Wirtschaft : „Jetzt ist die Zeit für große Schritte“

Schäuble plädiert für stärkere Integration der EU.

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Kein Optimist.
Kein Optimist.

Berlin - Italiens Ministerpräsident Mario Monti gewährte bei einem Kurzbesuch in Berlin einen Einblick in die italienische Seele. Das Problem sei, dass die Italiener in einem Moment unbegründete Depressionen an den Tag legten und im nächsten Moment unverantwortliche Begeisterung, sagte Monti.

Für den Regierungschef aus Rom gab es am Mittwoch Anlass für schlechte wie für gute Gemütszustände: Die Aufschläge für zwölfmonatige Anleihen Italiens kletterten fast wieder auf den Stand von Dezember, als Monti einen Sparhaushalt verabschieden ließ. Am Abend gab es jedoch Unterstützung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Mario, wie Schäuble Italiens Ministerpräsidenten nannte, habe die Wirtschaft des Landes zurück auf Kurs gebracht und in den vergangenen sechs Monaten bemerkenswerte Erfolge bei den Reformen erzielt. Und Schäuble lobte zugleich Montis Charme, Intelligenz und Höflichkeit.

Grund für so viel Lob war die Auszeichnung für „verantwortliche Führung“, die die European School of Management and Technology ESMT in Berlin an Monti verlieh und die Schäuble am Abend überreichte. Die Verleihung war der Höhepunkt einer Konferenz der ESMT zum Thema „Führen über Generationen hinweg“, auf der Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik noch bis zu diesem Donnerstag Lösungsansätze für die Herausforderungen des demografischen Wandels diskutieren. Es ist das fünfte jährliche Forum der privaten Hochschule.

„Ich bin fest überzeugt, dass Du wirklich der richtige Führer zur richtigen Zeit am richtigen Platz bist“, sagte Schäuble über in seiner Laudatio über Monti. Europa brauche einen Erfolg Montis. Dabei sprach sich Schäuble für eine stärkere Integration Europas aus, wenn nötig auch durch die Änderung des europäischen Rechtsrahmens. „Es gibt eine Zeit für kleine Schritte, und es gibt eine Zeit für große Schritte“, sagte Schäuble. „Jetzt ist die Zeit für große Schritte.“ Niemand wolle einen europäischen Superstaat, aber Europa müsse stärker werden und die Verbindungen zwischen seinen Staaten, Wirtschaft und Politik verbessern.

Monti betonte, dass verantwortliche Führung für ihn vor allem Nachhaltigkeit bedeute – eine Politik also, die nicht zu Lasten der zukünftigen Generationen gehe. Er sagte, fiskalische Disziplin sei notwendig, aber eben auch wirtschaftliches Wachstum. Und auch er betonte, dass Europa mehr Integration nötig habe.

Die Lage Italiens sei nicht fragil, hob Monti hervor. Es gebe aber sowohl schwache als auch solide Aspekte. Die Verschuldung des Landes sei hoch. „Was aber das Bankenwesen betrifft, da weiß ich nicht, wer besser dasteht, Deutschland oder Italien“, merkte Monti an. Die Privathaushalte hätten nur geringe Schulden, und Italiens Wirtschaft habe einen starken Mittelstand. Diese Stärke teile sein Land mit Deutschland. Corinna Visser

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