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Interview mit Kraft Foods : „Wir brauchen mehr Transparenz“

10.04.2012 00:00 Uhrvon
Delikat. Kaffeepflanzen brauchen ein gleichmäßig warmes Klima. Die wichtigsten Anbauländer sind Brasilien und Vietnam. Foto: ReutersBild vergrößern
Delikat. Kaffeepflanzen brauchen ein gleichmäßig warmes Klima. Die wichtigsten Anbauländer sind Brasilien und Vietnam. - Foto: Reuters

Hubert Weber, Chef des europäischen Kaffeegeschäfts von Kraft Foods, über Spekulanten, Nachhaltigkeit und das Werk in Berlin.

Herr Weber, 2011 haben die Kaffeepreise verrückt gespielt. Warum?

Die Rohstoffpreise sind seit Anfang des vergangenen Jahres um 35 Prozent gestiegen, und die Schwankungen haben stark zugenommen. In einem solchen Ausmaß haben wir das bisher noch nie beobachtet. Das liegt vor allem an Finanzinvestoren, die immer mehr Geld in die Rohstoffmärkte pumpen. Das Kapital ist durch die Euro-Krise frei geworden, weil nun weniger in Immobilienfonds, Aktien oder Staatsanleihen investiert wird.

Bei Kaffee, Kakao, Weizen und Soja haben sich die Summen, mit denen an den Märkten spekuliert wird, fast verzehnfacht.

Die Spekulanten sind aber nicht die einzige Ursache für die steigenden Preise.

Natürlich gibt es grundsätzliche Ursachen. Beim Kakao waren das die politischen Unruhen an der Elfenbeinküste, beim Kaffee war die Produktion leicht zurückgegangen. Solche Trends werden dann aber durch Finanzinvestoren deutlich verstärkt. Kaffee und Kakao sind ein Genussmittel, da ärgern sich die Verbraucher über steigende Preise. Bei Soja und Weizen aber führen Preissteigerungen in vielen Teilen der Welt zu Hunger. Eine weitere Ursache ist, dass immer mehr Anbaufläche für die Biospritproduktion genutzt wird. Deshalb entscheiden sich viele Bauern, statt Kaffee Zuckerrohr anzubauen, weil damit kurzfristig mehr Geld zu machen ist.

Hubert Weber (49), geboren in Schiffweiler, leitet seit September 2010 von Zürich aus das europäische Kaffeegeschäft des Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods. Vorher war er im Unternehmen für die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz zuständig. Der  Wirtschaftswissenschaftler arbeitet seit mehr als 20 Jahren bei Kraft Foods. Foto: Kraft FoodsBild vergrößern
Hubert Weber (49), geboren in Schiffweiler, leitet seit September 2010 von Zürich aus das europäische Kaffeegeschäft des Nahrungsmittelkonzerns Kraft Foods. Vorher war er im... - Foto: Kraft Foods

Aber die Warenterminbörsen, an denen spekuliert wird, hat es schon immer gegeben. Was ist heute anders?

Wir brauchen bei Kakao und Kaffee die Börsen, weil die Rohstoffe woanders produziert als verarbeitet werden. Zudem liegt zwischen der Ernte und der Verarbeitung viel Zeit. Die Börsen bieten eigentlich eine Möglichkeit zur Absicherung für Händler, Röster und Bauern. Doch durch die großen Finanzinvestoren, die in den vergangenen Jahren hinzugekommen sind, hat sich die Dynamik stark verändert. Die Spekulanten wollen möglichst viel Geld verdienen, und haben deshalb in einigen Fällen bewusst die Rohstoffe verknappt, um die Preise zu treiben.

Muss die Politik eingreifen?

Wir fordern eine Gleichbehandlung der Teilnehmer am Markt und mehr Transparenz. Bisher ist in vielen Fällen nicht erkennbar, wer an den Märkten spekuliert. Zudem haben nicht alle Marktteilnehmer die gleichen Bedingungen:. Für einen Finanzinvestor, der letztendlich keine Ware abnimmt, liegt die Einlage bei 5000 Dollar für einen Container mit Rohware. Produzent oder Röster müssen rund 90 000 Dollar bezahlen. Die Politik, aber auch die Börsenbetreiber, müssen diese Probleme dringend angehen. Nur dann bilden sich echte Preise und wir können verhindern, dass die Spekulanten die Rohstoffmärkte als Spielwiese nutzen.

Werden die Preise in diesem Jahr weiter steigen?

In den letzten Monaten sind die Preise gesunken, wegen der schwächeren Konjunkturaussichten. Aber wir vermuten mittel- bis langfristig auch 2012 einen weiteren Aufwärtstrend bei den Kaffeepreisen.

Wie geht Kraft Foods als Produzent damit um?

Wir müssen die Preissteigerungen weitergeben, zumindest zum Teil. Bei Röstkaffee sind 80 Prozent der Kosten durch den Rohstoff verursacht, das können wir kaum durch Einsparungen an anderer Stelle auffangen. Zudem müssen wir sehen, wie wir eine wachsende Weltbevölkerung langfristig versorgen, ohne dass die Kosten explodieren. Wir bemühen uns daher, effizientes Farmmanagement in den Ursprungsländern zu fördern, zum Beispiel durch Schattenbepflanzung oder spezielle Pflege der Pflanzen. Dadurch können wir höhere Erträge auf den Anbauflächen erzielen. Das ermöglicht den Bauern einen besseren Verdienst und sichert eine bessere Versorgung.

Gelingt es Kraft Foods, die Kosten an den Handel weiterzugeben?

Ja, bisher schon. Der Markt ist sehr wettbewerbsintensiv, aber alle Anbieter sind durch die steigenden Rohstoffkosten in der gleichen Situation.

Die Verbraucher dürften kaum Verständnis für die höheren Preise im Supermarkt haben. Vergangenes Jahr kamen Preisabsprachen ans Licht, die Kraft Foods dem Kartellamt offenbart hatte.

Das sind Vorgänge aus den Jahren 2006 und 2007 gewesen. Die Absprachen sind ein Thema der Vergangenheit. Alle Mitarbeiter, vor allem unsere Vertriebs-Mitarbeiter, erhalten regelmäßige Compliance-Trainings.

Ist das Image von Kraft Foods nun durch die Preisabsprachen beschädigt?

Wir sind sicher, dass die damaligen Vorgänge heute keine Rolle mehr spielen.

Hat Kraft Foods die Kaffeepreise in der letzten Zeit erhöht?

Ja. Aber beim Kaffee ist die Nachfrage relativ unelastisch, die Kunden können nicht auf andere Produkte ausweichen. Daher spüren wir keine Veränderung im Umsatz.

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