Kulturmetropole Berlin : Die Hauptstadt ist zu teuer für die Kreativen

Berlin wird wegen steigender Lebenshaltungskosten für viele Kreative unbezahlbar. Sie fordern, dass die Politik Abhilfe schafft und sie besser fördert.

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Künstlerhaus aus vergangenen Tagen: Das Kunsthaus Tacheles war bis 2012 ein Kunst- und Veranstaltungszentrum in der Oranienburger Straße.
Künstlerhaus aus vergangenen Tagen: Das Kunsthaus Tacheles war bis 2012 ein Kunst- und Veranstaltungszentrum in der Oranienburger...Foto: dpa

Die Kultur- und Kreativmetropole Berlin wird für immer mehr Kreative unbezahlbar. Steigende Miet- und Wohnkosten bei gleichzeitig niedrigen Einkommen am Rand des Existenzminimums seien für viele in der Branche „Kehrseiten der Attraktivität“, wie es in einer aktuellen Umfrage der Länder Berlin und Brandenburg gemeinsam mit den IHK Berlin und Potsdam heißt. Wurden 2011 günstige Mieten noch als Standortvorteil gelobt, „wird jetzt eine angespanntere Situation am Wohnungsmarkt wahrgenommen und zunehmend als Problem gesehen.“

Künstler und Kreative wünschen sich eine "existenzsichernde Förderung" von der Politik

Vor allem Künstler und Kreative in den Bereichen der Darstellenden und Bildenden Kunst, des Musik-, Film- und Buchmarktes wünschten sich „nachhaltige und existenzsichernde Förderung“ und erwarteten mehr Investitionen und Anstrengungen der Politik. „Nicht wenige bezeichnen die Mietsteigerungen als existenzbedrohlich“, schreiben die Autoren der Studie, für die 949 Unternehmen und Selbstständige in Berlin und Brandenburg befragt wurden.

Die Berliner Kreativwirtschaft wird für die Region immer wichtiger.
Die Berliner Kreativwirtschaft wird für die Region immer wichtiger.Foto: dpa

Offen und tolerant: Berlin ist für viele Leute attraktiv

Trotz steigender Mieten für Wohn-, Arbeits- und Ausstellungsräume bleibt Berlin aber insgesamt ein gefragter Anziehungspunkt für die Kultur- und Kreativwirtschaft – mit internationalem Image und touristischer Attraktivität. Geschätzt wird vor allem die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Disziplinen und Branchen, die Offenheit und Toleranz der Stadt sowie die „Unkonventionalität und Lebendigkeit“ Berlins. 64 Prozent der befragten Betriebe geben dem Standort die Note „gut“ oder „sehr gut“.

Die Geschäftsprognose fürs nächste Jahr ist überwiegend positiv

Die Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten wird überwiegend positiv eingeschätzt. Allerdings ist das Bild hier sehr unterschiedlich: Während Architekten, Games-, Software- und Multimedia-Firmen sowie Film-, Rundfunk- und Werbemarktakteure ihre Einkommenssituation mehrheitlich als gut bis sehr gut bezeichnen, fällt das Urteil anderswo deutlich negativer aus. Vor allem Einzelunternehmer und Selbstständige aus dem Kunstbetrieb, dem Buch- und Pressemarkt und der Darstellenden Kunst geben an, von ihren Einkommen nicht leben zu können.

Die Branche wird für die Region immer bedeutender

Die Bedeutung der Kunst- und Kreativbranche für die regionale Wirtschaftskraft nimmt insgesamt zu. Knapp 13,5 Milliarden Euro Umsatz (2011) entsprechen etwa sechs Prozent aller privatwirtschaftlichen Umsätze in der Region. Die Branche mit rund 28 000 meist kleinen Unternehmen und 200 000 Beschäftigten spiele „in der gleichen Liga wie etwa die Verkehrswirtschaft oder das Baugewerbe“.

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