Kostenloses Girokonto : Wie deutsche Banken mit den Niedrigzinsen umgehen

Die Postbank überlegt, das kostenlose Girokonto abzuschaffen. Damit ist sie nicht allein. So richtig "kostenlos" sind die Konten selten.

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Der Vorsitzende des Vorstandes der Postbank, Frank Strauß, spricht am 28.08.2015 in Bochum (Nordrhein-Westfalen) während der Hauptversammlung zu den Aktionären. Strauß hat angesichts der Niedrigzinspolitik der EZB das kostenlose Girokonto für Privatkunden in Frage gestellt.
Der Vorsitzende des Vorstandes der Postbank, Frank Strauß, spricht am 28.08.2015 in Bochum (Nordrhein-Westfalen) während der...Foto: dpa

Die 14,3 Millionen Kunden der Postbank werden bald tiefer in die Tasche greifen müssen: Laut Unternehmenschef Frank Strauß arbeitet die Bank, eine Tochter der Deutschen Bank, „intensiv an einem neuen Preismodell“, das noch 2016 starten könnte. Welche Leistungen teurer werden, konkretisierte Strauß nicht, betonte jedoch, es gebe „keinen Anspruch auf ein kostenloses Girokonto“.

Allerdings: Vollständig kostenlos ist das Konto der Postbank schon gegenwärtig nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Keine Gebühr bezahlen etwa Kunden mit einem monatlichen Geldeingang von mindestens 1000 Euro beim „Girokonto plus“. Beim „Girokonto extra plus“ muss der Geldeingang bei 4000 Euro liegen. Für das Basis-Konto verlangt die Bank jedoch 5,90 Euro pro Monat. Zudem hat die Postbank vor einigen Monaten bereits eine Gebühr von 99 Cent für jede Papier-Überweisung eingeführt.

Angesichts der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank denken immer mehr Kreditinstitute darüber nach, ihre fallenden Margen und steigenden Kosten an die Kunden weiterzugeben. Sei es, dass das kostenlose Girokonto abgeschafft wird oder bestimmte Dienstleistungen wie Gratis-Überweisungen auf Papier oder gar eine Verzinsung von Konto-Guthaben bald der Vergangenheit angehören.

Bei der Commerzbank müssen ab Juni Kunden, die ihre Überweisung „beleghaft“ auf Papier einreichen, pro Stück 1,50 Euro bezahlen, kündigte ein Sprecher am Montag an. Das Girokonto bleibe aber sonst kostenlos, zumindest vorläufig, hieß es. Auch hier gilt das jedoch nur, wenn jeden Monat regelmäßig zumindest 1300 Euro frisch auf dem Konto landen.

Berliner Sparkasse hatte Preiserhöhung angekündigt

Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind in der Zins-Bredouille, denn anders als Privatbanken können sie wegbrechende Erträge nicht mit Spekulationen wieder einspielen. Viele kleinere Institute haben die Preise bereits erhöht, andere planen höhere Gebühren in Kürze. Bei der Berliner Sparkasse, die Preiserhöhungen bereits für 2016 angekündigt hatte, ist laut Sprecherin Constanze Stempel „eine konkrete Entscheidung noch nicht gefallen“. Bereits vor einigen Wochen hatte Georg Fahrenschon, der Präsident des deutschen Sparkassen- und Giro-Verbandes, mitgeteilt: „Die Zeit von breiten Angeboten kostenloser Kontoführung ist vorbei“.

Die Berliner Sparkasse will die Negativzinsen, die die Bank für ihre Einlagen bei der EZB bezahlt, an große Firmenkunden weiterreichen, die ihr Geld bei dem Institut parken wollen, kündigte Vorstandschef Johannes Evers an. Privatkunden wolle man „so lange wir können“ vor Strafzinsen verschonen. Schon aktuell jedoch sind die Guthaben-Zinsen der Sparkasse praktisch an der Null-Linie angelangt: Auf Tagesgeld-Konten zahlt die Sparkasse gerade noch 0,01 Prozent Zinsen, das normale Sparbuch wirft 0,1 Prozent ab.

Auch bei der Deutschen Kreditbank (DKB) steigen die Gebühren. Zwar bleibt das Girokonto kostenlos, doch wurde zum März die Guthabenverzinsung von 0,1 Prozent abgeschafft. Zudem senkt die Bank zum Juni die Guthaben-Verzinsung auf der DBK-Visa-Card von 0,7 auf 0,6 Prozent. Gleichzeitig fällt jedoch auch der Dispozins von 7,5 auf 6,9 Prozent. Dieser erniedrigte Dispo-Satz gilt bereits seit dem 15. März 2016.

Das kostenlose Girokonto der Berliner Volksbank ist nicht für jeden

Genossenschaftliche Banken wiederum beschränken die günstigen Kontomodelle immer öfter auf ihre Mitglieder. So gibt es das kostenlose Girokonto bei der Berliner Volksbank nur noch für die etwa 155 000 Mitglieder der Genossenschaft. Die rund 600 000 anderen Kunden zahlen sechs Euro pro Monat, bei regelmäßigem Geldeingang gibt es einen Abschlag. Die Dividende auf Genossenschaftsanteile für 2014 wurde von vier auf drei Prozent gekürzt. Auch die Sparda-Bank Berlin mit ihren 515 000 Kunden hat bereits eine Preisrunde hinter sich: Das Institut verlangt nun Extrakosten für die Giro-Card und für Papier-Überweisungen, kann auch weitere Gebührenrunden „nicht ausschließen“.

Nicht immer sind Erhöhungen für Verbraucher erkennbar. Verbraucherschützer kritisieren, dass die Kreditinstitute Kontensysteme komplett umstellen oder neue Leistungen mit neuen Preisen in neuen Konto-Paketen verbänden. Oft würden bisher in Paketen eingeschlossene Leistungen kostenpflichtig. Ein Vergleich sei für den Kunden schwierig. Wer angesichts steigender Gebühren sparen wolle, könne einen Bankwechsel überlegen. Kunden, die auf Beratung verzichten können und ihre Bankgeschäfte ohnehin online erledigen, erhalten bei einigen Online-Banken weiter kostenlose Kontoführung.

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