Wirtschaft : Lufthansa-Chef Franz fordert Schadenersatz Statt am BER startet neuer Flugplan heute in Tegel

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Washington - Die Deutsche Lufthansa startet am heutigen Sonntag in Tegel ihr erweitertes Hauptstadtangebot – ursprünglich war es für den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) vorgesehen. Er hoffe, dass es nicht zu nennenswerten Engpässen kommt, sagte Vorstandschef Christoph Franz auf dem Erstflug der neuen Boeing 747-8 von Frankfurt nach Washington. Die Höhe des Schadens, der dem Konzern aufgrund der Verschiebung der BER-Eröffnung entstanden ist, wurde noch nicht ermittelt, sagte Franz dem Tagesspiegel. Fest stehe jedoch, dass man der Flughafengesellschaft die Rechnung dafür stellen werde.

„Wir haben die Zusage des Flughafens, unser deutlich erweitertes Programm in Tegel unterzubringen“, so der Lufthansa-Chef. Was den neuen Eröffnungstermin betrifft, ist er „zuversichtlich, dass es zum 17. März funktioniert“. Es sei planungstechnisch sinnvoll, den Umzug mit dem Flugplanwechsel zu vollziehen. „Wir stellen uns darauf ein“, sagte Franz.

Der Vorstandsvorsitzende gab sich zuversichtlich, dass der Streit mit den Gewerkschaften um das neue Berlinengagement beigelegt werden könne. Wie berichtet hatte es Proteste gegeben, weil die neuen Flugbegleiter nicht bei der Lufthansa direkt, sondern zu niedrigeren Gehältern bei einer Tochterfirma eingestellt werden. „Wir gehen davon aus, dass die Belegschaft mitziehen wird“, sagte Franz. Schließlich schaffe die Fluggesellschaft damit auch neue Arbeitsplätze in Berlin. Beim neuen Berlinprojekt müsse man die Kostenstruktur so weit nach unten bringen, um wettbewerbsfähig mit schwarzen Zahlen fliegen zu können, so Franz. Dabei könne das Hauptstadtmodell durchaus „Vorbildcharakter“ für andere Standorte entwickeln.

Der Lufthansa-Chef räumte ein, dass es bei der Ankündigung des Kostensenkungsprogramms SCORE, mit dem das operative Ergebnis bis Ende 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro gesteigert werden soll, zu Verunsicherungen bei den Mitarbeitern gekommen ist. „Im Nachhinein wünscht man sich, dass die Kommunikation besser gelaufen wäre“, so Franz.

Beim innerdeutschen Verkehr wollen sich Lufthansa und ihre Regionaltochter Cityline künftig auf den Zubringerverkehr zu den Drehkreuzen Frankfurt und München konzentrieren, während die übrigen Verbindungen von der Tochter Germanwings und von Eurowings bedient werden. Unter dem Namen Lufthansa werde es indessen „immer ein Qualitätsprodukt geben, auch wenn wir dabei wettbewerbsfähiger werden müssen“.

Rund 20 Milliarden Euro für die Erneuerung des Bordproduktes und die Modernisierung der Konzernflotte in den kommenden Jahren sollen ohne eine zu starke Neuverschuldung gestemmt werden. Einen Auftakt machte am Freitag der Erstflug des neuen Großraumjets Boeing 747-8 von Frankfurt nach Washington. Die auf den Namen „Brandenburg“ getaufte Maschine ist die erste mit der komplett neuen Kabinenausstattung, mit der die deutsche Airline der Konkurrenz aus der Golfregion und dem Fernen Osten künftig Paroli bieten will. Alle Unternehmen aus der Lufthansa-Gruppe müssen deshalb einen Beitrag zur Finanzierung des Gesamtkonzerns leisten, betonte Franz. Dabei könne er auch nicht ausschließen, „dass wir irgendwann zu der Erkenntnis kommen, uns von dem einen oder anderen Geschäftsfeld trennen zu müssen“. Rainer W. During

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