Kaufda : Einmal durch die Hölle und zurück

Die Gründer des Verbraucherportals Kaufda haben das erste Geschäftsjahr überstanden – mit Erfolg.

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Verstopft: Viele Leute ärgern sich über Werbeprospekte im Briefkasten. Beim Internetportal Kaufda lassen sich Sonderangebote...dpa

BerlinBerlin - Der Mensch muss essen, schlafen, trinken – und einkaufen. In Zeiten der Wirtschaftskrise ist dabei das Attribut „billig“ nicht zu verachten. „Besonders die Berliner gucken darauf“, die seien regelrecht aktionsgeil, sagt Christian Gaiser. Der Geschäftsführer des Internetportals „Kaufda“ zeigt auf einen Monitor, wo eine Grafik die Kaufgewohnheiten der Hauptstädter zusammenfasst. Online informieren, offline einkaufen, lautet das Motto des Verbraucherportals. Dafür werden Werbeprospekte von kleinen und großen Händlern, Discountern, Baumärkten oder Modeläden eingescannt und verschlagwortet. Die Softwareentwickler sorgten dafür, dass das Programm an der IP-Adresse erkennt, in welcher Stadt der Portalbesucher sitzt. Die Seite wird dementsprechend angepasst. „Pampers gehen besonders gut“, sagt Gaiser. Mütter, die nach Sonderangeboten rund ums Baby suchen, zählten zu den häufigsten Besuchern der Internetseite. Aber auch Baumarktartikel liefen gut.

Die Idee, Werbeprospekte ins Web 2.0 zu übertragen, kam dem 24-jährigen Christian Gaiser gemeinsam mit seinem damaligen Kommilitonen Tim Marbach, 23 Jahre alt, als sie drei Monate ins kalifornische Silicon Valley eintauchten, um ihre Bachelorarbeit zu schreiben. „Man lebt da wie unter einer Käseglocke“, sagt Gaiser. Alle bastelten an Konzepten. In den USA hätten die Konsumenten mehr Möglichkeiten, sich online über lokale Sonderangebote zu informieren. In Deutschland liefen dagegen die Briefkästen von Werbeprospekten über.

Marbach und Gaiser brachten ihr Verbraucherportal Kaufda im Dezember 2008 auf den Markt, gemeinsam mit den Entwicklern Cihan Aksakal und Thomas Frieling, beide 26 Jahre alt und zuständig für Software und IT. Ihr Büro ist im Berliner Nikolaiviertel in einem Kunstkaufhaus untergebracht. Und sie scheinen ihre Sache gut zu machen. Bekannte Gründer wie Lars Hinrichs (Xing) wählten sie zum erfolgreichsten Start-up-Unternehmen des Jahres 2009. Zu ihren Gesellschaftern gehören Internetunternehmer von Lastfm oder Studi VZ. Auch die Telekom hat ihre Finger im Spiel, mit Wachstumskapital und Know-how. „Es schafft Vertrauen bei potenziellen Kunden und in der Branche, wenn jemand sich an der Erstfinanzierung eines jungen Start-ups beteiligt“, sagt Wolf Kempert, Unternehmensberater. Sogenannte „Business Angels“ fördern nicht nur mit Kapital, sie coachen und beraten auch.Etwa 4000 Betriebsgründungen im Bereich IT-Services und Informationsdienste verzeichnete der Branchenverband Bitkom im Jahr 2009. Zwar ging die Zahl damit im vergangenen Jahr geringfügig gegenüber dem Vorjahr zurück. Angesichts der Wirtschaftskrise sei das aber kein Wunder. „Der Trend ist da“, sagt Kempert.

Die Internetbranche ist beliebt bei jungen Gründern. Gerade die jüngere Generation habe den Zugang und das Können: Programmierung, das Kombinieren von Tools, das Nutzen von Netzwerken, sagt Kempert. „Viele versuchen, eine erfolgversprechende Geschäftsidee zu finden oder auch zu kopieren“, erklärt er. Dies sei zugleich ein Problem neuer Internetportale. Das Alleinstellungsmerkmal habe man nicht lange. Die Kaufda-Gründer gingen deshalb absichtlich so früh wie möglich auf den Markt, heute analysieren sie alle ein bis zwei Wochen, ob ihr Konzept noch ausreichend funktioniert.

100 bis 150 Großkunden hat Kaufda inzwischen. Nun konzentriert sich das Portal verstärkt auf kleinere Händler, die sich keine Werbeprospekte leisten können. Seit ungefähr sechs Jahren gebe es zunehmend Werbeverweigerer, die sich mit Aufklebern gegen Briefkastenwerbung wehren. „Wir wollen die gedruckten Prospekte nicht verdrängen, ich bin überzeugt, dass die auch in 20 Jahren noch wichtig sein werden“, sagt Gaiser. Kaufda sei nur eine Reaktion auf ein verändertes Kaufverhalten, wobei Leute sich online gezielt über Angebote informierten.

„Einmal durch die Hölle und zurück“, beschreibt Gaiser die Anfänge der Gründerzeit. Anfangs fuhren die Gründer mit Sparangeboten der Bahn durch Deutschland, um Händler von Kaufda zu überzeugen. Heute müssen sie nicht mehr jede Zugfahrt kalkulieren, das Geschäft läuft gut: 25 Mitarbeiter betreuen die Seite, drei Monate nach dem Start hatte das Portal zwei Millionen Nutzer. Heute sind es vier Millionen, auch durch Kooperationen mit Seiten wie meine-stadt.de und immobilienscout.de. Darauf wollen sich die Gründer aber nicht ausruhen: In diesem Jahr ist ein App fürs iPhone geplant.

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