Mindestlohn für Friseure : „Wir brauchen mehr Kontrollen“

In der Branche gibt es seit August eine Lohnuntergrenze. Doch die Friseure kämpfen mit Schwarzarbeit und einem Heer von Selbständigen, erklärt Berlins Innungs-Obermeister Jan Kopatz

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Herr Kopatz, seit August gilt der Mindestlohn-Tarifvertrag für die Friseure, die bei Innungsunternehmen angestellt sind. Was berichten die Berliner Betriebe?

Um die Auswirkungen des Mindestlohnes umfassend zu bewerten, ist es noch zu früh. Aber wir hören bisher keine Klagen von den Unternehmen. Schließlich hat sich ja die Mehrheit der Betriebe, die bei uns Mitglied sind, in den Tarifverhandlungen für den Mindestlohn ausgesprochen.

Wann kommt die Allgemeinverbindlichkeit, die den Mindestlohn auf alle Beschäftigten der Branche ausweitet?
Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks ermittelt im Augenblick die Beschäftigtenzahlen. Wir hoffen, dass hier mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter im Geltungsbereich des Tarifvertrages liegen. Dies ist die Voraussetzung für die Allgemeinverbindlichkeit.

Manche Betriebe klagen, dass sie den Mindestlohn nicht zahlen können.
Unternehmen, die ihre Gewinne auf dem Rücken der Mitarbeiter machen und mit Dumpinglöhnen arbeiten, können wir in der Branche ohnehin nicht gebrauchen.

Wird der Mindestlohn tatsächlich gezahlt?
Das ist zumindest das Signal, das wir aus den Berliner Innungsbetrieben bekommen. Beim Fachkräftemangel in der Branche ist es ohnehin schwer, Personal unter 6,50 Euro brutto pro Stunde zu kriegen.

Kommen dank der höheren Löhne jetzt mehr Azubis?
Wir hoffen, dass die Anerkennung des Berufsstandes in der Gesellschaft durch den Mindestlohn nun etwas steigt. Aber generell sollte man diesen Beruf lieben, wenn man sich dafür entscheidet. Auch mit dem neuen Tarifabschluss können wir bei den Ausbildungsvergütungen kaum mit anderen Branchen konkurrieren.

Hoffen Sie auf den flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohn?
Unsere größten Probleme sind die Schwarzarbeit und die wachsende Zahl der Selbstständigen. Wenn sie als Kleinstunternehmer gelten, müssen sie keine Umsatzsteuer abführen – ein unfairer Wettbewerbsvorteil. Diese Probleme behebt auch ein gesetzlicher Mindestlohn nicht, da helfen nur mehr staatliche Kontrollen.

Sind die Preise durch den Mindestlohn schon gestiegen?
Die Friseure, die die Löhne zum August angehoben haben, mussten das zum Teil in den Preisen weitergeben. Eine flächendeckende Preiserhöhung gibt es aber meines Wissens nicht. Berlin ist – wie alle großen Städte – ein hart umkämpfter Markt. Allerdings bekommen derzeit alle in der Branche die steigenden Energie- und Einkaufspreise zu spüren.

Und bei Ihnen im Laden?
Wir haben schon vorher mehr als den Mindestlohn gezahlt, deshalb mussten wir auch die Preise nicht erhöhen.

Jan Kopatz (40)

ist Obermeister der Berliner Friseur-Innung. Er betreibt einen Salon in Prenzlauer Berg mit zwei Mitarbeitern und einem Azubi.

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