Wirtschaft : Märkte sind milde mit Spanien

Anleihezinsen sinken Banken weiter nervös.

Ratlos. Das Eingreifen der Notenbanken ist bereits wieder verpufft. Foto: dpa
Ratlos. Das Eingreifen der Notenbanken ist bereits wieder verpufft. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin/Frankfurt am Main - Erfolgreiche Anleihe-Auktionen in Frankreich und Spanien haben am Donnerstag für spürbare Erleichterung an den europäischen Finanzmärkten gesorgt. In vielen Euro-Ländern gingen die Risikoaufschläge für Staatspapiere zurück, zum Teil sogar sehr deutlich. Am stärksten war die Erleichterung bei den Schwergewichten Frankreich, Italien und Spanien zu spüren. Aber auch in Belgien und Österreich, die zuletzt ebenfalls unter Druck standen, fielen die Renditen deutlich. Neben den positiv aufgenommenen Auktionen nannten Händler die Krisenmaßnahmen führender Notenbanken vom Mittwoch als Grund.

In Frankreich sank die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen um rund 0,2 Punkte auf 3,15 Prozent. Ende vergangener Woche war sie noch auf 3,7 Prozent gestiegen. Ähnlich war es in in Italien und Spanien, wo die Zehnjahresrendite auf 6,8 Prozent und 5,9 Prozent sank. Beide Länder waren zuletzt unter Druck geraten, konnten nun aber jedoch problemlos frisches Geld bei Investoren aufnehmen. Während Spanien 3,75 Milliarden Euro einsammelte, gelang es Frankreich, 4,34 Milliarden Euro aufzunehmen.

An den Aktienmärkten war die Euphorie über die Zentralbankaktion derweil wieder verflogen. Der Dax notierte knapp im Minus, nachdem er am Mittwoch fast fünf Prozent gewonnen hatte. Am Geldmarkt herrscht noch immer Misstrauen: Die Banken haben in der Nacht zum Donnerstag so viel Geld bei der EZB deponiert wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Die Institute lagerten kurzfristig 304,4 Milliarden Euro bei der Notenbank ein, wie diese mitteilte. Steigende Übernachteinlagen bei der EZB sind ein Zeichen für ein zunehmendes Misstrauen der Kreditinstitute untereinander: Sie sind nicht mehr bereit, große Summen bei anderen Banken zu lagern. Stattdessen deponieren sie ihr Geld lieber bei der Zentralbank – obwohl dort die Konditionen schlechter sind.

Unterdessen können kriselnde Banken mit Milde aus Brüssel rechnen. Sollten Institute staatliche Hilfen benötigen, werde man keine allzu strikten Auflagen machen, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Das gelte zumindest dann, wenn der Kapitalbedarf aus der Vertrauenskrise in Euro-Staatsanleihen resultierte und die Bank keine exzessiven Risiken dabei eingegangen sei.

Experten gehen davon aus, dass einige Kredithäuser schon bald wieder staatliches Geld benötigen. Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) will Anfang kommender Woche den Finanzbedarf großer europäischer Banken bekannt geben. Die Europäer hatten im Oktober beschlossen, dass die Banken bis nächstes Jahr ihr Eigenkapital aufstocken müssen, um gegen die Schuldenkrise gewappnet zu sein. Als oberste EU-Wettbewerbshüter muss aber Brüssel alle staatlichen Beihilfen genehmigen und macht dabei meist Auflagen.

Mit Blick auf die Bewältigung der Schuldenkrise hat derweil Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) einen neuen Plan präsentiert, den er auf dem EU-Gipfel in der kommenden Woche vorlegen will. Staatsschulden, die über der Grenze von 60 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen, sollen in nationale Sonderfonds der EU-Länder ausgelagert werden. Schäuble sagte am Donnerstag in Berlin, zur Vertrauensbildung an den Finanzmärkten wäre die Zuweisung der Schulden über 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in spezielle Fonds sinnvoll. Diese nationalen Sondervermögen müssten dann mit eigenen Einnahmen unterlegt werden und binnen 20 Jahren abgebaut werden. Dies könne für Vertrauen an den Märkten sorgen, befand der Minister. Deutschland hat derzeit einen Gesamtschuldenstand – also vom Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen – von etwas mehr als 80 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Einen ähnlichen Vorschlag hatte der Wirtschaftssachverständigenrat Mitte November vorgelegt. Ein wichtiger Punkt dabei war allerdings, dass die Euro-Länder als Gesamtheit für die ausgelagerten Schulden haften sollen. Im Gegenzug müssten sich die Staaten zu Reformen und Sparprogrammen verpflichten, schlugen die Ökonomen vor. brö/rtr

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