Interview mit dem Chef des Bundeskartellamts : "Facebook darf seine Marktmacht nicht ausnutzen"

Kartellamtschef Andreas Mundt über die Geschäfte der Internetkonzerne, die Sorgen der Milchbauern und die Probleme mit den Tickets für die Fußball-EM.

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"Vier große Ketten teilen sich über 85 Prozent des Markts": Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt warnt vor der Konzentration im Lebensmittelhandel.
"Vier große Ketten teilen sich über 85 Prozent des Markts": Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt warnt vor der Konzentration...Foto: Mike Wolff

Er ist Bierherstellern auf der Spur, wenn sie ihre Preise absprechen, deckt Absprachen von Wurstproduzenten oder Zuckerherstellern auf und weist die Bahn beim Fahrkartenverkauf in ihre Schranken. Andreas Mundt (55) ist Präsident des Bundeskartellamts und als solcher qua Amtes Hüter des Wettbewerbs in Deutschland. Seit 2000 ist der Jurist, der vorher im Bundeswirtschaftsministerium und für die FDP gearbeitet hatte, bei der Behörde, seit 2009 leitet er das Amt. Sein Job: Kartelle zerschlagen, Missbrauch von Marktmacht verhindern. Immer wichtiger werden dabei das Internet und die großen Konzerne wie Facebook, Google und Amazon. Wie erfolgreich die Behörde war, wird Mundt in dieser Woche mitteilen. Dann legt er den Jahresbericht seiner Behörde vor. Das Bundeskartellamt hat seinen Sitz im ehemaligen Bundespräsidialamt in Bonn.

Herr Mundt, haben Sie mit dem Deutschen Fußball-Bund vor der Europameisterschaft Frieden geschlossen?

Wenn Sie auf unser Verfahren zur Ticketvergabe anspielen: Das Verfahren läuft noch.


Der DFB hatte die Vergabe von EM-Tickets aus seinem Kontingent davon abhängig gemacht, dass die Fans dem kostenpflichtigen „Fan Club Nationalmannschaft“ beitreten.

Ja, um diese Kopplung geht es. Auch wenn der Fußballbund nun anbietet, dass die Fans, die nicht zum Zuge gekommen sind, die Mitgliedsgebühren zurückerhalten können, werden wir unser Verfahren fortführen und grundsätzlich prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine solche Kopplung zulässig ist.


Mit Fußball lässt sich viel Geld verdienen, das hat auch die Vergabe der Fernsehrechte für die Bundesliga gezeigt. Erstmals hat jetzt Amazon ein Bein in der Tür. Wie finden Sie das?

Wir haben im Vorfeld der Auktion der Fernsehrechte festgelegt, dass nicht mehr ein Sender alle Live-Übertragungsrechte exklusiv bekommen darf. Unsere Vorgaben wurden eingehalten. Sky hat jetzt nicht mehr alle Live-Rechte, die Welt ist bunter geworden, und es sind auch neue Player dabei. Das kann der Sache nur gut tun.


Auch dass ein Großkonzern wie Amazon mitmischt?

Amazon ist neu auf dem Markt der Bundesliga-Radio-Rechte. Wir haben gegen niemanden etwas, der neu in den Wettbewerb eintritt. Wettbewerb belebt das Geschäft, das gilt auch für Amazon.


Amazon baut sehr zielstrebig sein Angebot für Prime-Kunden aus. Vom kostenlosen schnellen Versand von Online-Artikeln, über das Streaming, das Bundesliga-Radio bis hin zur schnellen Lieferung von Lebensmitteln hier in Berlin. Können Sie als Wettbewerbsbehörde bei einem solch schnellen branchenübergreifenden Wachstum überhaupt noch mithalten?

Amazon erschließt verschiedene Bereiche und verbindet sie miteinander. Das ist keine wirklich neue Unternehmensstrategie, Amazon setzt sie nur sehr effektiv um. Ich kann die Unbehaglichkeit gegenüber einem solchen Wachstum nachvollziehen, aber eine wettbewerbsrechtliche Prüfung folgt klaren Kriterien: Wir schauen uns die jeweiligen Märkte an, auf denen ein Unternehmen tätig ist, und prüfen, ob dort Probleme für den Wettbewerb entstehen. Die Lieferung von Lebensmitteln hat zunächst einmal wenig mit dem wettbewerblichen Umfeld beim Streaming von Filmen zu tun. Trotzdem müssen wir auch das gesamte Angebot und die Finanzkraft des Unternehmens berücksichtigen.


Ermitteln Sie derzeit gegen Amazon?

Wir haben ein Verfahren gegen Amazon Marketplace abgeschlossen. Amazon hatte seinen Händlern untersagt, ihre Waren anderswo im Internet günstiger anzubieten als auf dem Amazon-Marktplatz. Nach unserer Intervention ist Amazon hiervon abgerückt – übrigens nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Weitere Verfahren haben wir derzeit nicht. Und hypothetische Fälle löse ich nicht.

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