Köln statt Schönefeld : Berlin verliert Poker um Lufthansas Billig-Airline

Der Lufthansa-Aufsichtsrat will die Zentrale seiner neuen Billigflug-Tochter nun doch in Köln errichten. Das Debakel um den neuen BER-Flughafen dürfte bei der Entscheidung auch eine Rolle gespielt haben.

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Die neue Airline soll rund um Lufthansas bereits bestehende Foto: picture alliance / dpa
Die neue Airline soll rund um Lufthansas bereits bestehendeFoto: picture alliance / dpa

Die Hauptstadt kann ihre Hoffnung endgültig begraben, Standort für die neue Billigfluggesellschaft der Lufthansa, zu werden: Der Aufsichtsrat des größten europäischen Luftfahrtkonzerns hat am Mittwoch entschieden, dass Köln den Zuschlag erhält. Damit ist auch Stuttgart aus dem Rennen um die prestigeträchtige Ansiedlung einer neuen Airline, die mit rund 400 neuen Arbeitsplätzen verbunden wäre.

Im Frühjahr war erstmals durchgesickert, dass Lufthansa sein Billigfluggeschäft bündeln will, um besser auf die Konkurrenz von Air Berlin bis Easyjet und Ryanair reagieren zu können. Das Programm lief unter dem Arbeitstitel „Direct 4 You“. Der Name war ein Hinweis, wie diese Gesellschaft aussehen könnte: Tatsächlich beschloss der Aufsichtsrat jetzt zum 1. Januar 2013 die Fusion der intern so genannten „Direct Services“ der Lufthansa mit der bestehenden Billigtochter Germanwings, die den internationalen Airline-Code „4U“ trägt. Hinter Direct Services verbergen sich alle innerdeutschen und europäischen Lufthansa-Verbindungen außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München.

Es entsteht somit eine neue Gesellschaft, in der Lufthansa Flieger der Kernmarke, die gesamte Flotten von Germanwings und der Tochter Eurowings zusammenfasst, damit dann insgesamt rund 90 Flugzeuge die Direktverbindungen in Deutschland und Europa abdecken. Im ersten Jahr sollen über 18 Millionen Passagiere mit der neuen Airline befördert werden, kündigte Lufthansa an.

„Die Bündelung unserer Punkt-zu-Punkt-Verkehre birgt erhebliche Effizienzpotenziale. Unser Ziel ist, diese Verkehre unter dem Dach einer Gesellschaft wieder profitabel zu fliegen“, schrieb Konzernchef Christoph Franz in einer Mitteilung. Die Entscheidung über den künftigen Markennamen der neuen Gesellschaft werde erst in den kommenden Monaten fallen.

Zur Standortentscheidung gab es gestern keinen Kommentar. Für Köln sprach stets, dass dort bereits die Zentrale von Germanwings sitzt, und Lufthansa auch künftig in dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen präsent sein wollte. Berlin dagegen hätte möglicherweise mit Standortbeihilfen locken können. Das Chaos um die Flughafen-Eröffnung dürfte sicher auch die Entscheidung beeinflusst haben.

Das Kontrollgremium stellte am Mittwoch zudem die Weichen für die Nachfolge des Aufsichtsratschefs. Der Nominierungsausschuss empfahl Wolfgang Mayrhuber, bis Ende 2010 Vorstandschef, als Nachfolger für Lufthansa-Urgestein Jürgen Weber, der auf der Hauptversammlung 2013 altersbedingt ausscheiden wird.

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