Kälte, Hagel und Flut : Kartoffelpreis verdoppelt sich

Luxusgemüse: Winter und Flut haben den Kartoffeln zugesetzt. Das Angebot wird knapp, die Preise sind so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

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Diverse Kartoffelsorten in einem Ladenregal
1,45 Euro kostet das Kilo Kartoffeln derzeit. Vor kurzem waren es noch 90 Cent.Foto: picture-alliance/dpa

Berlin - Wenn Sie sich im April den Vorratskeller vollgeschaufelt haben, gehören Sie womöglich zu den glücklichen Gewinnern. Kein Edelmetall, kein Dax-Konzern-Papier, nein, die Kartoffel hat in den vergangenen Monaten die vermutlich größte Wertsteigerung erfahren. Circa 1,45 Euro kostet das Kilo im deutschen Einzelhandel momentan. Vor wenigen Wochen waren es noch 90 Cent.

„Die Kartoffel ist so teuer wie seit Jahrzehnten nicht“, sagt Christoph Hambloch von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn. Schuld ist vor allem der lange, kalte Winter. Wegen des quasi ausgebliebenen Frühlings konnten Kartoffeln dieses Jahr erst deutlich später als üblich gepflanzt werden. „Schlechtes Wetter im Mai, Juni hat das Wachstum zusätzlich verzögert“, sagt der Marktanalyst. Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) und Kartoffelbauer in Ost-Westfalen, spricht von Hagelschäden und „Regen, der kaum mehr abfließen wollte. Davon haben sich die Pflanzen nur langsam erholt.“

Für Verbraucher könnten Kartoffeln sogar noch teurer werden

Erst jetzt läuft die Ernte so richtig an. Hinzu kommt, dass auch in anderen Anbauländern wie Israel, Spanien und Ägypten das Angebot an Frühkartoffeln knapp ausfällt. „Die Kartoffeln, die es gibt, sind ungeheuer teuer“, bestätigt Horst-Peter Karos, Geschäftsführer beim Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK).

Bislang gibt der Handel diese Preise noch nicht in vollem Umfang an die Konsumenten weiter. „Die Produzenten verlangen für ein Kilo neue Ernte bereits doppelt so viel wie vor einem Jahr“, sagt Hambloch. Eine Tonne kostet aktuell rund 650 Euro, 2012 waren es knapp über 300. „Da bleibt den Händlern nur sehr wenig Puffer.“ Teure Kartoffeln stellen für Wiederverkäufer ein größeres Risiko dar: Verdirbt eine Palette, trifft der Verlust sie umso härter. „Gerade bei schwülem Wetter, wie wir es zuletzt hatten“, sagt Hambloch, „passiert so etwas schnell.“

All das bedeutet , dass mittelfristig auch mit höheren Preisen für Kartoffelprodukte zu rechnen ist. „Alles andere wäre überraschend.“ Zwar hieß es auf Anfrage bei großen Unternehmen wie Intersnack (Chio, funny frisch Chips) und McDonald’s , dass derzeit keine Preiserhöhungen geplant seien. Lebensmittelhersteller dieser Größe profitieren aber von Langzeitverträgen mit Großhändlern. Kleinere Firmen leiden stärker unter Preisschwankungen bei Rohstoffen. „Letztlich spüren jedoch alle verarbeitenden Betriebe die Preise“, sagt Verbandschef Karos. „Die Situation ist sehr schwierig.“

Einen kleinen Teil haben dem BOGK zufolge auch die Überschwemmungen im Süden und Osten Deutschlands zu der Teuerung beigetragen. „Einige Nutzflächen sind uns da zusätzlich verloren gegangen“, heißt es.

Rund 60 Kilogramm Kartoffeln essen die Deutschen jährlich pro Kopf im Schnitt. Im Mai waren Kartoffelpreise schon einmal Thema, als bekannt wurde, dass das Kartellamt gegen fünf große Abpackbetriebe ermittelt. Die Untersuchungen dauern an, sagte Kay Weidner vom Bundeskartellamt dem Tagesspiegel. Bestätigt sich der Verdacht, haben Großhändler über Jahre die Preise künstlich in die Höhe getrieben. Pro Kartoffelnetz dürfte das beim Einkauf aber wesentlich weniger aufgefallen sein als der Anstieg jetzt: Schätzungen zufolge hätte es sich um Aufschläge von wenigen Cents pro Kilogramm gehandelt.

Mehr neue Ernte kommt im September

Kartoffelliebhaber müssen auf den Herbst hoffen. „Wenn jetzt alles glatt geht, sind im September wieder genug Kartoffeln verfügbar, um zu einem normalen Preisniveau zurückzufinden“, sagt AMI-Mann Hambloch. „Die Kartoffeln stehen gut“, sagt Bauer zu Baringdorf. Bis diese Generation in den Gemüseregalen landet, müssen Verbraucher mehr ausgeben. Oder ihren Speiseplan umstellen: Jetzt wäre ein günstiger Zeitpunkt für eine kohlenhydratarme Diät.

Für alle, die nicht aus dem Keller leben können – oder ihre Schätze lieber gewinnbringend an die Nachbarn verkaufen.

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