Nach harten Einschnitten : Karstadt zahlt wieder Weihnachtsgeld

Zeichen der Besserung bei Karstadt: Der Konzern ist gut in das Winterquartal gestartet und will Weihnachtsgeld zahlen. Unterm Strich stehen nach wie vor Verluste und ein Umsatzrückgang, doch die Kette wirtschaftet besser als zuvor.

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Karstadt ist besser als gehofft in das Weihnachtsquartal gestartet.
Karstadt ist besser als gehofft in das Weihnachtsquartal gestartet.Foto: dpa

Unlängst meldete der Karstadt-Konzern, die Filiale in Dessau entgegen erster Pläne doch zu erhalten. Jetzt kommen abermals gute Nachrichten von der Warenhauskette: Den rund 14 000 Beschäftigten soll anders als zunächst angekündigt ein Weihnachtsgeld ausgezahlt werden.

Die Geschäfte liefen wieder besser, erklärte Karstadtchef Stephan Fanderl in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Karstadt sei gut in das Weihnachtsquartal gestartet, „wir verdienen an der Ladenkasse wieder Geld.“ Auch die harten Sanierungsmaßnahmen zeigten Wirkung, die Kette habe sogar mehr erreicht als geplant und operativ im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr ein „positives zweistelliges Millionenergebnis“ erzielt. Das hat es seit Jahren nicht gegeben. Allerdings steht unter dem Strich wohl nach wie vor ein Minus.

Die Mitarbeiter hatten viel auszustehen

Karstadt hatte nach Jahren des Existenzkampfes harte Einschnitte vorgenommen. Mehr als 2000 Mitarbeiter mussten gehen. Filialen in Hamburg und Stuttgart wurden geschlossen, Standorte in Neumünster, Recklinghausen und Bottrop sollen ebenfalls abgewickelt werden. Auch im Sortiment wurde aufgeräumt. Nach der Übernahme der Kette durch den österreichischen Investor René Benko und diversen Managerabgängen will die neue Führung die Häuser stärker regional ausrichten. „Ich glaube, unsere Chancen in den jeweiligen Innenstädten definieren sich durch das Umfeld“, sagte Fanderl der dpa. Dabei könnten auch Warengruppen wieder eingeführt werden, aus denen sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren zurückgezogen hatte, wie etwa Elektronik. Anders als Konkurrent Kaufhof, der jüngst von der kanadischen Gruppe Hudson’s Bay übernommen wurde, will Karstadt aber nicht stärker auf Mode setzen. Mit dem Plan einer Fusion beider Warenhausunternehmen war René Benko im Juni dieses Jahres gescheitert.

Insgesamt ging der Umsatz weiter zurück – Fanderl sagt jedoch: „moderat“. Gewirtschaftet wurde jedenfalls effizienter. Nach den Kaufhäusern will Karstadt nun auch sein Lebensmittelangebot überarbeiten. Das Unternehmen Perfetto betreibt Karstadt gemeinsam mit Rewe. An bis zu acht Standorten will Fanderl die defizitären Abteilungen schließen, ansonsten flächendeckend das Konzept überarbeiten.

Auch das nächste Jahr werde "herausfordernd"

Bei der Gewerkschaft Verdi reagierte man am Donnerstag nur bedingt erfreut auf die Nachrichten. Für die Beschäftigten sei das Weihnachtsgeld jetzt wichtig, sagte Verdi-Sprecherin Eva Völpel. Bedeutender aber sei auf längere Sicht die Rückkehr in die Tarifbindung. Der Warenhauskonzern hatte vor zwei Jahren eine „Tarifpause“ eingelegt. Verhandlungen über eine Rückkehr blieben bislang ohne Erfolg. Trotz der guten Entwicklungen sagte Fanderl: "Auch das nächste Geschäftsjahr wird herausfordernd."

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