Interview mit dem Rentenversicherungschef : "Wir sind auf einem guten Weg"

Alexander Gunkel, Vorstandschef der Rentenversicherung, über alte Rentner, teure Privilegien und die Pflichten der Wirtschaft.

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Foto: promo
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Herr Gunkel, überrascht Sie die massive Kritik an der Rente mit 67?

Nein, die Diskussion überrascht mich gar nicht. In Deutschland wird in diesem Jahr zum ersten Mal das gesetzliche Rentenalter angehoben. Es war zu erwarten, dass jetzt wieder die Frage aufkommt, ob der Arbeitsmarkt die damit verbundenen Änderungen hinreichend begleitet.

Könnte man das Rad überhaupt noch einmal zurückdrehen?

Nein. 1960 betrug die durchschnittliche Rentenlaufzeit weniger als zehn Jahre, inzwischen sind es mehr als 18 Jahre. Die Lebenserwartung und damit die Rentenlaufzeiten werden in Zukunft weiter steigen. Deshalb müssen wir das Rentensystem anpassen. Es ist gut, dass die Veränderungen schrittweise erfolgen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben ausreichend Zeit, sich auf die Veränderungen einzustellen.

Was würde passieren, wenn man das Renteneintrittsalter gleich ließe?

Die Rentenversicherung bekäme Finanzierungsprobleme. Der Beitragssatz würde steigen oder wir müssten das Rentenniveau noch stärker absenken, als das ohnehin in den nächsten Jahren vorgesehen ist. Beides sind keine sinnvollen Alternativen. Wir brauchen die Rente mit 67 aber noch aus einem anderen Grund. Wegen der demografischen Entwicklung steuern wir auf einen Mangel an Erwerbstätigen zu, daher verlangt auch der Arbeitsmarkt nach einer Anhebung des Renteneintrittsalters.

Müsste man dann nicht sogar bis 69 oder 70 arbeiten?

Man sollte den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. Erst einmal sollte die Rente mit 67 umgesetzt werden. Aber in einem Punkt sehen wir schon jetzt Veränderungsbedarf. Menschen mit 45 Beitragsjahren sollen ja auch in Zukunft abschlagsfrei mit 65 in Rente gehen können. Das betrifft mindestens jeden vierten Arbeitnehmer. Dieses Rentenprivileg kommt die Rentenversicherung teuer zu stehen und sollte gestrichen werden.

Die Gewerkschaften und CSU-Chef Horst Seehofer sagen, die Rente mit 67 sei ein gigantisches Rentenkürzungsprogramm …

Die Rente mit 67 ist dann kein Rentenkürzungsprogramm, wenn es gelingt, mehr Ältere in Arbeit zu halten. Dann fallen die Renten sogar höher aus, weil die Menschen längere Zeit Beiträge zahlen. Wir sind auf einem guten Weg. Die Beschäftigung der 60- bis 64-Jährigen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Die wichtigste Herausforderung ist, dass wir die Arbeitnehmer bis ins Rentenalter qualifiziert halten. Schon heute ist es so, dass die meisten gut Qualifizierten bis zum Rentenalter beschäftigt sind, während gering Qualifizierte häufig vorzeitig aussteigen.

Das Interview führte Heike Jahberg

Alexander Gunkel ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rentenversicherung Bund und Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

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