Korruptionsvorwürfe : Griechenland verklagt Daimler-Manager

Die griechische Oberstaatsanwaltschaft hat Anklage gegen mehrere Daimler-Manager erhoben. Mitarbeiter sollen in Schmiergeldzahlungen verstrickt sein. Es ist nicht das erste Mal, dass Griechenland Korruptionsvorwürfe gegen ein deutsches Unternehmen erhebt.

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Griechenland will das Geld von Deutschland unter anderem als Wiedergutmachung für Gräuel und Zerstörungen, die deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg angerichtet haben.
Griechenland will das Geld von Deutschland unter anderem als Wiedergutmachung für Gräuel und Zerstörungen, die deutsche Soldaten...Foto: Hannibal Hanschke/dpa

In Griechenland werden erneut Korruptionsvorwürfe gegen ein deutsches Unternehmen laut. Die griechische Oberstaatsanwaltschaft hat am Montag Anklage gegen Daimler-Manager wegen des Verdachts auf Schmiergeldzahlungen erhoben. Laut griechischen Medien geht es dabei um Verträge für Mercedes-Militärfahrzeuge, die zwischen 1997 und 2000 geschlossen wurden. Der Wert der Geschäfte wird auf rund 100 Millionen Euro geschätzt, die Schmiergelder laut Nachrichtenagentur Reuters auf zwei Millionen Euro.

Die Unterlagen, mit Hilfe derer die Oberstaatsanwältin Popi Papandreou gegen die insgesamt sieben deutschen und griechischen Daimler-Mitarbeiter und Amtsträger vorgeht, stammen laut griechischen Medienberichten von US-Ermittlern. In den USA war Daimler zu einer Geldstrafe von 185 Millionen Euro für die Bestechung von Regierungsbeamten in mindestens 22 Ländern in den Jahren 1998 bis 2008 verpflichtet worden. Der Daimler-Konzern sagte am Montagabend dem Tagesspiegel, man habe von den Vorwürfen selbst aus den Medien erfahren und wolle sich schnellstmöglich dazu äußern.

Bisher keine gesicherten Informationen über angeklagte Manager

Noch aber lägen keine gesicherten Informationen über die angeklagten Manager vor, beispielsweise, ob sie eventuell sogar noch für den Konzern arbeiteten - Daimler hatte nach Bekanntwerden der Affäre über 40 Mitarbeiter gefeuert - oder bereits außerhalb Griechenlands strafrechtlich gegen sie ermittelt wurde. Bei einer Verurteilung wegen Korruption drohen in Griechenland Haftstrafen bis zu 20 Jahren.

Der Prozess soll noch in diesem Jahr beginnen

Auch ehemalige Siemens-Manager müssen in Griechenland einen Prozess wegen Bestechung und Geldwäsche fürchten. Hier erhob die griechische Oberstaatsanwaltschaft bereits im November vergangenen Jahres Anklage gegen 64 Personen, darunter 13 hochrangige ehemalige Siemens-Manager wie Ex-Siemens-Vorstand Heinrich von Pierer. Es geht um Schmiergeldzahlungen von bis zu 62 Millionen Euro. Der Prozess soll offiziell noch in diesem Jahr beginnen.

In Deutschland werfen einige Rechtsexperten und Firmenanwälte Griechenlands Justiz politisches Agieren vor, weil ein Großteil der Siemens-Manager für diese Vorwürfe bereits in Deutschland gerichtlich belangt worden sei - und nun in Griechenland nach europäischem Rechtsverständnis eigentlich nicht erneut vor Gericht gestellt werden dürften.


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