neue Blase?

Das glaube ich nicht. Was wir im Moment bei den Immobilienpreisen und den Mietsteigerungen sehen, ist ein Nachholeffekt. Wir erleben das, was eigentlich schon vor fünf Jahren in der Stadt hätte einsetzen müssen. Mir macht das keine Sorge. Es wird hier ja nicht mit Immobilien spekuliert. Das sehen wir allein daran, dass wir wenig Leerstand haben. Wenn Wohnungen nur gekauft würden, um sie mit Gewinn weiterzuverkaufen, würden viel mehr leer stehen.

Das Gespräch führten Carla Neuhaus und Gerd Nowakowski.

DER BANKER

Frank Gilly (54) ist seit Anfang 2011 Vorsitzender der Geschäftsführung der Berliner Bank. Der gebürtige Berliner hat 20 Jahre für die Commerzbank gearbeitet, bevor er 1997 zur Berliner Bank kam.

DIE BANK

Gegründet worden ist die Berliner Bank 1950 mit dem Ziel, den Wiederaufbau der Wirtschaft in der Stadt zu fördern. Heute gehört sie mit ihren 61 Standorten in Berlin und Potsdam und 750 Mitarbeitern zur Deutschen Bank. Die hat das Institut 2006 gekauft und zu einer Niederlassung gemacht, die keine Geschäftszahlen ausweist.

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