Jenoptik : Laser und ein Gingkobaum

Jenoptik hat seine Berliner Fertigungshalle vergrößert. Der Technologiekonzern fertigt dort Bauteile für Laser, die etwa in Geräten für Augenoperationen zum Einsatz kommen.

Markus Fischer
Rund zehn Millionen Euro hat die Fertigungsanlage gekostet.
Rund zehn Millionen Euro hat die Fertigungsanlage gekostet.Foto: dpa

Berlin - Als Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, und der Vorstandsvorsitzende von Jenoptik, Michael Mertin, gemeinsam an der meterlangen roten Kordel zogen, blieb die riesige weiße Plane an einem Fenster des Neubaus hängen. Erst beim zweiten Versuch segelte die Verpackung des Jenoptik Diode Labs wie gewünscht zu Boden und die Umstehenden applaudierten ordnungsgemäß. Als böses Omen wollte das keiner deuten: Schließlich hatte Wowereit zuvor noch einen langlebigen Ginkobaum gepflanzt – auf dass die neue High-Tech-Anlage hier in Adlershof noch Jahre lang in Betrieb sein möge.

Damit die weltweit steigende Nachfrage nach Hochleistungsdiodenlasern gedeckt werden kann, vergrößerte der Jenaer Konzern seine Fabrik von knapp 500 auf über 900 Quadratmeter. Im Innern des Neubaus hängen schon die lilafarbenen Schutzanzüge vor dem Reinraum. Ansonsten sieht es noch recht leer aus, denn die eigentliche Technik muss zum Teil noch hineingeschafft werden. Vom nahe gelegenen Ferdinand-Braun-Institut zieht noch eine Anlage um, damit die Laser vollständig im Laboratorium von Jenoptik gefertigt werden können. Viele Maschinen und Arbeitsschritte sind notwendig, damit am Ende die filigranen Halbleiter für die Diodenlaser entstehen: eine Jahresproduktion füllt gerade einmal einen Kleintransporter.

Die endgültige Fertigung der Laser findet dann in Jena statt. Eingesetzt werden sie unter anderem in der Materialbearbeitung, also beispielsweise beim Schneiden und Schweißen von Autoteilen. Trotz Jetlags und nur einer Stunde Schlaf wirkte Jenoptik-Chef Mertin hellwach, als er zum Rundumschlag gegen die Politik ausholte, die seiner Meinung nach das einzige Hindernis für die weltweite Wettbewerbsfähigkeit werden und so für eine Abwanderung der Produktion ins Ausland sorgen könne. Mertin kritisierte die nach seiner Ansicht zu hohen Steuern und die Verschuldung der öffentlichen Hand, außerdem forderte er die Politik auf, die „völlig unsinnigen Dinge nicht zuzulassen“, welche die EU-Kommission plane. Er spielte damit auf die mögliche Einstufung von Gallium-Arsenid als hochgiftigen Stoff an. Das Material steht im Verdacht, krebserregend zu sein, ist aber für die Fertigung der Diodenlaser unerlässlich.

Der kämpferische Auftritt könnte mit schlechten Erfahrungen zusammenhängen: 2008 verlor das Unternehmen seinen Platz im Tec-Dax, trennte sich vom Halbleiter- und Solargeschäft und büßte damit 80 Prozent seines Umsatzes ein. Geholfen haben dann unter anderem die Laser: Mit ihnen und optischen Systemen verbuchte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2012 mit 110,9 Millionen Euro zwar ein leichtes Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr, aber der Gewinn ging von knapp einer Million Euro auf 16,2 Millionen zurück. Grund dafür seien aber die optischen Systeme und nicht die Laser, sagte eine Unternehmenssprecherin. Für Wowereit ist die Anlage ein Vorzeigeprojekt. Er lobte Jenoptik – in Anspielung auf den verzögerten Start des Flughafens BER. „Es freut einen Regierenden Bürgermeister, wenn Eröffnungstermine auch einmal eingehalten werden.“Markus Fischer

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