Jugendarbeitslosigkeit : Europas verlorene Generation

Millionen junge Europäerinnen und Europäer haben keinen Job. Eine Studie hat die Berufsbildung in sieben Ländern analysiert. Und gefragt, was sie erfolgreich macht.

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In manchen europäischen Ländern liegt die Jugendarbeitslosenquote bei 50 Prozent.
In manchen europäischen Ländern liegt die Jugendarbeitslosenquote bei 50 Prozent.dpa

Sie sind jung und chancenlos. 7,5 Millionen junge Europäerinnen und Europäer haben keinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Genannt werden sie die verlorene Generation. In Deutschland ist sie mit sieben Prozent recht gering, in anderen europäischen Ländern liegt die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen dagegen bei fast 50 Prozent. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat die Berufsbildung in sieben Ländern analysiert. Und gefragt, was sie erfolgreich macht.

Jugendlichen gelingt der Einstieg in den Arbeitsmarkt laut der Studie besser, wenn sie eine praxisnahe Ausbildung erhalten. Das würde in Deutschland und der Schweiz gelingen, während sich die Wirtschaft in anderen EU-Ländern wenig engagiere. Von Vorteil sei auch, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Ausbildung gemeinsam gestalteten. So werden Ausbildungsordnungen in dualen Systemen wie in Deutschland von Arbeitgebern und Gewerkschaften gemeinsam entwickelt.

Eine Frage des Ansehens

Mit speziellen Angeboten für leistungsschwächere Jugendliche konnte die Quote für Ausbildungsabbrecher in Schweden, Portugal und Polen gesenkt werden. Untersucht wurden die Systeme in Deutschland, Italien, Polen, Portugal, Schweden, der Schweiz und Großbritannien.

In vielen Ländern habe eine Ausbildung ein geringeres Ansehen als ein Studium, heißt es in der Untersuchung. Völlig zu Unrecht, sagte Bildungsministerin Johanna Wanka am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie: „Eine Ausbildung bedeutet nicht schmutzige Hände, sondern kluge Köpfe.“ Politik und Wirtschaft müssten dafür sorgen, dass eine Ausbildung als attraktive, gleichwertige Option zum Studium wahrgenommen werde. In diesem Zusammenhang müsse die Berufsberatung verbessert werden, da sie fast überall, auch in Deutschland, zu einseitig für ein Studium werbe.

Auslandsmöglichkeiten schaffen

Interessanter sei eine Berufsausbildung auch dann, wenn Jugendlichen mehr Wege offenstehen würden. In Portugal und Polen erhalten Auszubildende mit dem Abschlusszeugnis die Hochschulreife. In Schweden, Deutschland und der Schweiz gibt es Extrakurse zum parallelen oder späteren Erwerb der Studiumsberechtigung.

Ein bislang unausgeschöpftes Potenzial sei die Mobilität. Wie Studierende sollten Auszubildende eine Zeit im Ausland verbringen, dort leben und arbeiten können. Deshalb sollten EU-Programme wie Erasmus stärker auf Azubis ausgerichtet werden. Das Problem gelte auch innerhalb der Länder. In Deutschland würden Stellen oft unbesetzt bleiben, weil mögliche Bewerber weiter weg wohnen und Betriebe nur regional suchen würde. Zudem müsse die Ausbildung an die Digitalisierung angepasst werden.

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