Millionen-Deal um Warenhäuser : Berggruen filetiert Karstadt

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen verkauft die Juwelen seiner Warenhauskette, darunter das KaDeWe, an den österreichischen Investor René Benko. Experten loben den Deal als Sanierungsplan. Doch keiner weiß, wie sich Berggruen und Benko Karstadts Zukunft vorstellen.

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Luxus. Das KaDeWe ist eines der ertragsstärksten des Unternehmens. Jetzt gehört es Immobilienunternehmer René Benko.
Luxus. Das KaDeWe ist eines der ertragsstärksten des Unternehmens. Jetzt gehört es Immobilienunternehmer René Benko.Foto: AFP

Dass Nicolas Berggruen kein Wohltäter ist, sondern ein knallharter Investor, dürften Arbeitnehmervertreter und die Politik spätestens seit den jüngsten Stellenstreichungen bei Karstadt verstanden haben. Das darauf folgende Bitten und Betteln um Geld aus dem Privatvermögen des Milliardärs, der 2010 das insolvente Unternehmen übernommen hatte, blieb ungehört. Karstadt, so hieß es immer wieder, müsse aus eigener Kraft gesunden. Das bedeutete: Die dringend nötigen Modernisierungen sollten aus dem laufenden Geschäft finanziert werden.
Somit sind die 300 Millionen Euro, die durch den Verkauf der Sport- und Premiumsparte nun ins Unternehmen fließen sollen, auch ein Lichtblick. Während die Gewerkschaft Verdi von einem „ersten Schritt“ spricht, sieht Handelsexperte Thomas Roeb den Teilverkauf wegen des Investitionsstaus der Häuser als „letzte Chance für Karstadt“. Obwohl noch nicht klar ist, wie viel des Geldes tatsächlich in den 83 Warenhäusern landen wird, die Berggruen noch zu 100 Prozent gehören, und wie viel in den an René Benkos Signa Holding verkauften Luxus- und Sportgeschäften. Signa teilte lediglich mit, die Summe werde zur „Stärkung der Karstadt-Gruppe investiert“.
400 Millionen Euro waren bis 2015 eingeplant für Modernisierungen.

Wie viel Geld tatsächlich geflossen ist, verrät Karstadt nicht. „Allein 2013 wurden an 42 Standorten Investitionen in sechsstelliger Höhe getätigt“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. „Ein paar wichtige Projekte wurden umgesetzt, wie etwa die Renovierung von Karstadt in Düsseldorf oder das neue Modekonzept K-town“, sagt Niklas Reinecke vom Handelsinformationsdienst Planet Retail. K-town sei gut angekommen. „Aber es haben die Mittel gefehlt, das großflächig auszurollen.“ In Köln und Göttingen wird bei K-town Mode für jüngere Kunden angeboten. Dringend notwendig sei das neue Geld, so Reinecke, um neben Modernisierung wieder mehr in Werbung und Marketing zu investieren. „Karstadt hat viele neue Marken eingeführt, diese aber nur zurückhaltend beworben“, sagt der Experte.

Aktuelle Zahlen zu Karstadt liefert Berggruen nicht

Wie es um die Warenhäuser derzeit steht, weiß die Öffentlichkeit nicht. Denn Karstadt nennt keine aktuellen Zahlen. In einer Pressemitteilung von Anfang September sprach der scheidende Chef Jennings von einem starken August. „Wir starten mit leichtem Rückenwind in diesen Herbst“, sagte er. Experten erwarten jedoch, dass der Umsatz weiter gesunken ist: Im Geschäftsjahr 2012/13 sollen es nach Schätzungen des Instituts für Handelsforschung Köln 2,7 Milliarden Euro gewesen sein, ein Jahr zuvor waren es noch 3,13 Milliarden. „Zumindest für die 83 regulären Warenhäuser sieht es düster aus“, sagt Handelsexperte Reinecke.

Und so wird wild spekuliert, was Benko und Berggruen vorhaben. Beide wollten sich auf Anfrage nicht näher zu ihren Plänen äußern. Sie eint, dass sie erfolglos um die Metro-Tochter Kaufhof geboten hatten. Der Karstadt-Konkurrent hatte früh modernisiert und konnte jüngst seinen operativen Gewinn steigern. Nun könnten beide Investoren erneut versuchen, nach Kaufhof zu greifen und die Unternehmen zur viel beschworenen „Deutschen Warenhaus AG“ zusammenführen. Oder Metro könnte Karstadt-Teile übernehmen. „Sollte das Geschäft bei Karstadt künftig nicht in Gang kommen, steigern die Investitionen zumindest den Verkaufswert der 83 regulären Warenhäuser“, resümiert Handelsexperte Reinecke.

René Benko.
René Benko.Foto: p-a/dpa

Die Mitarbeiter müssen weiter zittern – und zurückstecken. Denn, so erklärte Berggruen, man müsse zur Sanierung auch den „Tarifweg“ beschreiten. „Wir sind total verunsichert“, sagt die Berliner Betriebsrätin Beate Hofer. Aufsichtsrat Arno Peukes sorgt sich, dass in den Luxushäusern mehr Fläche an Edelmarken vermietet werden könnte und damit Jobs des Stammpersonals bedroht sind. Berggruen habe sein Wort gebrochen, Karstadt als Ganzes zu erhalten.

Die Unternehmen des René Benko

In kürzester Zeit stieg René Benko, der mit seiner Signa Holding etliche bekannte österreichische Immobilien hält, zum „größten Vermieter von Karstadt“ auf, wie es auf der Internetseite seines Unternehmens heißt. 2011 erwarb der Tiroler Geschäftsmann gemeinsam mit der deutschen Immobilienfirma Centrum das Premiumhaus Oberpollinger und das Sporthaus in München zum Kaufpreis von 250 Millionen Euro. Ein Jahr später legte Benkos Signa- Gruppe 1,1 Milliarden Euro für 17 Karstadt-Häuser auf den Tisch, die alle dem Vermieterkonsortium Highstreet gehörten – darunter waren auch das Berliner KaDeWe, das Sporthaus in Hamburg und Karstadt Stuttgart.

„Damit gehören dem Unternehmen nun zwei der drei Premium-Warenhäuser von Karstadt“, teilte Benko damals mit. Alle Warenhäuser im Portfolio seien „langfristig an Karstadt vermietet“. Nun hat sich der 36-jährige Unternehmer mit dem 75,1-Prozent-Anteil an den Premium- und Sporthäusern auch Zugriff aufs operative Geschäft bei Karstadt gesichert. Das hatte er auch bei Kaufhof gewollt, war aber mit seinem Angebot bei der Metro-Tochter 2012 abgeblitzt.

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