IW-Institut zur Zuwanderung : Ausländer rein!

Hoffnungsträger oder Sozialtouristen? Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat Zahlen zur Zuwanderung veröffentlicht. Sie belegen: Einwanderer sind durchschnittlich besser qualifiziert als Deutsche - und werden dringend gebraucht.

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Gefragt. Fachkräfte aus dem Ausland werden in Deutschland gebraucht.
Gefragt. Fachkräfte aus dem Ausland werden in Deutschland gebraucht.Foto: dpa

Es sind Kampfbegriffe wie „Sozialtourismus“ und „Armutszuwanderung“, die die öffentliche Debatte über Einwanderer aus Osteuropa dominieren. Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) stellt dem nun Zahlen gegenüber. Sie belegen: Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien sind im Durchschnitt sogar höher gebildet als die Menschen in Deutschland – und werden dringend gebraucht.

Ärzte, Lehrer, Geschäftsführer

Unter dem Strich profitiere Deutschland von den Zuwanderern, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Demnach verfügen fast 30 Prozent der in den letzten zehn Jahren zugewanderten Menschen über einen akademischen Abschluss – in der Gesamtbevölkerung sind es nur 19 Prozent. Das wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. 22,8 Prozent der erwerbstätigen Zuwanderer arbeiteten 2011 als hoch spezialisierte Fach- oder Führungskräfte. Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, schreibt das Institut. Zu dieser Kategorie zählen die Forscher etwa Ärzte, Geschäftsführer oder auch Lehrer.

"Zuwanderungsverhinderungsrecht"

Während 2009 noch mehr Menschen aus Deutschland aus- als einwanderten, hat sich der Trend mittlerweile umgekehrt. 2012 gab es eine Nettozuwanderung von rund 370 000 Personen; 2013 von etwa 400 000. Trotzdem wettert Hüther weiter gegen die Politik, die mit einem „Zuwanderungsverhinderungsrecht“ Staat und Wirtschaft schade.

Der IW-Studie zufolge wird Deutschland vor allem aufgrund der demografischen Entwicklung künftig noch stärker auf Zuwanderung angewiesen sein. Bis 2030 werde sich die Zahl der Fachkräfte um bis zu 2,4 Millionen verringern. Deutschland müsse mehr Anreize für Zuwanderer schaffen, um den Bevölkerungsschwund abzufedern und im internationalen Wettbewerb um ausländische Fachkräfte nicht ins Hintertreffen zu geraten, sagte Hüther. 8,4 Prozent der aus Rumänien oder Bulgarien zugewanderten Arbeiter hatten 2011 einen Hochschulabschluss in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik. Gerade diese Fachkräfte sind auf dem deutschen Markt derzeit äußerst rar.

Zuwanderer sichern deutsche Sozialsysteme

Kein Wunder also, dass Zuwanderer prozentual auch häufiger sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind: 41,9 Prozent. Die in Deutschland geborene Bevölkerung, also Zuwanderer ab der zweiten Generation und Menschen ohne Migrationshintergrund sind zu lediglich 35,5 Prozent fest angestellt. Langfristig helfe die Zuwanderung also auch, die Deutschen Sozialsystem zu sichern.

Zuletzt war in Deutschland, aber auch in anderen EU-Ländern heftig über eine angebliche Armutszuwanderung gestritten worden, die die Sozialsysteme nur belaste. Insbesondere die CSU plädiert für einen strengeren Kurs gegen Arbeitsmigranten aus Rumänien und Bulgarien und fordert härtere Strafen bei Sozialmissbrauch. Seit Jahresanfang gilt die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit auch für Bürger dieser beiden Staaten, für die es bislang Beschränkungen gab. Sie haben nun vollen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt.

Arbeitslosigkeit weltweit steigt

Derweil steigt die Arbeitslosigkeit weltweit an. Wie aus dem Bericht zu globalen Beschäftigungstrends hervorgeht, den die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen am Dienstag vorlegt, waren im letzten Jahr fünf Millionen Menschen mehr arbeitslos als im Vorjahr. Die Quote steigt damit auf sechs Prozent. Die schwache wirtschaftliche Erholung seit der Finanzkrise wirke sich noch nicht auf den Arbeitsmarkt aus.

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