Medikamente aus dem Ausland : Pillen zum Dumpingpreis

Antibabypillen, Schmerzmittel, Vitamine – all das gibt es im Ausland billiger. Aber nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen.

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Gefährliche Schnäppchen. Medikamente sollten Urlauber nur in zugelassenen Apotheken kaufen, um nicht an Fälschungen zu geraten.
Gefährliche Schnäppchen. Medikamente sollten Urlauber nur in zugelassenen Apotheken kaufen, um nicht an Fälschungen zu geraten.Foto: LAIF

Es ist ein verlockendes Angebot, das die Apotheke am Flughafen im thailändischen Bangkok bietet. Eine Sechs-Monats-Packung einer Antibabypille des Herstellers Bayer kostet hier 8,40 Euro – nur rund ein Viertel des Preises, den man in Deutschland dafür zahlen muss. Zudem gibt es sie – anders als hierzulande – ohne Rezept. Auch generell freiverkäufliche Medikamente wie Kopfschmerztabletten, Magen- oder Grippemittel gibt es in der Apotheke in Bangkok für Cent-Preise. Ob für die Reise selbst oder zur Mitnahme nach Hause – oftmals decken sich Urlauber im Ausland mit Arzneien ein. Die Gelegenheit bietet sich ab nächstem Montag wieder, denn dann beginnen die Herbstferien.

ANDERE PREISE, ANDERE SITTEN

Bei frei verkäuflichen Medikamenten gibt es auch in Deutschland keine Preisbindung mehr, die Apotheken können selbst entscheiden, wie teuer sie etwa Schmerzmittel wie Aspirin anbieten. So lohnt es sich schon im Inland, Preise zu vergleichen. Im Vergleich zum Ausland sind die Unterschiede zum Teil sehr groß. Dafür gibt es mehrere Gründe. „Durch den unterschiedlichen Lebensstandard können die Pharmakonzerne nicht überall auf der Welt die gleichen Preise verlangen“, sagt Anke Kirchner, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch die Aufschläge durch Apotheken und Großhändler sind weltweit verschieden. Hinzu kommt noch die Mehrwertsteuer, die sich unterscheidet. In Deutschland entfallen auf Arzneimittel 19 Prozent Umsatzsteuer, in Dänemark sind es gar 25 Prozent, in Großbritannien sind sie von der Steuer befreit. In manchen Ländern gibt es auch Preisobergrenzen für Arzneien. Neben den Preisen gibt es zudem Unterschiede bei der Abgabe von Arzneimitteln. Manche Präparate, die in Deutschland nur auf Rezept zu haben sind, gibt es in anderen Ländern ohne.

AUF DIE REGELN ACHTEN

Für das Mitbringen von Arzneimitteln nach Deutschland gibt es aber strenge Regeln: Eigentlich darf man aus dem Ausland nach Angaben des Zolls nur Medikamente für den „üblichen persönlichen Bedarf“ einführen. Je Präparat – egal ob verschreibungspflichtig oder nicht – sind das Rationen für drei Monate. Die Sechs-Monats-Packung der Antibabypille aus Thailand dürfte eigentlich nicht mit nach Deutschland gebracht werden. Und Männer dürfen sie gar nicht einführen, weil sie die Pille nicht nehmen. Übrigens: Die Mengenbeschränkung gilt nicht nur für Arzneien, die im Ausland gekauft wurden, sondern auch dann, wenn sie aus Deutschland in den Urlaub mitgenommen und mit zurückgebracht werden.

MEDIKAMENT ODER NICHT?

Ob die Arzneien, die mitgebracht werden, in Deutschland zugelassen sind, ist unerheblich. Allerdings ist es verboten, gefälschte Medikamente einzuführen. In manchen Mitteln stecken auch pflanzliche oder tierische Stoffe, die wegen des Artenschutzes in Deutschland nicht erlaubt sind. Auch Präparate, die im Ausland nicht als Arzneimittel gelten, wie Vitaminpillen, können bei der Einreise Probleme bringen, wenn sie in Deutschland als Medikamente eingestuft werden. Somit unterliegen sie den Mengenbeschränkungen. Wer gegen diese Regeln verstößt und erwischt wird, muss die Medikamente abgeben, sie werden vernichtet. „ Daneben kann es zur Einleitung von Buß- oder gar Strafverfahren kommen“, sagt Michael Kulus vom Hauptzollamt Berlin.

GENAU HINSCHAUEN

Verbraucherschützer raten trotz der Preisvorteile zur Vorsicht beim Einkauf im Ausland. „Besonders bei verschreibungspflichtigen Mitteln sollte man das vorher mit dem Arzt abklären“, sagt Gesundheitsexpertin Kirchner. Denn die Präparate können sich von den hiesigen unterscheiden. „Man kann nicht generell davon ausgehen, dass ein Arzneimittel mit der gleichen Bezeichnung weltweit die gleiche Zusammensetzung hat“, erklärt Sabine Cibura, Sprecherin des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, das für die Zulassung von Medikamenten in Deutschland zuständig ist. Auch wenn der Wirkstoff der gleiche ist, können die Zusatzstoffe anders sein – das ist zum Beispiel wichtig für Menschen mit Allergien oder Unverträglichkeiten. „Um Nebenwirkungen zu vermeiden, lohnt es sich, bei der Apotheke genau nachzufragen“, sagt Kirchner. Hier könnte allerdings die Sprache ein Problem darstellen. Allerdings versichert zum Beispiel Bayer, dass bei den Aspirin-Schlucktabletten weltweit die gleichen Hilfsstoffe enthalten sind. Übrigens: Wer im Urlaub ein deutsches Rezept einlösen will, muss es erst mal selbst bezahlen. Verbraucher sollten vorher bei der Kasse nachfragen, ob sie dies akzeptiert. Sonst könnte es Probleme mit der Erstattung geben.



Ohnehin raten Verbraucherschützer, im Ausland nur in zugelassenen Apotheken zu kaufen, auf keinen Fall auf Märkten oder bei Straßenhändlern. „Wer hier kauft, riskiert, Fälschungen zu bekommen, die die Gesundheit massiv schädigen und sogar zum Tod führen können“, sagt Kirchner. Dass die nicht selten sind, geht aus einer Stichprobe des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker hervor, bei der zehn in Thailand gekaufte Arzneien untersucht wurden – gegen Erektionsstörungen, Schlaflosigkeit oder Übergewicht. Zwar waren in den Pillen Wirkstoffe zu finden, die angegebene Menge stimmte aber nur bei zwei von zehn. In einem Mittel gegen Übergewicht steckte sogar ein anderer Wirkstoff als genannt.

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