Messe : Die Ifa 2012 wird einfach

Probier's mal mit Benutzerfreundlichkeit: Eine Sonderausstellung der Messe widmet sich der Verbindung von Design und Funktionalität.

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Mit einem einfachen Knopfdruck lassen sich heute nur noch wenige Geräte bedienen.
Mit einem einfachen Knopfdruck lassen sich heute nur noch wenige Geräte bedienen.Foto: by-studio Fotolia

Das Leben könnte so viel leichter sein, wenn technische Produkte tatsächlich so einfach zu bedienen wären, wie die Hersteller es gern versprechen. Intuitive Benutzerführung – es gibt eigentlich kaum ein Unternehmen, das nicht damit wirbt. Doch die Realität sieht anders aus. Millionen Menschen sind daran gescheitert, einen Videorekorder zu programmieren. Die nächsten Gerätegenerationen können weit mehr – und damit wird ihre Bedienung oft auch komplizierter. Früher hatten Produkte einen Ein- und Ausschalter, heute haben sie ein Display. „Künftig werden immer mehr Produkte eine mediale Schnittstelle haben. Deshalb ist das Design so enorm wichtig“, sagt Cornelia Horsch, Leiterin des Internationalen Design Zentrums (IDZ) Berlin. Und wenn die Hersteller von Unterhaltungselektronik und Hausgeräten ab Freitag in den Messehallen ihre Innovationen präsentieren, dann werden auch die Nutzer die Chance haben, ihren Kommentar dazu abzugeben.

Auf einer eigenen Ausstellungsfläche, dem Usability Park in Halle neun, gibt das IDZ den Besuchern die Möglichkeit, einige Dutzend Produkte ausgiebig auf ihre Benutzerfreundlichkeit zu testen. Gutes Design soll hier erlebbar werden. Wer mag, kann im Anschluss auch seine Stimme für den Publikumspreis abgeben. Unter anderem kann man Exponate vom Staubsaugerhersteller Dyson, dem Handyproduzenten Emporia, dem Telefonhersteller Gigaset, der Hausgerätefirma Miele, dem Konsolenhersteller Nintendo und dem Heiztechnikspezialisten Vissmann ausprobieren.

Das Aussehen ist nachrangig

Dyson ist stolz darauf, bereits eine Reihe von Designpreisen für seine Produkte gewonnen zu haben. Im Usability Park will das Unternehmen unter anderem einen neuen Heizlüfter zeigen, der auch kühlen kann, und einen kabellosen Handstaubsauger. Dabei steht das Design bei Dyson nicht im Vordergrund. „Uns geht es um die Funktionalität“, sagt Sprecherin Sonja Neubauer. „Der Staubsauger muss richtig saugen. Erst im zweiten Schritt geht es darum, wie er aussieht.“ Dennoch, wer das Gerät nicht richtig bedient, kann auch die optimale Leistung nicht erzielen. Designer und Techniker arbeiten bei der Entwicklung eng zusammen. Kurz vor der Markteinführung fahren die Entwickler dann zu ausgewählten Testpersonen und schauen sich an, wie diese mit dem Gerät zurechtkommen. „Wir nutzen keine externe Marktforschung“, sagt Neubauer. „Wir haben ein eigenes internes Marktbeobachtungssystem.“ So hat Dyson auch herausgefunden, dass das Saugrohr des Modells DC22 für deutsche Kunden viel zu kurz war. Nutzer beschwerten sich, dass sie nur gebückt saugen konnten. Statt 100 Zentimeter wurde das Rohr beim Folgemodell auf 108 Zentimeter verlängert.

Häufig sind es ältere Menschen, die sich mit der Bedienung der allerneuesten Technik schwer tun. Emporia aus Österreich entwickelt Mobiltelefone für Senioren. Einfache Bedienung, große Tasten, klares Display, das sind die Vorgaben. Dabei versuche Emporia „Usability und Likeability“, zu verbinden, sagt Sprecherin Barbara Heim. Denn die Menschen wollen sich nicht schämen müssen, weil sie ein vermeintliches Seniorenprodukt verwenden. In jedem Fall kann man sich beim Emporia-Messestand die Produkte von den Senior-Trendscouts erklären lassen, die alle älter als 55 sind. 200 000 Handys verkauft Emporia pro Jahr in Deutschland, 500 000 insgesamt. Dabei müssen die Käufer keineswegs auf eine Kamera oder Navigation verzichten. „Wir bieten smarte Dienste auf einem Gerät, das auch von Älteren gern benutzt wird“, sagt Heim.

Auf der Seniorenplattform www.feierabend.de testen Mitglieder regelmäßig neue Geräte – meist fallen die Tests gut aus. „Die Erklärung ist einfach“, sagt Sprecherin Kerstin Hendess. „Die Testgeräte werden vor allem von den Unternehmen angeboten, die sich bereits intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben.“ Warum es nicht alle tun: „Der klassische Industriedesigner ist 30 Jahre alt und überfordert, sich vorzustellen, welche Einschränkungen im Alter auf die Menschen zukommen.“

Dabei sind es natürlich keineswegs nur ältere Menschen, die einfache Bedienung und klares Design schätzen. Die Firma Vissmann, die seit 1917 Heizkessel produziert, zeigt auf der Ifa den Teil einer Steuerung für eine Industrieanlage. „Wir wollen einfache und intuitive Bedienung auch im gewerblichen Bereich salonfähig machen“, sagt Vissmann-Sprecher Michael Wagner.

Das iPhone als Vorbild

Als Beispiel für eine echte Designinnovation nennt IDZ-Leiterin Horsch das iPhone von Apple. „Technisch hat das iPhone eigentlich nichts Neues gebracht“, sagt sie. „Aber die intuitive Bedienung, das war eine echte Innovation.“ Die Entwickler hätten sich Gedanken gemacht, was der Nutzer eigentlich erwartet, „man fühlt sich abgeholt“.

Apple rühmt sich für seine Benutzerfreundlichkeit. Doch oft ist es für den Kunden schwer zu erkennen, welche Produkte in der Praxis taugen. Der Tüv Nord hat vor einigen Jahren ein Prüfsiegel „Universal Design“ entworfen und bietet Unternehmen an, ihre Produkte auf Benutzerfreundlichkeit zu testen. Bisher wird es kaum genutzt. „Es ist den Unternehmen zu teuer“, heißt es beim Tüv Nord.

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