Luftfahrt : Boom geht an Deutschland vorbei

Deutsche Airlines leiden unter den Folgen negativer Standortbedingungen. Während die ausländische Konkurrenz durchstarten konnte, legten deutsche Fluggesellschaften gerade mal halb so stark zu. Schuld seien hohe Abgaben und Vorschriften.

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Eine Turkish Airlines Boeing 777. Die türkische Fluggesellschaft steht - wie einige andere Fluggesellschaften - im Vergleich zu den deutschen besser da. Foto: dpa
Eine Turkish Airlines Boeing 777. Die türkische Fluggesellschaft steht - wie einige andere Fluggesellschaften - im Vergleich zu...Foto: dpa

Während der Luftverkehr weltweit boomt, leiden die deutschen Fluggesellschaften weiter unter den Folgen der negativen Standortbedingungen. Liegt der operative Gewinn der Airlines im weltweiten Durchschnitt bei 4,6 Prozent des Umsatzes und in Europa bei drei Prozent, kamen die Luftfahrtunternehmen hierzulande gerade einmal auf 0,9 Prozent. Das geht aus Zahlen der internationalen Luftverkehrsvereinigung IATA hervor, die am Donnerstag vom der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) veröffentlicht wurden.

Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten weisen die größte Wachstumsrate auf

Laut der IATA, die mit 260 Airlines rund 83 Prozent des weltweiten Luftverkehrs vertritt, wuchs die Branche in der ersten Jahreshälfte um 6,3 Prozent, gemessen an den verkauften Personenkilometern. Während die Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten mit 11,3 Prozent die größte Wachstumsrate aufwiesen, lagen die europäischen Unternehmen gerade einmal bei 4,8 Prozent. Die deutschen Airlines legten laut BDL mit 2,5 Prozent nur halb so stark zu.

Auch bei den Passagierzahlen stehen die deutschen Fluggesellschaften laut BDL mit einem Zuwachs um nur 0,8 Prozent auf 71,8 Millionen Reisende schlecht da. Turkish Airlines legten um 8,5 Prozent zu, die IAG-Gruppe (British Airways, Iberia, Vueling) um 8,9 Prozent und der Billigflieger Ryanair sogar um 20,3 Prozent. Die als besonders starke Konkurrenz angesehenen Airlines aus der Golfregion veröffentlichen keine Halbjahreszahlen, doch verzeichneten ihre drei Drehkreuz-Flughäfen ein Passagier-Plus von gut zwölf Prozent.

Man liegt deutlich hinter anderen europäischen Ländern

Für den Winterflugplan zeichnet sich ab, dass der Aufbau neuer Strecken sowie die Erhöhung von Frequenzen auf bestehenden Verbindungen in Deutschland vor allem durch ausländische Fluggesellschaften erfolgen wird.

Mit insgesamt 100 Millionen Reisenden stieg das Aufkommen an den deutschen Verkehrsflughäfen um 4,4 Prozent an. Damit liegt man deutlich hinter anderen europäischen Ländern wie Großbritannien (5,5 Prozent), Luxemburg (6,7 Prozent) und Belgien (9,7 Prozent). Nur acht der 22 Flughäfen in der Bundesrepublik konnten einen Gewinn erwirtschaften. Deutschland bleibe im Luftverkehr lediglich Mittelmaß, so das Fazit des Branchenverbandes.

Der BDL führt die Situation insbesondere auch auf die „spezifischen deutschen Alleingänge“ zurück. Dazu würden die kürzesten Betriebszeiten von Flughäfen und die hohen Kosten der Flugsicherung zählen. Anders als in anderen EU-Mitgliedsstaaten schlage man in der Bundesrepublik die Pensionslasten der Deutschen Flugsicherung auf die Nutzerentgelte auf. An der Spitze allen Übels sieht der Verband nach wie vor die 2011 eingeführte Luftverkehrsabgabe. Mit 1,7 Prozent des Umsatzes sei die Kostenbelastung durch die Steuer fast doppelt so hoch wie die operative Gewinnmarge der Airlines.

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