Wirtschaft : Mehr Schutz für Haushalte mit Warmduschern

Legionellentest wird Pflicht. Ab November regelmäßige Kontrollen von Wasserinstallationen

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Neue Pflichtaufgabe für Vermieter: Vom 1. November an müssen in allen Mehrfamilienhäusern die Warmwasseranlagen einmal im Jahr darauf überprüft werden, ob sich die gefährlichen Legionellen ausgebreitet haben – Keime, die zu ernsthaften Erkrankungen führen können, in Einzelfällen sogar zum Tod. Den Aufwand werden die Mieter tragen müssen, in der Nebenkostenabrechnung.

Legionellen kommen auch in den besten Kreisen vor. In den allerbesten: „Wir hatten Angst um Ihre Majestät“, bekannte ein Sprecher des Königshauses im Dezember 1998. Elisabeth II. hatte fluchtartig den Buckingham Palast räumen müssen, als die tückischen Keime in nahezu jedem der 78 Badezimmer nachgewiesen worden waren. Die Queen war seinerzeit 72, in einem Alter also, in dem schwere Infektionen besonders gefährlich werden können. „Nicht auszudenken, was passiert wäre …“, hieß es damals in London. Nun, die maroden Rohrleitungen in dem hochbetagten Palast sind erneuert.

Jetzt soll der Schutz vor Legionellen bei uns auch im bürgerlichen Milieu greifen. Bei der ohnehin fälligen Überarbeitung der alten Trinkwasserverordnung von 2001 hatten die Länder dem Bundesgesundheitsministerium die Kante gezeigt und das Thema Legionellen auf die Tagesordnung gesetzt. Manche Bundesländer – zum Beispiel Bayern – nehmen die „Legionärskrankheit“ besonders ernst. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat ermittelt, dass in Deutschland jährlich zwischen 6000 und 10 000 Menschen sich eine Legionellen- Infektion zuziehen – etwa 1000 bis 2000 Patienten sterben daran. Das sind nur die statistisch erfassten Fälle. Die Krankheit ist zwar meldepflichtig, doch alle Sachkenner gehen von einer extrem hohen Zahl nicht erkannter Infektionen aus. Die Gesundheitsexperten in Bundesdiensten sehen die Sache etwas entspannter – durchgesetzt haben sich bei der Trinkwasserverordnung allerdings die Länder.

Nun ist erstmals ein Grenzwert definiert: Alles bis 100 KBE (das sind koloniebildende Einheiten) von Legionellen in 100 Milliliter Trinkwasser (das füllt gerade einmal fünf Schnapsgläser) ist noch unbedenklich. Die Untersuchung muss einmal im Jahr an mehreren repräsentativen Zapfstellen im Haus vorgenommen werden – besonders wichtig sind die Duschen, weil hier das heiße Wasser vernebelt wird. Drei bis vier Proben sollten in normalen Mietshäusern reichen. Die Untersuchungsergebnisse müssen dokumentiert und zehn Jahre lang aufgehoben werden. Und auch das wurde festgelegt: Spätestens zwei Wochen nach der Probeentnahme muss eine Kopie des Wassertests beim zuständigen Gesundheitsamt angekommen sein. Auf „200 bis 400 Euro“ schätzt David Eberhart vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen den Aufwand je Mietshaus, der auf die Mietparteien umgelegt werden dürfe. Die Mieter müssen über die Ergebnisse informiert werden. Beauftragen dürfen Vermieter nur zertifizierte Labore, die bei dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales verzeichnet sind, in Brandenburg beim Umweltministerium.

Verantwortlich für die regelmäßigen Kontrollen sind die Hauseigentümer, bei Wohnanlagen mit Eigentumswohnungen der bestellte Verwalter. Das dicke Ende in der Trinkwasserverordnung wäre: Geldbußen bis 25 000 Euro für Säumige, möglicherweise auch Strafverfahren, wenn Menschen Schaden nehmen sollten.

Untersuchungspflichtig sind Warmwasserinstallationen mit mehr als 400 Litern Speichervolumen oder Leitungen, die zwischen dem Trinkwasserheizgerät und der Entnahmestelle mehr als drei Liter Wasser fassen. Das sind praktisch alle Mehrfamilienhäuser, sofern nicht Warmwasser in den einzelnen Wohnungen dezentral im Durchlauferhitzer erzeugt wird.

Besitzer von Eigenheimen sind von der Regelung nicht direkt angesprochen, denn ihre Warmwasserspeicher fassen überwiegend 120 bis 160, selten mehr als 200 Liter. Moderne Warmwasseranlagen in Einfamilienhäusern sind zudem so eingestellt, dass sie mehrmals am Tag hochheizen, dabei Legionellen abtöten.

Ausgewachsene Sparfüchse unter den Hausbesitzern, die das Energiesparen besonders hochhalten, sollten keinesfalls an den Schaltern drehen und die Temperaturen absenken. Solarthermische Anlagen, die wegen der starken Temperaturschwankungen von manchen Zeitgenossen als „Wasserpantscher“ verdächtigt werden, führen zu keinem erhöhten Risiko. Gefährlich sind allerdings Totleitungen, wie sie nach Umbauten oder Renovierungen übrigbleiben. Hier steht das Warmwasser und begünstigt die Bildung von Legionellenkolonien – in jedem Altbau steckt ein Stückchen vom Buckingham Palast.

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