Karriere : Keine große Kunst

Man muss kein Schriftsteller sein, um in der Literaturbranche Erfolg zu haben

Anne Meyer

Turid Weingartz liebt Bücher. „Ich war immer maßlos lesehungrig“, sagt die 26-Jährige. Deshalb machte sie ihre Leidenschaft zum Beruf: Als Literaturagentin vertritt sie in London Autoren und verkauft Buchrechte an Verlage. „Das mache ich sowohl vom Schreibtisch aus als auch auf Buchmessen“, erzählt sie. Gleichzeitig schreibt sie Pressemitteilungen und Klappentexte, widmet sich Marketingfragen und erledigt oft auch Lektorats- und Übersetzungsaufgaben. „Eigentlich könnte man meine Aufgabe als Autorenbetreuung bezeichnen, und zwar in allen Bereichen.“

Weingartz Weg in den Job führte nach einem Literaturstudium in den USA über den weiterbildenden Master-Lehrgang „Angewandte Literaturwissenschaften“ an der Freien Universität Berlin. Das Aufbaustudium, das den Anspruch hat, junge Literaturbegeisterte auf verschiedene Berufe im Buchmarkt vorzubereiten, sei durchaus sinnvoll gewesen, so Weingartz: „Vor allem die Seminare zum Verlags- und Urheberrecht sowie zur Betriebswirtschaft sind eine gute Vorbereitung auf das, was einen in der Literaturbranche erwartet. Mir haben außerdem die Kontakte sehr geholfen. Zu meinen Dozenten gehörten prominente Verlagsleiter und Literaturkritiker.“

Ein weiteres Plus des Studiengangs: Er vermittelt einen Überblick über die verschiedenen Berufe des Buchmarktes. Denn viele Studienanfänger konzentrierten sich zunächst auf den einen Traumjob, erzählt Studiengangskoordinatorin Dorothee Risse: „Lektor zu werden steht bei unseren Studenten ganz oben auf der Wunschliste.“ Viele Jobs im Lektorat gibt es bei den Verlagen jedoch nicht. Einige Absolventen setzen daher auf andere Bereiche in der Verlagsarbeit und spezialisieren sich auf Vertrieb, Rechte und Lizenzen oder Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem gibt es die Möglichkeit, als Verlagsvertreter und in Literaturagenturen zu arbeiten oder Literaturhäuser und -festivals zu betreuen.

Wer sich für den Studiengang bewerben möchte, muss einen Bachelorabschluss oder ein Diplom vorweisen, vorzugsweise in einem neuphilologischen Studiengang mit literaturwissenschaftlichem Schwerpunkt. Besondere Sprachkenntnisse oder Berufserfahrungen können beim Auswahlgespräch berücksichtigt werden. Wer es geschafft hat, lernt innerhalb von vier Semestern, wie man zum Beispiel Klappentexte und Pressemitteilungen verfasst oder Layoutprogramme bedient. Alle Aspekte des Buchmarkts sollen erfasst werden. „Ein Absolvent arbeitet heute bei einem Verlag im Bereich Rechte und Lizenzen, eine andere Absolventin organisiert ein Literaturfestival“, so Risse.

Um im Buchmarkt unterzukommen, muss man aber nicht unbedingt studiert haben. Neben dem klassischen Beruf des Buchhändlers gibt es auch weniger bekannte Professionen. So können sich Kaufleute und Mediengestalter innerhalb von zwei Jahren berufsbegleitend zum Medienfachwirt weiterbilden. Ihnen steht der Weg in Zeitungsverlage und digitale Medien, aber auch in den Buchmarkt offen.

Medienfachwirte sollen Kunden sowohl im kreativen Bereich beraten und Marketingkonzepte entwickeln, als auch die Finanzschiene überwachen – von der Kalkulation bis zur Preis- und Terminkontrolle. Medienfachwirt kann werden, wer eine kaufmännische Ausbildung in den Medien oder aber eine technische Ausbildung zum Mediengestalter absolviert hat. Auch Quereinsteiger mit mehrjähriger Berufspraxis können an der Weiterbildung teilnehmen. „Es gehört schon einiges an technischem Know-How dazu“, so Hofmann, „deshalb haben es Kaufleute oft schwerer als Mediengestalter.“ Fortbildungskurse bietet zum Beispiel das bbw-Bildungswerk an. Zweimal die Woche abends sowie samstags lernen die Teilnehmer Grundlagen in Projektmanagement, Betriebswirtschaft, Medienrecht, Produktplanung und Kostenmanagement. Wer sich die Zeit frei einteilen möchte, kann sich auch im Online-Studium auf die Prüfung zum Medienfachwirt vorbereiten. Die Telelearn-Akademie in Hamburg (TLA) bietet einen Fernlehrgang im Umfang von 18 Monaten an.

„Dieser Beruf schließt die Lücke zwischen technischem und gewerblichem Bereich“, so Dorothea Hofmann von der Berliner Industrie- und Handelskammer, „das macht den Charme des Abschlusses aus“. Auch Detlef Bluhm vom Börsenverein des deutschen Buchhandels meint: Medienfachwirte sind gut auf die Veränderungen auf dem Buchmarkt vorbereitet. „Herstellung, Vertrieb und Werbung rücken immer näher zusammen“, so der Geschäftsführer des Berliner Landesverbands. Das heißt, künftige Verlagsmitarbeiter müssen sich mit Schriften und Druckpapier ebenso auskennen wie mit Betriebswirtschaft und Marketing.

Ob man sich mit dem Inhalt oder der technischen Umsetzung der Bücher beschäftigt: Um kaufmännische Kenntnisse kommen weder Akademiker noch Fachwirte herum. Auch von einem Verlagsvertreter oder Literaturagenten – typischen Quereinsteigerberufen – wird Geschäftssinn gefordert. Hinzu kommt: Man muss sich in der Branche auskennen und Kontakte sammeln. „Darüber verfügen vor allem erfahrene Lektoren und Übersetzer, die später als Literaturagenten arbeiten“, so Bluhm. Weingartz konnte ihre Kontakte schon während des Studiums knüpfen, sie jobbte als Übersetzerin in verschiedenen Verlagen. „Das schwierigste ist, sich nicht entmutigen zu lassen“, sagt sie. Eines dürfe im Geschäft mit dem gedruckten Wort nicht fehlen: ein dickes Fell.

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