Netzneutralität : Rösler schreibt wegen Drosselung an Obermann

Die Telekom hatte nach nach eigenen Worten mit heftigen Kunden-Reaktionen auf ihre neue Tarifstruktur gerechnet. Dass sich gleich der Wirtschaftsminister einschaltet, dürfte aber doch überrascht haben.

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Über Breitbandausbau diskutierten Rösler (l.) und Obermann (r.) bereits 2011 mit Kanzlerin Merkel. Foto: dpa
Über Breitbandausbau diskutierten Rösler (l.) und Obermann (r.) bereits 2011 mit Kanzlerin Merkel.Foto: dpa

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist über die Tarifpläne der Telekom besorgt. Der Konzern will künftig ab einem gewissen Datenvolumen die Geschwindigkeit drosseln. Einige Telekom-Dienste sind davon aber ausgenommen.

In einem Brief an Telekom-Chef René Obermann schrieb Rösler, Regierung und Wettbewerbsbehörden würden „eine eventuell unterschiedliche Behandlung eigener und fremder Dienste unter dem Aspekt der Netzneutralität sehr sorgfältig verfolgen“, wie „Spiegel Online“ berichtet.

Ein Ministeriumssprecher bestätigte dies. Die Telekom erwiderte, wenn Kunden, die überdurchschnittlich viel Highspeedvolumen brauchen, mehr bezahlten, sei das „eine faire Lösung“.

Der Bonner Konzern betonte, er teile die Ziele der Bundesregierung zur Netzneutralität. „Die Telekom steht für das freie und offene Internet: Netzneutralität wird in der Debatte teilweise mit einer Gratis-Internetkultur verwechselt“, sagte ein Sprecher.

Er verteidigte ausdrücklich die Pläne angesichts anstehender Milliarden-Investitionen in die Netz-Infrastruktur. „Die Alternative wäre gewesen, die Preise pauschal für alle Kunden zu erhöhen.“ Nach Vorstellung der Telekom sollten stattdessen nur Kunden, die überdurchschnittlich viel Hochgeschwindigkeits-Internet nutzen, zur Kasse geben werden.

Am Mittwoch meldete sich der Videodienst Watchever als erster Telekom-Wettbewerber kritisch zu Wort. „Die Entwicklung des Internet ging immer von langsam zu schnell und von der Beschränkung hin zur kundenfreundlichen Flatrate. Komplizierte Volumentarife mit zahlreichen Einschränkungen im Kleingedruckten haben in der Vergangenheit nicht funktioniert“, sagte Geschäftsführerin Sabine Anger der dpa.

Watchever lasse dem Kunden freie Wahl und stelle das Angebot ohne jede Einschränkung bereit - „das ist der Weg für erfolgreiche Geschäftsmodelle im Internet“. Bei der im Januar gestarteten Tochter des französischen Vivendi-Konzerns gibt es für 8,99 Euro im Monat eine Streaming-Flatrate für Filme und Serien. (mit dpa)

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