Luxus-Camper : Fußbodenheizung und Flachbildschirme im Wohnmobil

Camping war bisher die billige Alternative zur Fernreise. Es kann aber auch eine sehr teure Alternative werden - im Hightech-Zelt oder Luxus-Wohnmobil.

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Wer's braucht... Fußbodenheizung, Ledersitze und Flachbildschirme im Wohnmobil sind etwas für Freunde des "Glamping" (Glamour und Camping).
Wer's braucht... Fußbodenheizung, Ledersitze und Flachbildschirme im Wohnmobil sind etwas für Freunde des "Glamping" (Glamour und...Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Machen wir keine großen Worte, lassen wir Fakten sprechen. Fußbodenheizung. Parkett. Weiße Ledersitze. Luxusbett, 1,60 Meter breit. Zwei Fernseher. Und in der Dusche – der Messeberater spricht es beinahe ehrfürchtig aus „haben Sie eine Türe aus Echtglas“.

Ein junges Paar – beide in blauer Outdoorjacke und Turnschuhen –, die das „First Class Reisemobil Moreno Palace“ vorsichtig durchschreiten, sind angemessen beeindruckt. Echtglas in der Dusche? Er: „Boah!“ Sie: „Geil!“ Schließlich handelt es sich beim Morelo Palace um den Rolls Royce unter den Campingmobilen. Von außen sieht er aus wie ein mittlerer Monstertruck, doch innen offenbart sich die ganze Welt des Glamour-Campings. Wer in diesem High-End-Caravan sein Indoor-Spa betritt, kann die armen Campingplatz-Genossen, die mit Duschgel und Klopapier bewaffnet die versifften Sanitäranlagen ansteuern, nur mitleidig belächeln. Kostenpunkt: 279 000 Euro, so viel wie ein Einfamilienhaus. Der Berater sagt: „Wir sind total ausverkauft, die Produktion kommt gar nicht nach.“

Glamour-Camping? Genau. Als „Glamping“ bezeichnen Experten dieses Branchensegment, das für den Camping-Laien zunächst widersprüchlich klingt. Vor etwa fünf Jahren schwappten erste Produkte des Trends aus England und den USA nach Deutschland. Verbringen die Menschen ihren Urlaub nicht vor allem deshalb auf dem Campingplatz, weil es dort erstens billiger ist und zweitens legerer zugeht als in Sterne-Hotels? Von wegen. Die Zeiten, als Campingurlauber zum Abendessen eine Dose Ravioli aufwärmten und Gartenzwerge im Wohnwagen-Vorgarten aufstellten, sind vorbei. Teilweise jedenfalls. Glamper wollen auch ihren Urlaub im Freien verbringen, aber sie „definieren Freiheit neu“, wie die Katalog-Poeten von Moreno dichten, „mit Komfort wie zu Hause“. Also: Luxusküche mit vierflammigem Gasherd und geräumigem Kühlschrank statt wackligem Minikocher.

Auf der Messe "Reise und Camping" in Essen im Februar 2017 war auch das 440.000 Euro teuren Wohnmobil "Empire" von Morelo ausgestellt.
Auf der Messe "Reise und Camping" in Essen im Februar 2017 war auch das 440.000 Euro teuren Wohnmobil "Empire" von Morelo...Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Jede menge Neuheiten auf dem Markt des gehobenen Camping- Daseins gab es dieser Tage auf der Reisemesse „Free“ in München zu bestaunen (Hier der offizielle Abschlussbericht der "Free"-Veranstalter). Zwei riesige Messehallen waren dort ausschließlich für Campingfahrzeuge und luxuriöse Zelte reserviert. Außerdem signalisieren Campingplätze aus ganz Europa, dass sie die Zeichen der Zeit verstanden haben. Im holländischen Zonneweelde beispielsweise residieren Urlauber in „Strand- Lofts“ direkt an der Nordsee. Diese Lofts sind keine billigen „Mobile Homes“, wie sie auf den meisten Campingplätzen inzwischen stehen, sondern stylische Designer-Unikate, ausgestattet mit Himmelbett und Induktionsherd in der Küche.

Auf der Messe Free: Männer mit windgegerbten Gesichtern

Die meisten Besucher, die durch die Messehallen der „Free“ gestreift sind, haben schon durch ihr Äußeres gezeigt, dass sie höchst Camping-affin sind. Es dominierten dort Rucksäcke, Cargohosen und hochgeschobene Sonnenbrillen. Männer mit windgegerbtem Gesicht und Frauen, von denen viele einen Sommer zu lang in der Sonne verbracht haben. Sie besichtigen jedes Fahrzeug, stellen fachkundige Fragen („Wo ist das Multiflex-Board?“) und zeigen sich begeistert, wenn sie eine Camping-Innovation entdecken, zum Beispiel die neue Gelenkarm-Markise für das Wohnmobil „mit Dual-Shock-Absorber“. Was immer das sein mag.

Einfach war gestern. Die Messe „Free“ in München bietet alles für den Camper, der auch im Urlaub Luxus genießen will.
Einfach war gestern. Die Messe „Free“ in München bietet alles für den Camper, der auch im Urlaub Luxus genießen will.Foto: Messe München

Auch das gute alte Zelten spielt sich heute anders ab, als es noch vor einigen Jahren üblich war. Damals, als man beim Aufbauen mit dem Gummihammer stets die Heringe verbogen hat und es nachts, wenn’s schlecht lief, hereinregnete und die Schlafsäcke klamm und feucht wurden. Heute hingegen gibt es Firmen wie „Gentletent“ oder „Outwell“, deren superinnovative und schicke Zelte man aufblasen kann. Sie sehen ein bisschen aus wie bunte Ufos oder umgedrehte Schlauchboote. Gestänge, Seile und Heringe braucht’s nicht mehr. Und innen schläft der avancierte Glamper natürlich nicht auf einer normalen Luftmatratze, sondern auf dem „Veloursbett Excellent King“. Wer im Luxuszelt auf eine Klimaanlage nicht verzichten will, kann sich eine im bereitliegenden Katalog „Camping-Zubehör 2017“ bestellen. Man findet dort auch Solartechnik für das Wohnwagendach und Wassersysteme für die Außenküche im italienischen Design. Der Katalog hat 610 Seiten.

Holzfurnier-Imitat ist obligatorisch

Wenn es stimmt, dass Camping eine Sehnsucht nach Freiheit bedient, dann bedeutet Glamping wohl, dass man bei der Ausübung dieser Freiheit keine Rückenschmerzen haben und nicht aus Blechgeschirr essen will. Zu Hause fühlen will man sich in der Fremde auch. Und so zeigen die Innenausstattungen der teuren Wohnwagen und Reisemobile deutlich, in welchem Ambiente sich die Deutschen im Urlaub wohlfühlen.

Das helle oder dunkle Holzfurnier-Imitat bei der Möblierung ist obligatorisch, bei den gehobenen Modellen auch indirekte Beleuchtung der Regale. An den Fenstern hängen Gardinen, edel blitzen die Waschbeckenarmaturen neben der Chemietoilette. Nur die Platzierung der Betten mitten im Raum ist ungewöhnlich, den Aufbau finden viele etwas umständlich.

Zwei ältere Damen aus Nürnberg legen sich zur Probe in die recht enge Bettkonstruktion eines „Fiat Challenger“. „So a weng“, sagt eine, „komm ich mir vor wie im Sarg.“

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