Frauen und Karriere : Auf die Bühne, fertig, los!

Damit Frauen im Beruf Erfolg haben, müssen sie selbst in die erste Reihe rücken. Den starken Auftritt kann man lernen

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Den Job rocken: Ehrgeiz sollte man nicht verhehlen - denn nur wer dem Chef auffällt, kommt auch weiter.
Den Job rocken: Ehrgeiz sollte man nicht verhehlen - denn nur wer dem Chef auffällt, kommt auch weiter.Foto: Sergey Peterman/Fotolia

            

Ist die aber ehrgeizig!“ Ein Spruch, der häufig fällt, wenn Frauen führen wollen. Vor allem von männlichen Kollegen. Und nicht unbedingt als Kompliment gemeint. Während Männer mit Biss und Durchsetzungsvermögen anerkennende Blicke ernten, müssen Frauen sich oft für ihren beruflichen Ehrgeiz rechtfertigen, sagte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen in ihrer Rede als Schirmherrin des ersten „Brigitte-Job-Symposiums“ Ende September in Berlin. Wenn in ihrem Haus jemand so über eine ambitionierte Kollegin spricht, bekommt er zur Antwort: „Na und? Ich bin es auch.“

Stereotype und Vorurteile über Fach- und Führungsfrauen sitzen auch im Jahr 2016 immer noch tief. Mit ihrem Symposium wollte die Frauenzeitschrift Mut machen und Anregungen geben beim „Einsteigen, Aufsteigen und Umsteigen“, so das Motto. Wichtigste Botschaft der Expertinnen und Experten auf dem Podium: Seien Sie mutig! „Seien Sie ehrgeizig und verhehlen Sie das nicht“, so Ursula von der Leyens Appell. „Treten Sie in die erste Reihe, werden Sie sichtbar. Sie können viel mehr, als Sie denken.“

Die Rituale einer "männlichen Monokultur" kennen

Eine, die Karriere in einer Männerdomäne gemacht hat, ist Claudia Hümer. Seit 18 Jahren leitet die Mutter zweier Jungen die Tübinger Geschäftsstelle des Finanzdienstleisters MLP. Über ihre Arbeit spricht sie mit viel Begeisterung. Zunächst musste sie allerdings einen skeptischen Vorstand überzeugen. „Werden sich Männer im Vertrieb wohl von einer Frau führen lassen?“ hätte es damals von den Herren aus der Chefetage geheißen. Hümers knappe Antwort: „Besser wärs!“

Dass Frauen heute, fast 20 Jahre später, immer noch mit den gleichen Vorurteilen zu kämpfen haben, hätte sie nie für möglich gehalten, sagt sie. Umso wichtiger findet die Finanzberaterin es, dass Frauen die Rituale und Machtspielchen einer „männlichen Monokultur“ kennen. Dazu gehöre es auch, auf sich und seine Leistungen aufmerksam zu machen. „Erwarten Sie nicht, dass Sie von selbst gesehen werden“, rät die temperamentvolle Schwabin. „Treten Sie liebevoll die Tür Ihres Vorgesetzten ein und sagen Sie: ,Wir müssen mal reden!“.

Experten-Tipps für den selbstbewussten Auftritt

Das nötige Rüstzeug für solch einen selbstbewussten Auftritt vermittelt die Psychologin und Buchautorin Eva Wlodarek, die ihre Trainings mit Frauen gerne mit der Aufforderung beginnt: „Bitte alle mal aufstehen, die sich großartig finden!“ Meist seien das nur einige wenige, die mit roten Wangen schnell wieder auf ihren Stuhl sinken. Aber: „Sie haben alle das Recht, aufzustehen!“ macht Wlodarek dann ihren Zuhörerinnen klar. Denn der erste Schritt zu mehr Ausstrahlung sei eine positive Einstellung zu sich selbst.

Auch die Körpersprache sei wichtig: einladende, offene Gesten, eine gerade Haltung und bloß kein ängstliches Dauerlächeln, denn „damit nehmen Sie zurück, was sie eigentlich sagen wollen“, weiß die Trainerin. Im Job Gefühle zu zeigen, sei aber durchaus okay. So wirke man authentischer und lebendiger - nur bitte nicht ungefiltert, sonst heiße es schnell: „Die ist ja hysterisch“.

Sprachlich rät Eva Wlodarek zu klaren Ansagen: „Wir Frauen neigen zu einer ,Seidenpapiersprache, reden viel im Konjunktiv, benutzen oft Höflichkeitsfloskeln, Füllwörter oder Verniedlichungen.“ Statt Vorschläge mit den Worten „Könnten wir nicht vielleicht mal ...?“ einzuleiten, sollten Frauen sich bei männlichen Kollegen abgucken, wies gesagt wird: „Ich schlage vor“, „das bringt das Projekt voran“, „wir sollten das so machen“.

„Männer und Frauen leben in unterschiedlichen Sprachwelten“, sagt Wlodarek. Während Frauen untereinander sofort wüssten, was ihr Gegenüber mit einer höflich verpackten Aufforderung sagen wolle, käme bei Männern oft etwas anderes an: Aus „Hätten Sie eventuell Zeit, das heute noch zu erledigen?“ werde dann die Botschaft „Das hat aber auch bis morgen Zeit.“ Ein weiterer Tipp der Psychologin: „Zeigen Sie Ecken und Kanten. Versuchen Sie nicht, es allen recht zu machen. Es heißt nicht umsonst: ,Everybodys Darling is everybodys Depp. Sagen Sie Ihre Meinung, sagen Sie auch mal Nein.“

Es geht um Körperbotschaften, Revierverhalten und Sprache

Ein Mann, der Frauen seit Jahren ermutigt und ertüchtigt, sich im Beruf besser durchzusetzen, ist der Unternehmensberater Peter Modler. Sein Arroganz-Training® für weibliche Führungskräfte öffnet Frauen die Augen über die „Sprachunterschiede“ zwischen den Geschlechtern, über männliche Machtspiele, aber auch ihre eigene Rolle darin. Berufliche Situationen, in denen sich die Teilnehmerinnen machtlos oder unwohl gefühlt haben, werden mit Stellvertretern nachgespielt, um Lösungen zu finden. Wie begegnet Frau dem Mitarbeiter, der ihr bei der Präsentation ständig ins Wort fällt? Dem Chef, der ihre exzellenten Leistungen ignoriert? Dem Geschäftspartner, der sie „Häschen“ nennt oder den Verbandskollegen, die in Meetings kaum Notiz von ihr nehmen?

Dabei geht es vor allem um Körperbotschaften, Revierverhalten und Sprache als Machtinstrumente - und die bittere Erkenntnis, dass Sachargumente erstmal zweitrangig sind. „Man muss das Spiel nicht großartig finden, aber man muss wissen, nach welchen Regeln es funktioniert“, schreibt Modler in seinem Buch „Das Arroganz-Prinzip“. „Und gut wird es gespielt, wenn man zumindest am Anfang seinen eigenen Auftritt mit einer gesunden Prise Arroganz anreichert.“ Dabei stellt der studierte Theologie klar, dass ihm nichts daran liege, Männer abzuwerten oder Frauen zu glorifizieren. „Aber als Mann und Unternehmer habe ich ein Interesse daran, mit starken Frauen zusammenzuarbeiten.“

Der Schweizer René Mägli warf alle Männer raus

Starke Frauen, gemischte Teams - das tut Organisationen und Unternehmen gut, sagt auch Ursula von der Leyen. „Gemischte Teams kommen zu besseren Entscheidungen, weil sie einen unterschiedlichen Blick auf die Welt haben, unterschiedliche Chancen und Risiken sehen.“

Der Schweizer Manager René Mägli war da noch radikaler. Seit 35 Jahren ist er Vorstand von MSC Basel, der Schweizer Tochtergesellschaft der Reederei MSC, der zweitgrößten Frachtreederei der Welt. Vor 20 Jahren warf er alle Männer raus. Heute beschäftigt seine Firma 131 Frauen - und vier Männer. Mägli findet: Frauen arbeiten effizienter und können besser kommunizieren. „Und ich habe damals gemerkt: Diejenigen, die sich im Unternehmen nicht entwickeln konnten, waren die Frauen“, sagt er. Die Männer hätten sie ausgebremst.

Damit das nicht passiert, gab es vom Podium des Job-Symposiums zum Abschluss noch die wichtigsten Tipps mit auf den Weg: Mutig sein. Keine Angst haben, auch mal zu scheitern. Achtsam mit sich selber sein. Und, so der frühere Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger, „vieles mit Humor ertragen und gestalten“.


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