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Konjunktur : Deutsche Wirtschaft wächst um 1,5 Prozent

Das vergangene Jahr war nicht schlecht, die Wirtschaft legte um 1,5 Prozent zu. Und auch 2015 könnte besser werden als bislang erwartet - auch für die öffentlichen Kassen.

Funken hat die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr durchaus geschlagen, das Wachstum lag immerhin bei 1,5 Prozent.
Funken hat die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr durchaus geschlagen, das Wachstum lag immerhin bei 1,5 Prozent.Foto: dpa

Die deutsche Wirtschaft ist 2014 um 1,5 Prozent gewachsen. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin mit. 2013 hatte es nur ein Plus von 0,1 Prozent gegeben und 2012 von 0,4 Prozent. Dabei hat der deutsche Staat 2014 das dritte Jahr in Folge schwarze Zahlen geschrieben. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen zusammen 11,9 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Die Summe entspricht einem Überschuss von 0,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin mit. In den beiden Vorjahren hatte es jeweils einen Überschuss von 0,1 Prozent gegeben. Grund für die positiven Zahlen sind vor allem die Rekordbeschäftigung und steigende Löhne. Das spülte höhere Steuer- und Beitragseinnahmen in die Staatskassen. Rekordtiefe Zinsen sparten außerdem vielen Milliarden an Kosten. Dadurch kam etwa der Bund erstmals seit 1969 ohne neue Schulden aus. "Seit der deutschen Vereinigung hat es nur im Jahr 2000 einen höheren Überschuss gegeben“, sagte Statistikamt-Chef Roderich Egeler. “Damals jedoch aufgrund hoher einmaliger Erlöse aus dem Verkauf der UMTS-Mobilfunklizenzen.“ Deutschland besitze damit ein “Alleinstellungsmerkmal“ innerhalb der
Euro-Zone.

Die Investitionen stiegen um 3,7 Prozent

Im vergangenen Jahr sorgten vor allem die Verbraucher für Impulse. Ihr Konsum erhöhte sich um 1,1 Prozent. Die Exporte legten um 3,7 Prozent zu. Trotz der großen Unsicherheit über die Konjunkturentwicklung wagten die Firmen wieder mehr Investitionen. Die Ausgaben für Maschinen und Anlagen stiegen um 3,7 Prozent, nach einem Rückgang von 2,4 Prozent im Jahr davor. Für das laufende Jahr sagen die meisten Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von gut einem Prozent voraus. Wegen des gesunkenen Ölpreises und des niedrigen Euro könnte es aber auch besser laufen. Als Risiken gelten vor allem die internationalen Krisen, etwa in der Ukraine, oder eine schwache Erholung des Euro-Raums. Nach den Angaben der Statistiker spricht für einen guten Verlauf in diesem Jahr auch das relativ starke viert Quartal 2014. Das Bruttoinlandsprodukt sei zwischen Oktober und Dezember um rund 0,25 Prozent zum Vorquartal gestiegen, schätzt das Statistische Bundesamt. Im Sommerquartal hatte Europas größte Volkswirtschaft nur um 0,1 Prozent zugelegt.

Regierung will Wachstumsprognose anheben

Die Bundesregierung wird ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahre nach Angaben aus Koalitionskreisen anheben. “In der Regierung wird über bis zu 1,5 Prozent diskutiert“, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag von einem führenden Koalitionspolitiker. Andere Quellen in der schwarz-roten Koalition bestätigten dies. In der geltenden Prognose, die die Regierung im Rahmen des neuen Jahreswirtschaftsberichts am 28. Januar aktualisieren will, ist noch von 1,3 Prozent Wachstum die Rede. Derzeit werde innerhalb der Regierung über eine Revision auf 1,4 oder 1,5 Prozent gesprochen, hieß es. Einiges spreche dafür, dass man sich am Ende auf 1,5 Prozent festlege. Auch viele Experten hatten in den vergangenen Wochen ihre Wachstumserwartungen in Richtung 1,5 Prozent angehoben.

Private Investitionen sollen gefördert werden

Das Thema Investitionen wird auch im anstehenden Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung im Mittelpunkt stehen. “Investieren für Deutschlands und Europas Zukunft“ lautet der Arbeitstitel für den Bericht, zu dem der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag ein internes Diskussionspapier vorlag. Der deutschen Wirtschaft wird darin insgesamt “eine gute Verfassung“ bescheinigt. Es gelte aber, nun die privaten und öffentlichen Investitionen in Deutschland und Europa weiter zu verstärken. “Um das Wachstumspotenzial Europas nachhaltig zu verbessern, setzt die Bundesregierung auf einen Dreiklang aus beschleunigten Investitionen, ehrgeizigen Strukturreformen und wachstumsfreundlicher Konsolidierung“, heißt es in dem Papier. Um mehr private Investitionen zu ermöglichen will die Regierung Hemmnisse dafür abbauen und die Rahmenbedingungen verbessern. “Dabei geht es darum, Spielräume für die Finanzierung der öffentlichen Infrastruktur zu nutzen und neue Konzepte für deren Finanzierung zu erarbeiten“, heißt es in dem Papier.

Bürokratieabbau steht auch wieder auf der Aufgabenliste

Eine Aufgabe zur Beschleunigung privater Investitionen sei der Bürokratieabbau. “Die Bundesregierung wird bis Ende 2016 das Prinzip des 'one-in, one-out' in Deutschland testen, bei dem in gleichem Maße Belastungen abgebaut werden, wie durch neue Regelungsvorhaben zusätzliche Belastungen entstehen.“ Derzeit wird der Entwurf für den Jahreswirtschaftsbericht innerhalb der Regierung abgestimmt. Vorgelegt werden soll der Bericht am 28. Januar. Auch die EU-Kommission hat die Förderung von Investitionen zu einem Hauptvorhaben dieses Jahres erklärt.

Gründe für mehr Wachstum

Es folgen fünf Gründe, die für einen kräftigeren Aufschwung sprechen: Der Ölpreis hat sich seit dem Sommer 2014 mehr als halbiert. Das entlastet deutsche Verbraucher und Unternehmen in diesem Jahr um etwa 30 Milliarden Euro, wie der Deutschland-Chefvolkswirt der Großbank UniCredit, Andreas Rees, ausgerechnet hat. Allein die Lufthansa spart etwa 900 Millionen Euro an Treibstoffkosten. “Ein solcher Rückgang wirkt über die Entlastung der Lebenshaltungskosten der Haushalte und der Produktionskosten der Unternehmen wie ein kleines Konjunkturprogramm“, betont Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Nach Schätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages kann das 0,3 Prozentpunkte an zusätzlichem Wachstum bringen.

Schwacher Euro ist gut für den Export

Die Gemeinschaftswährung kostet so wenig wie seit neun Jahren nicht mehr. Für die Exporteure sind das gute Nachrichten: Sie können ihre Produkte dadurch günstiger anbieten und so den Absatz steigern - oder bei gleichbleibenden Preisen ihre Gewinnmargen erhöhen. Der Euro ist zwar schon seit Monaten auf Talfahrt, doch dürfte sich das erst im Laufe dieses Jahres positiv auswirken, erwartet etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche. Die Absicherungsgeschäfte, die den Konzern und viele andere Großunternehmen im vergangenen Jahr gegen Währungsschwankungen abschirmten, liefen noch eine Weile. Doch je länger das Jahr dauert, desto stärker profitieren die Exporteure vom Euro-Rutsch.

USA sind stark

In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft mit 3,5 Prozent noch kräftiger zulegen als 2014, sagen die Ökonomen der Deutschen Bank voraus. Wichtigster Grund dafür: Die Zahl der Beschäftigten ist 2014 so kräftig gestiegen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Das schiebt den privaten Konsum an, der für etwa 70 Prozent des BIP steht. Davon profitieren auch die deutschen Exporteure. Schon im abgelaufenen Jahr steigerte etwa der Autobauer Audi seinen Absatz in den USA um gut 15 Prozent, BMW um knapp zehn Prozent. Alle Experten erwarten eine deutliche Zunahme der Beschäftigung. Hauptgrund dafür ist die enorme Zahl der Zuwanderer: 450.000 werden unter dem Strich im kommenden Jahr erwartet, nach etwa 500.000 in diesem Jahr. Auch der Aufwärtstrend bei Dienstleistungen und der hohe Bedarf an Fachkräften kurbelt die Nachfrage an. “Dadurch wird die Beschäftigung auch 2015 steigen“, sagt Enzo Weber vom IAB-Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte mit durchschnittlich 42,8 Millionen einen Rekord erreichen, sagen Bundesregierung und Sachverständige voraus. Das kurbelt den Konsum an und schirmt die Wirtschaft gegen geopolitische Risiken ab.

Impulse aus den Krisenländern

Nach Jahren der Schwäche kommen die Krisenstaaten Portugal, Irland, Griechenland und Spanien (PIGS) immer besser in Schwung. Die Wirtschaft in Griechenland wuchs im abgelaufenen Quartal so schnell wie in keinem anderen Euro-Land. Irland wird 2014 nach einer Prognose der EU-Kommission mit 4,6 Prozent Wachstum Europameister. Von der Erholung profitiert auch Deutschland: In den ersten neun Monaten 2014 legten die Exporte in die PIGS-Länder um fast neun Prozent zu - zweieinhalb Mal so viel wie die Ausfuhren insgesamt. Da die Erholung nach allen Prognosen im kommenden Jahr noch an Schwung gewinnen wird, dürfte die Nachfrage nach Waren “Made in Germany“ noch stärker anziehen. rtr/dpa

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