Konzernumbau : Sony will in Medizintechnik einsteigen

Dass Sony 10.000 Stellen abbaut, ist seit Tagen bekannt. Gleichzeitig will der Elektronikkonzern in neue Bereiche investieren - wo bereits mächtige Wettbewerber warten.

Kazuo Hirai ist der neue Mann an der Spitze des angeschlagenen Elektronikkonzerns.
Kazuo Hirai ist der neue Mann an der Spitze des angeschlagenen Elektronikkonzerns.Foto: dapd

Nach jahrelanger Verluststrecke will sich der japanische Elektronikkonzern Sony einem harten Sanierungskurs unterziehen. Der neue Chef Kazuo Hirai will im laufenden Geschäftsjahr 2012/13 (zum 31. März) weltweit 10.000 Stellen abbauen. Das sind sechs Prozent der Gesamtbelegschaft.

Das seit acht Jahren defizitäre TV-Geschäft soll durch drastische Kostensenkungen gesundschrumpfen. Zugleich will der Konzern aber in neue Geschäftsfelder wie die Medizintechnik investieren.

„Sony wird sich verändern“, kündigte Hirai am Donnerstag an. Die Sanierung des Konzerns werde im laufenden Geschäftsjahr 75 Milliarden Yen (gut 700 Millionen Euro) kosten.

Etwa 3000 Stellen fallen durch den Verkauf des Chemiegeschäfts weg. Wo die übrigen 7000 Stellen gestrichen werden, wollte Sony noch nicht sagen. Die Stellenstreichung war bereits zu Beginn der laufenden Woche durchgesickert.

Hirai will einerseits das Kerngeschäft stärken: Digital Imaging, Spiele und Mobile sollen die drei wichtigsten Säulen des Elektronikgeschäfts werden. Ihr Anteil am Gesamtumsatz soll von 60 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr in den nächsten zwei Jahren auf 70 Prozent steigen und 85 Prozent des Betriebsgewinns erwirtschaften.

Zugleich sollen die Fixkosten im seit langem verheerend laufenden TV-Geschäft um 60 Prozent und die Betriebskosten um 30 Prozent gekürzt werden, um 2013/2014 hier wieder Gewinne zu erwirtschaften.

Auf diese Weise will Hirai den einstigen Vorzeigekonzern wieder auf Wachstums- und Innovationskurs führen. Seit vier Jahren schreibt der Pionier, der einst den Walkman erfand und in den 80er Jahren von Erfolg zu Erfolg eilte, rote Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr summieren sie sich auf einen Rekordverlust von 520 Milliarden Yen.

Dem Kerngeschäft mit Unterhaltungselektronik wie Fernseher machen ein massiver Preisverfall, eine schwächelnde Nachfrage und der starke Yen zu schaffen. Bei den immer wichtiger werdenden Smartphones konnte das bisherige Gemeinschaftsunternehmen Sony Ericsson nicht mit Marktführern wie Apple und Samsung mithalten.
Und auch Spielkonsolen wie die Playstation sind in Zeiten von Smartphone-Spielen nicht mehr so lukrativ wie einst.

Hirai zeigt sich jedoch überzeugt, dass Sony schon in naher Zukunft wieder an alte Erfolge anknüpfen kann. Für das Geschäftsjahr 2014/2015 peilt er einen Umsatz im Elektronik-Kernbereich von sechs Billionen Yen und eine operative Gewinnmarge von fünf Prozent an.

Mit einer neuen Managementstruktur soll der Entscheidungsprozess vereinfacht und Innovation beschleunigt werden. Mit Hilfe einheitlicher Software sollen die verschiedenen Geräte des Unternehmens stärker miteinander vernetzt werden.

Zudem will Sony das Geschäft in rasant wachsenden Ländern weiter vorantreiben. Der Umsatz soll hier von 1,8 Billionen im vergangenen Jahr auf 2,6 Billionen Yen im Geschäftsjahr 2013/14 steigen, so Hirai.

Ferner kündigte der neue starke Mann bei Sony den Einstieg in neue Geschäftsfelder abseits der traditionellen Unterhaltungselektronik wie der Medizintechnik an. Hier sucht Sony bereits nach Übernahmekandidaten. Allerdings tummeln sich in diesem Markt bereits etablierte Konzerne wie Siemens oder der General Electric (GE). (dpa)

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