Interview mit Betriebsrats-Chef Patzelt : „Benko muss sich mit uns an den Tisch setzen“

Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hat die Luxus- und Sporthäuser verkauft. Wie Betriebsrat Hellmut Patzelt den Deal bewertet.

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Betriebsrat Hellmut Patzelt.
Betriebsrat Hellmut Patzelt.Foto: picture-alliance/ dpa

Herr Patzelt, wie beurteilen Sie den Verkauf der Premium- und Sporthäuser an den Investor René Benko?

Viele Punkte kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten. Mittel für die Umsetzung der Strategie 2015 und zusätzliche Investitionen für die Standorte können wir aber gut gebrauchen.

Wo soll das Geld aus dem Verkauf landen?

Bisher ist die Rede davon, dass 150 Millionen in die Sport- und Luxushäuser und 150 Millionen in die regulären Warenhäuser fließen. Genaueres wissen wir noch nicht, und das gilt es jetzt im Aufsichtsrat und im Wirtschaftsausschuss zu klären. Und auch im Gesamtbetriebsrat. Denn auch die Mitarbeiter, die jahrelang verzichtet haben, müssen von diesem Geld profitieren. Hier sind Standort- und Beschäftigungssicherung ein wichtiger Punkt.

Was fordern Sie konkret?

Wir wollen unbedingt den Tarifvertrag für die rund 22 000 Beschäftigten des Konzerns. Die Verhandlungen beginnen schon in der nächsten Woche.

Berggruen hat aber bereits darauf hingewiesen, dass er auf dem „Tarifweg“ weitere Zugeständnisse erwartet.

Es geht nicht nur um Lohnerhöhungen, sondern um eine Sicherheit eines Tarifvertrags, die die Mitarbeiter brauchen, und die sie sich durch den jahrelangen Verzicht verdient haben. Sie sind die wahren Helden von Karstadt. Ohne den Einsatz und die Zugeständnisse der Kollegen gäbe es das Unternehmen heute nicht mehr.

Wie geht es den Beschäftigten? Ihr Aufsichtsrats-Kollege Arno Peukes berichtete von Alarmstimmung.

Die Mitarbeiter sind verunsichert durch die vielen Berichte, die ja unterschiedlichste Szenarien entwerfen, von der endgültigen Zerschlagung des Unternehmens bis zur Warenhaus AG.

Fürchten Sie eine Zerschlagung?

Zunächst mal müssen wir sehen, was der Verkauf der Sparten an René Benko konkret bedeutet. Denn sie sind ja nicht völlig eigenständig und bisher stark mit dem Konzern verbandelt. So gibt es Dienstleisterverträge zwischen der Gruppe und den Premium- und Sporthäusern für den Einkauf, die Verwaltung und das Marketing. Jetzt gilt es zu klären, ob diese Verträge bestehen bleiben, oder ob es eine strikte Trennung der Sparten geben soll.

Können Sie die Mitarbeiter beruhigen?

Wir werden jetzt für Transparenz sorgen, indem wir die vielen offenen Fragen mit dem Management klären und im Anschluss die Beschäftigten mit fundierten Aussagen informieren. Daran arbeiten wir gerade mit Hochdruck.

Ist René Benko auch in die nun anstehenden Gespräche eingebunden?

Bisher ist Herr Benko bei Karstadt noch nicht aufgetreten, ich kenne ihn nicht persönlich. Aber wenn er das operative Geschäft der Sport- und Premiumhäuser führen will, wird er sich sicherlich mit den Arbeitnehmervertretern an einen Tisch setzen.

Das Gespräch führte Jahel Mielke

Hellmut Patzelt

kam mit 14 zu Karstadt und begann dort eine Kaufmannslehre. Heute ist er Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Warenhausunternehmens und sitzt im Aufsichtsrat.

VERKAUF AN BENKO

Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hatte am vergangenen Montag überraschend bekannt gegeben, die Anteile der Premium- und Sporthäuser, zu denen auch das Berliner KaDeWe gehört,

zu 75,1 Prozent an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko übertragen zu haben. Im Zuge des Verkaufs sollen 300 Millionen Euro an Investitionen in die Karstadt-Filialen fließen. Angaben zu den Auswirkungen auf das operative Geschäft machten weder Benko noch Berggruen. Der „Spiegel“ berichtete aber, dass alle Sparten weiter gemeinsam geführt werden sollen. Ein Sprecher der Signa-Holding von Benko wollte das nicht kommentieren.

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