Mode-Knigge : Der richtige Dress

Turnschuhe zum Anzug geht gar nicht. Der Rock sollte bis zu den Knien gehen und die Schuhe nicht klackern. Stimmt das? Was sich im Büro tatsächlich schickt.

Franziska Klün
Skizze: Dietrich Hildebrand

Was zählt, ist die Leistung. Warum sollte man sich da einen Kopf über das Äußere machen?

In manchen Berufen muss man daran tatsächlich kaum einen Gedanken verschwenden. Ärztinnen tragen Kittel, Handwerker einen Blaumann, Stewardessen Uniformen. Geht man aber tagtäglich ins Büro, kommt man nicht darum herum. Jeder Morgen beginnt mit der lausigen Frage: Was ziehe ich an? Und die Antwort darauf verdient durchaus eine Menge Aufmerksamkeit.

„Mit dem, was man trägt, kommuniziert man nonverbal“, sagt die Modeexpertin Anke Schmidt-Hildebrand. Die 49-Jährige hat als Head-Designerin für das Modeunternehmen „Windsor“ gearbeitet. Heute betreibt sie mit ihrem Mann eine Image Consulting Agentur in Frankfurt. „Treffe ich auf jemand Fremdes, sende ich bereits optische Signale, bevor ich überhaupt die Möglichkeit erhalte, mit Worten zu überzeugen“, erklärt sie. Wer also durch Kleidung einen inkompetenten Eindruck macht, muss viel Energie aufbringen, diesen zu widerlegen. Für einen wirkungsvollen Auftritt spielt also neben der fachlichen Kompetenz auch das Aussehen eine wichtige Rolle.

BIEDER ODER COOL

In jede Branche, Firma, Position und Jahreszeit gelten andere Kleidungsvorschriften. Was in einem Modeunternehmen bieder wirkt, kann in einer Versicherung gerade seriös genug sein. Und umgekehrt: Während Männershorts in knalligen Farben in diesem Sommer in mancher Berliner PR-Agentur Hochkonjunktur hatten, könnte die gleiche Kleiderwahl in einer Unternehmensberatung dazu führen, dass man noch vor dem ersten Kaffee wieder Heim geschickt wird. Dennoch gibt es eine Menge branchenübergreifender Tipps, mit denen man in der Regel überall gut ankommt.

DIE REGELN

Auf der sicheren Seite ist, wer sich an bestimmten Regeln orientiert: So sollte Kleidung im Büro stets klar und auf das Wesentliche reduziert sein. Ein gut sitzender Hosenanzug, dazu ein Schmuckstück – das lenkt nicht ab. Viele Accessoires oder viel Schmuck dagegen vermitteln Unentschlossenheit. „Das Sprichwort ‚weniger ist mehr' gilt besonders im Büro. Das Auge des Betrachters darf nicht zu sehr beansprucht werden, schließlich geht es um den Inhalt der Konversation und nicht darum, was man da gerade eigentlich alles so trägt“, sagt Anke Schmidt-Hildebrand.

Außerdem sollte man sich angemessen kleiden. Diese Regel verstehe sich von selbst. Jeder Berufstätige muss einen der Branche entsprechenden Kleidungsstil entwickeln. Beginnt man einen neuen Job und ist stilistisch unsicher, orientiert man sich am Outfit der Kollegen.

In jedem Arbeitsbereich zählt zudem ein gepflegtes Auftreten. „Besonders die Haare und Schuhe bestimmen entscheidend den ersten Eindruck“, sagt Schmidt-Hildebrand. Frauen sollten ihre Haare eher zurückgekämmt tragen, als die wilde Mähne im Gesicht. Männer sollten darauf achten, sprießende Haare im Nacken, in den Ohren oder in der Nase zu stutzen und im Falle längerer Augenbrauen, diese unbedingt leicht nach oben zu bürsten: „So wirkt der Augenbereich wacher und klarer“, sagt Schmidt-Hildebrand. Wer Modernität ausstrahlen möchte, muss nicht glauben, jeden Trend mitmachen zu müssen. „Viel mehr geht es darum, Kleidung zu tragen, die dem Zeitgeist entspricht“, sagt die Expertin. Der 80er Jahre Anzug und die Bundfaltenhose sollten im Kleiderschrank bleiben – außer man hat ein extrem stilsicheres Modeverständnis und weiß die Dinge richtig zu kombinieren.

ROCK UND SAKKO

„Besonders Frauen sollten stets daran denken: Das Outfit im Beruf ist viel mehr Kommunikationsmittel als modisches Statement“, sagt Schmidt-Hildebrand – und warnt vor modischen Verlockungen. Dabei ist die Auswahl groß, können sie doch zwischen Kostüm und Rock, Kleid und Hosenanzug, eng und weit geschnitten, mit Rüschen oder ohne entscheiden.

Auch das Sakko ist für Frauen kein Muss. Sie können zu Hose oder Rock stattdessen zum Beispiel auch hüftlange, schlanke Cardigans aus dünner Wolle tragen. Beim Rock ist die Frage: Wie lang? Als ideal und immer richtig gilt die knieumspielende Variante. Bei jungen Frauen mit schönen Beinen darf der Rock auch eine Handbreite über dem Knie enden.

DER ANZUG

Zwar gibt es manch modernen Karrieristen, der sämtliche Dresscodes ignoriert, weil er meint, es sich leisten zu können. Allgemein herrscht aber zumindest in den deutschen Vorstandsetagen Anzugspflicht. Auf den sonstigen Ebenen sind in einigen Branchen auch andere Kombinationen möglich. Ein gutes Sakko zu einer Chinohose oder einer guten Jeans aus Dark Blue Denim zum Beispiel.

Beim Anzugkauf lohnt der genaue Blick. Die Stoffe und Verarbeitung müssen qualitativ hochwertig sein, besonders die Knöpfe sehen auch bei guten Anzügen oft billig aus. Der Anzug sollte nicht knalleng, aber körpernah sitzen, die Schulterlinie muss gerade sein, nicht zu sehr ausgepolstert, eher eckig als rund.

Ein für alle mal: Turnschuhe zum Anzug geht gar nicht. Zwar meinen manche, damit eine gewisse Individualität auszustrahlen, aber selbst in der wagemutigeren Modebranche trägt das keiner mehr.

DIE SCHUHE

Man sollte lieber beim Anzug sparen, als beim Schuhwerk: „Der Schuh legt das Niveau des Outfits fest“, erklärt Schmidt-Hildebrand, „trägt man einen günstigen Anzug und dazu ein Paar Designerschuhe, staunt jeder über die tollen Schuhe und geht davon aus, dass der Anzug auch hochwertig ist. Trägt man aber einen Designeranzug und dazu billige Schlappen, wirkt der Anzug auch nicht besonders.“

Generell gilt der Fuß als intim. Darum sollten Frauen, gerade in formelleren Branchen, ihre Füße bedeckt halten. Einzige Ausnahme ist der Peeptoe-Schuh, der nur die Spitze des großen Zehs freigibt. Er ist fast überall salonfähig.

Wie dürfen Schuhe klingen? Für Männer gilt: Im Job sind quietschende Gummisohlen fehl am Platz, der Business-Schuh sollte eine Ledersohle haben, die hat einen guten, festen Klang. Bei Frauen ist es wieder etwas komplizierter: Der Schuh sollte nicht wie Badelatschen klacken, aber auch nicht eifrig trippeln. „Das assoziiert man schnell mit Übereifrigkeit“, sagt die Expertin. Je höher und schmaler der Absatz, desto trippelnder der Klang.

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