Wirtschaft : Irgendwas mit Englisch

Mit Sprache arbeiten, bei internationalen Tagungen übersetzen, Menschen aus aller Welt kennenlernen: Übersetzerin und Dolmetscherin gelten als Traumberufe. Doch sind sie das auch? Zwei Erfahrungsberichte.

Sina Krambeck
Die richtigen Worte finden.
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Katrin Harlaß ist im Zickzack zu dem Beruf gekommen, in dem sie nun endlich mit der englischen Sprache arbeitet. Sie studierte Anglistik und Germanistik und war anschließend als Angestellte im Immobilienbereich tätig – bis sie beschloss, sich noch einmal beruflich umzuorientieren und endlich das zu machen, was ihr schon immer lag. Rund 10 000 Euro war ihr das wert. So viel hat das Fernstudium an der Privathochschule AKAD gekostet. Nach drei Jahren legte sie dort die staatliche Prüfung zur Wirtschaftsübersetzerin ab. Seit sechseinhalb Jahren nun arbeitet sie als Übersetzerin in Berlin.

Katrin Harlaß konnte auch ihre Berufserfahrung in der Immobilienbranche nutzen. Sie übersetzt heute Gutachten, Imagebroschüren oder Jahresabschlüsse aus dem Immobilien- und Finanzwesen vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt.

Irgendwas mit Sprachen machen, das wünschen sich viele Berufseinsteiger für ihren Job. Übersetzer oder Dolmetscher zu werden, steht in der Beliebtheitsskala junger Menschen ganz oben. Fremdsprachen zu beherrschen, das ist in Zeiten der Globalisierung der Wirtschaft gefragter denn je. Doch sind diese Berufe tatsächlich so traumhaft, wie ihr Ruf?

Wer sich für Jobs in diesem Bereich interessiert, kann sich etwa bei der Expolingua Sprachenmesse vom 15. bis 17. November im Russischen Haus in der Friedrichstraße einen Überblick über die beruflichen Möglichkeiten schaffen.

Katrin Harlaß ist mit ihrem Berufswechsel sehr zufrieden. Wie 80 Prozent ihrer Kollegen arbeitet sie freiberuflich. Das gefällt ihr. „Dadurch bin ich mein eigener Chef und kann mir meine Zeit flexibel einteilen“, sagt sie. Dank der zunehmenden internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit sei die Auftragslage gut. Trotz des steigenden Termindrucks sei es nach wie vor die intensive Beschäftigung mit der Sprache, das Feilen an Sätzen, die das Übersetzen für sie zum Traumberuf machen. „Ich sitze gern vor meinem Computer und suche in Ruhe nach dem passenden Ausdruck“, sagt sie.

Durch die permanente Beschleunigung der Arbeitsprozesse würden die Anforderungen an den Beruf immer komplexer, erklärt Norma Keßler, Vizepräsidentin des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ). Die Fähigkeit, sich in kurzer Zeit neues Wissen anzueignen, ein versierter Umgang mit technischen Hilfsmitteln, Flexibilität und unternehmerisches Know-how sei genauso wichtig wie die Kernqualifikationen, die in der Ausbildung vermittelt werden.

Um auf dem Markt bestehen zu können, sei es außerdem wichtig, sich zu spezialisieren, sagt Keßler. „Wir raten jedem Berufsanfänger, sich auf ein bestimmtes Gebiet zu spezialisieren, sei es Medizin, Maschinenbau oder Finanzwesen.“ Zum einen erleichtere das die Arbeit, weil bestimmte Begrifflichkeiten immer wiederkehren, zum anderen schaffe man sich so in der Branche auch einen Ruf als Expertin und könne sich leichter ein Netzwerk aus Kontakten aufbauen. Denn auf das sei man angewiesen in der Branche.

DIE DOLMETSCHERIN

Doch nicht für jeden ist das stille Arbeiten mit Sprache das Richtige. Karin Messmer zum Beispiel hat einige Jahre als Übersetzerin gearbeitet – und dann festgestellt, dass ihr das Dolmetschen viel besser gefällt. Nach ihrem Diplom als Übersetzerin ließ sie sich 1992 in London zur Konferenzdolmetscherin ausbilden. Dieser Aufbaustudiengang dauerte damals sechs Monate. Seitdem dolmetscht sie von Straßburg aus unter anderem für den Europarat und Arte.

„Für mich persönlich ist es ein Traumjob“, sagt auch sie. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, man lernt interessante Menschen kennen und kommt viel herum.“ Andererseits verlange der Job einem aber auch einiges ab. „Man muss sehr reaktionsschnell und stressresistent sein.“ An einem typischen Arbeitstag sitzt sie mit mindestens einer Kollegin in einer Kabine und dolmetscht eine Konferenz. Nach spätestens dreißig Minuten wechseln sie sich ab. Bis zu je dreieinhalb Stunden vormittags und nachmittags. Länger sollte ein Einsatz nicht dauern. Eine Spezialisierung auf bestimmte Fachgebiete, wie es bei den Übersetzern angesagt ist, ist bei Konferenzdolmetschern nicht üblich. Sie müssen sich daher schnell in neue Gebiete einarbeiten können, über ein breites Allgemeinwissen und ein sehr gutes Kurzzeitgedächtnis verfügen.

In den letzten Jahren sei ihre Arbeit schwieriger geworden, der Druck der Sparpolitik sei deutlich zu spüren. „Wie in vielen Branchen verlangt man auch von uns Dolmetschern, dass wir für weniger Geld mehr arbeiten, was wir jedoch ablehnen“, erzählt Karin Messmer. „Einige Kunden unterschätzen den Wert der Kommunikation.“ Viele Konferenzen würden zunehmend ausschließlich auf Englisch abgehalten und auf das Dolmetschen verzichtet.

Auch neue technische Entwicklungen haben ihren Beruf verändert. „Als ich anfing, arbeitete ich noch mit Schreibmaschine und Telefon“, erzählt Karin Messmer. Heutzutage sei es Standard, in der Kabine seinen Computer mit Internetanschluss dabei zu haben, mit dessen Hilfe man auch mal schnell einen Begriff recherchieren kann.

Laut BDÜ braucht ein selbstständiger Dolmetscher oder Übersetzer einen Jahresumsatz von mindestens 60.000 Euro, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Allerdings hängen die Verdienstmöglichkeiten letztlich auch vom Verhandlungsgeschick jedes Einzelnen ab und davon, ob sie oder er sich in der Branche bereits einen Namen gemacht hat. Auch gibt es Unterschiede, je nachdem für welches Fachgebiet man übersetzt oder dolmetscht. „Die Finanzbranche zahlt zum Beispiel besser als die Literaturszene“, sagt BDÜ-Vertreterin Norma Keßler. Auch könnten Kollegen, die seltene Sprachen wie etwa Afrikaans im Repertoire haben, mehr verlangen.

Auf welchenVerdienst ein Übersetzer oder Dolmetscher im Monat kommt, das hängt von vielen Komponenten ab, etwa ob er angestellt oder frei tätig ist, bei einem öffentlichen Arbeitgeber oder einem privaten, ob er nach Tarif bezahlt wird, für ein kleines Unternehmen arbeitet oder auch wie viel Berufserfahrung er hat. Laut Arbeitsagentur kann abhängig von der vorausgegangenen Qualifizierung die tarifliche Bruttogrundvergütung 2713 bis 4621 Euro im Monat betragen, zuzüglich Zulagen und Sonderzahlungen wie 13. Monatsgehalt, Urlaubsgeld und vermögenswirksame Leistungen. Ein Traumjob muss sich eben auch aus finanzieller Sicht lohnen.

Mehr zum Thema Sprache und Beruf finden Sie auf der Seite K8

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