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Kostendruck : First Solar schließt Standort in Brandenburg

Das US-Unternehmen First Solar zieht sich aus Frankfurt/Oder zurück. Brandenburgs Ministerpräsident macht die Bundesregierung für die massiven Probleme der Branche verantwortlich.

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Der amerikanische Solarmodul-Hersteller First Solar ist nicht das erste Unternehmen, das in Ostdeutschland in die Knie gegangen ist. Die Berliner Solarfirma Solon hat ebenso aufgegeben wie Q-Cells in Sachsen-Anhalt. Und auch in Brandenburg ist schon mehreren Solarfirmen die Luft ausgegangen. Foto: dapd
Der amerikanische Solarmodul-Hersteller First Solar ist nicht das erste Unternehmen, das in Ostdeutschland in die Knie gegangen...Foto: dapd

Der US-Solarmodul-Hersteller First Solar will seine beiden Werke in Frankfurt (Oder) zum 31. Oktober schließen. 1200 Mitarbeiter in Frankfurt und 150 weitere Vertriebsangestellte in Mainz verlieren ihren Arbeitsplatz, sagte Deutschland-Geschäftsführer Christopher Burghardt in Berlin. Nach Angaben von Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) geht es einschließlich der Zulieferer um 1500 Jobs in der strukturschwachen Region. Nach der Insolvenz des Berliner Unternehmens Solon, von Q-Cells in Sachsen-Anhalt und mehrerer Firmen in Brandenburg wie dem Start-up Odersun verliert die Region damit ein weiteres Schwergewicht der Branche.

First Solar begründete die Schließung der Werke mit der „unerwartet drastischen“ Kürzung der Solarförderung in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wertete den Weggang ironisch als „bisher größten persönlichen Erfolg“ der Minister Philipp Rösler (FDP) und Norbert Röttgen (CDU), seit die Regierung „das solare Zeitalter“ ausgerufen habe. Rösler wollte den Vorgang nicht kommentieren, da dies eine unternehmerische Entscheidung sei. Stattdessen verteidigte er die geplanten Kürzungen der Solarförderung. Der grüne Energieexperte Hans-Josef Fell warf der Regierung vor, die Solarindustrie mit den neuen Kürzungen „zusätzlich unter Druck zu setzen“. Er forderte „Staatsbürgschaften für die Modernisierung des Maschinenparks“ der Hersteller.

Bildergalerie: First-Solar-Demo in Berlin

Gelb und fröhlich gegen den Solarkahlschlag
Rund 11.000 Menschen zogen nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) vor das Brandenburger Tor in Berlin. Der Verband hatte auch zu der Demonstration aufgerufen. Foto: dapdWeitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: dapd
05.03.2012 17:50Rund 11.000 Menschen zogen nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) vor das Brandenburger Tor in Berlin. Der...

FDP-Umweltexperte Michael Kauch sieht dagegen für „weitere Subventionen“ keine Erfolgsaussichten. Die Modulhersteller hätten dem Druck der chinesischen Konkurrenz zu wenig Innovation entgegengesetzt, sagte er dem Tagesspiegel. Für die Region aber sei der Rückzug von First Solar „dramatisch“.

Erst im vergangenen Jahr hatte First Solar in Frankfurt ein zweites Werk eröffnet. 285 Millionen Euro hatte das Unternehmen dort seit 2007 investiert. Für das erste Werk seien 45 Millionen und für das zweite etwa 22 Millionen Euro Investitionsförderung geflossen, sagte Werksleiter Burghard von Westerhold. Für das erste Werk habe First Solar seine Versprechen eingehalten und die Arbeitsplätze fünf Jahre erhalten, sagte Westerhold, so dass nur die 22 Millionen Euro für das zweite Werk zurückgezahlt würden.

Im März meldete First Solar Kurzarbeit an. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), sprach von einer „dramatischen Entscheidung“, zumal bei den jüngsten Gesprächen mit First Solar nichts auf den Rückzug hingedeutet habe. Der Bundesregierung, insbesondere Philipp Rösler, fehle eine „industriepolitische Strategie“ für die Energiewende. „Wir hatten einen Aufschwung Ost dank der erneuerbaren Energien“, so Platzeck. First Solar galt als einziger konkurrenzfähiger Solarmodule-Hersteller in der Hauptstadtregion. Weltweit will die Firma 2000 Stellen abbauen. First Solar hatte 2011 einen Verlust von 39 Millionen Dollar gemacht. Der Aktienkurs war von in der Spitze knapp 170 Dollar binnen eines Jahres auf gut 20 Dollar eingebrochen.

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