Jobs in der Logistikbranche : Von A nach B

Die regionale Logistikbranche wächst rasant. Die Unternehmen suchen Fachleute. Auch Akademiker sind gefragt – und Sprachkenntnisse in Polnisch oder Russisch.

Benjamin Haerdle
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In Bewegung. Arbeitsplätze gibt es für Kaufleute, Lagerlogistiker und Lkw-Fahrer, aber auch für Projektmanager, Verkehrsingenieure...Foto: picture alliance / dpa

Wenn Andreas Roblick morgens gegen acht Uhr in sein Büro der Schönefelder Niederlassung des Speditionsunternehmens Dachser kommt, fällt sein erster Blick auf Zahlenkolonnen auf seinem Computerbildschirm. Sie zeigen an, wie kalt es nachts in der Kühlhalle war. „Liegen die Temperaturen über sieben Grad oder unter zwei Grad, können die Lebensmittel verderben, die hier umgeschlagen und gelagert werden“, erklärt Roblick. Als Leiter der Abteilung Kundenservice und Qualitätsmanagement ist der 29-Jährige für die richtige Temperatur in der Halle zuständig, er prüft die Temperatur in Lkws, kontrolliert die Hygienebedingungen beim Ent- und Beladen von Lastwagen und plant außerdem die Weiterbildung seiner Mitarbeiter.

Wer wie Roblick in der Logistikbranche arbeiten möchte, dem stehen viele Türen offen. Lkw-Fahrer beispielsweise versorgen Kaufhäuser und Supermärkte mit Waren. Disponenten koordinieren, wie Produkte vom Herstellungsort per Bahn, Flugzeug, Schiff oder Lkw zum Zielort kommen. Und in Werkshallen großer Unternehmen sorgen Lageristen dafür, dass Produkte richtig gelagert, schnell wiedergefunden und dann verschickt werden können. In Zeiten, in denen der Handel über das Internet boomt und auch in der Industrie immer mehr Einzelteile verschickt werden, verwundert es wenig, dass die Branche brummt.

Die regionale Branche profitiert von ihrer Lage

In Deutschland ist die Logistik mit 2,85 Millionen Beschäftigten und einem Umsatz von rund 230 Milliarden Euro der drittgrößte Wirtschaftszweig. Einen ähnlich hohen Stellenwert hat die Branche in Berlin und Brandenburg. Rund 205 000 Erwerbstätige und ein Umsatz von 10,7 Milliarden Euro im Jahr machen sie zu einem bestimmenden Faktor für Wachstum und Beschäftigung, heißt es in einer Studie, die von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe SCS und dem Potsdamer Progress-Institut für Wirtschaftsforschung im Mai veröffentlicht wurde. Demnach profitiert die Branche vor allem von der Hauptstadtregion und der Nähe zu Osteuropa.

Um den Vorteil der zentralen Lage in Europa weiß auch Mark Renner, Geschäftsleiter des Verbandes Logistiknetz Berlin-Brandenburg. Viele Unternehmen wie Amazon und Zalando hätten sich deshalb hier angesiedelt und verteilten ihre Waren nun etwa über die großen Güterverkehrszentren in Großbeeren, in Wustermark/Brieselang und in Freienbrink.

Die Branche wächst, Arbeitskräfte werden gesucht. „Viele unserer Unternehmen suchen Mitarbeiter, finden sie aber nicht“, sagt Klaus-Dieter Martens, Geschäftsführer beim Verband Verkehr und Logistik Berlin und Brandenburg. Dies gelte etwa für Ausbildungsberufe wie Berufskraftfahrer, Fachkräfte für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice oder Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistungen. Nicht jedem Arbeitssuchenden passen jedoch die Rahmenbedingungen: Schicht- und Nachtarbeit, saisonale Schwankungen bei der Auftragslage, zum Teil unterdurchschnittliche Löhne oder hohe physische Arbeitsbedingungen. All das kratzt am Image der Branche – und erschwert es, Stellen zu besetzen.

Das Unternehmen DB Schenker Logistics, das im Raum Berlin/Brandenburg rund 1700 Mitarbeiter beschäftigt, weist Bewerber vorsorglich darauf hin, dass „oft Schichtdienst und örtliche Flexibilität zum Job dazugehören“. Hinzu kommen besondere Anforderungen, die die Unternehmen zum Beispiel an Speditionskaufleute stellen: „Viele Firmen suchen Spezialisten etwa im Verkauf oder im Vertrieb“, sagt Martens. Diese seien aber nicht leicht zu finden, da wegen der Nähe zu Osteuropa oft Polnisch- oder Russischkenntnisse verlangt würden.

Auch mit Hochschulabschluss hat man gute Chancen

Da sich die Logistikbranche in den vergangenen 20 Jahren enorm professionalisiert hat, bietet sie heute auch Akademikern gute Perspektiven. „Der Bedarf an gut ausgebildeten Logistikfachleuten steigt, weil die internationale Vernetzung der Wirtschaft neue Formen des Managements und der Steuerung der Logistik erfordert“, erklärt Frank Straube, der an der Technischen Universität (TU) Berlin das Fachgebiet Logistik leitet. „Die Arbeitsmarktchancen unserer Absolventen sind sehr gut“, weiß Straube.

Allein die TU entlässt jährlich 250 Master-Absolventen mit dem Schwerpunkt Logistik auf den Arbeitsmarkt. 70 Prozent von ihnen sind Wirtschaftsingenieure, die übrigen 30 Prozent Wirtschaftsmathematiker, Volkswirte und Verkehrsingenieure. Sie finden Jobs quer durch alle Branchen – von der Automobil- über die Elektrotechnikbranche bis hin zur Bauindustrie und zum Maschinenbau sowie auch in Ministerien und internationalen Organisationen wie der Weltbank.

Doch nicht für jeden ist ein Unistudium das Richtige. Der Einstieg in die Branche kann über viele Wege gelingen.

Andreas Roblick entschied sich nach dem Abitur für ein duales Studium „Logistik“. Die Theorie lernte er an der heutigen Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, die Praxis beim Speditionsunternehmen Dachser. „Ich fand den Mix aus Theorie und Praxis im kaufmännischen und gewerblichen Bereich sowie im Verkauf spannend und abwechslungsreich“, sagt Roblick. Nach dem Studium, im Jahr 2008, wurde er von Dachser übernommen.

Ein Jahr lang kümmerte er sich dann um die IT-Versorgung, war danach für das Qualitätsmanagement zuständig, entwickelte ein Online-Schulungssystem für die Mitarbeiter und wurde dann Leiter der Abteilung Kundenservice. Heute führt er ein Team von neun Mitarbeitern. „Ich kann mich beruflich hier sehr gut entwickeln“, sagt er. Es reizt ihn, sich ständig neuen Aufgaben stellen zu müssen.

Ein Ende des Logistikbooms ist so bald nicht abzusehen. „Die Branche hat in der Region noch viel Potenzial, weil sie im Fadenkreuz europäischer Verkehrskorridore liegt“, sagt Verbandsleiter Renner. Mitarbeiter müssten aber bereit sein, sich ständig weiterzubilden, denn die Branche strebe stets Optimierung und Innovation an. Diesen Anspruch hat der Dachser-Mitarbeiter Roblick längst verinnerlicht. Seine To-do-Liste ist nie leer. Gerade plant er, sich in Business-Englisch und Projektmanagement fortzubilden.

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