Neue Tricks der Stromdiscounter : Teurer Billigstrom

Die Anträge, die bei der Schlichtungsstelle Energie auflaufen, konzentrieren sich auf wenige Strom- und Gasanbieter, die immer wieder Ärger machen. Die tricksen schon lange nicht mehr mit Vorkasse, sondern haben sich ganz neue Kniffe zugelegt.

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Strom wird immer teurer. Nur wer Energie spart oder sich einen günstigen Tarif sucht, kann der Preisspirale entkommen. Doch viele Billigangebote haben ihre Tücken. Wer nicht aufpasst, zahlt am Ende drauf.
Strom wird immer teurer. Nur wer Energie spart oder sich einen günstigen Tarif sucht, kann der Preisspirale entkommen. Doch viele...Foto: picture alliance / dpa / Jens Büttner

Um satte 38 Prozent ist der Strompreis seit 2008 gestiegen, das hat kürzlich das Internet-Vergleichsportal Check24 ausgerechnet. Seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 kennt die Preisentwicklung vor allem eine Richtung: nach oben. Doch Verbraucher können etwas dagegen tun. Sie können zum einen Energie sparen. Sie können aber auch die Preise vergleichen, beispielsweise mit einem Strompreisrechner, und zu einem günstigeren Versorger beziehungsweise in einen günstigeren Tarif wechseln. Einen solchen Tarifvergleich sollte man jährlich machen, meint Energieexperte Jürgen Schröder von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Der Preis ist nicht alles

Viele Verbraucher haben das bereits getan, mehr als die Hälfte von ihnen hat schon einmal den Stromtarif oder gleich den Versorger gewechselt. Die meisten Kunden orientieren sich dabei am Preis. „Das ist auch in Ordnung“, meint Schröder, allerdings nur, solange der Preis nicht das alleinige Kriterium ist. Denn die Stromdiscounter Teldafax und Flexstrom sind vor einigen Jahren spektakulär mit ihrer Billig-Strategie gescheitert: Sie hatten die Verbraucher mit günstigen Preisen geködert, hatten allerdings Vorkasse gefordert. Auf diese Weise hatten sie ein Schneeballsystem installiert, das irgendwann kollabiert war. Das Insolvenzverfahren von Flexstrom läuft noch bis mindestens 2017, ob und wie viel Geld die ehemaligen Kunden wiederbekommen, steht in den Sternen.

Dass sie um Anbieter einen Bogen machen sollten, die Vorkasse verlangen, ist bei den Deutschen mittlerweile angekommen. Die „schwarzen Schafe“ unter den Stromdiscountern haben sich daher auf andere Tricks verlegt. Wenn es deshalb zu Streitigkeiten kommt, vermittelt die Schlichtungsstelle Energie, die ihren Sitz in Berlin hat. Seit 2011 sind hier mehr als 10 000 Anträge eingegangen. Und bei der Schlichtungsstelle stellt man fest, dass sich diese Anträge interessanterweise auf wenige hundert Stromanbieter konzentrieren. „Bei den meisten Unternehmen klappt das Beschwerdemanagement“, sagt Thomas Kunde von der Schlichtungsstelle. Doch bei manchen Firmen ist das anders. Gegen die Firma Immergrün, die mit der 365 AG und der Almado-Energy GmbH verbandelt ist, haben sich die Beschwerden bei der Bundesnetzagentur so gehäuft, dass die Behörde ein Verfahren eröffnet hat.

Besonders beliebt sind Schummeleien mit Bonuszahlungen. Vorsichtig sollten Verbraucher werden, wenn sie im Kleingedruckten die Klausel finden, dass der Bonus bei Vertragsverstößen nicht ausgezahlt wird. Manche Firmen schreiben nämlich nicht dazu, was ein solcher Vertragsverstoß überhaupt ist. So läuft man als Kunde Gefahr, dass schon ein versehentlich falsch abgelesener Zählerstand zum Entzug des Rabatts führt. Generell gilt: Ist der Bonus außergewöhnlich hoch, sollte man auch hier auf der Hut sein.

Zu hohe Abschläge und unklare Rechnungen

Gern tricksen solche Anbieter auch bei den Abschlagszahlungen, wissen Verbraucherschützer. Die regelmäßigen Zahlungen werden einfach viel zu hoch angesetzt, so dass der Kunde Monat für Monat zu viel Geld an das Unternehmen überweist. Dazu passt dann auch, dass ein aufgelaufenes Guthaben lange nicht ausgezahlt oder mit mehreren darauffolgenden Abschlägen verrechnet wird. Dabei ist die Gesetzeslage eindeutig: Ein Guthaben darf höchstens mit dem kommenden Abschlag verrechnet werden, der Rest muss dann umgehend ausgezahlt werden.

Manchmal werden auch die Rechnungen so undurchsichtig gestaltet, dass der Kunde nicht ohne Weiteres erkennt, ob der Bonus nun gutgeschrieben worden ist oder nicht. Deshalb sollten die Abrechnungen immer genau geprüft werden: Sind alle geleisteten Abschlagszahlungen aufgeführt? Ist ein korrekter Zählerstand angegeben? Und ist der Bonus tatsächlich gutgeschrieben?

Um das Lesen der AGB kommt man nicht herum

Wer seinen Stromanbieter wechselt, sollte also ein bisschen Zeit investieren, auch wenn das mühsam ist. „Verbraucher profitieren zwar vom Wettbewerb im Strommarkt, denn sie können zwischen vielen Angeboten wählen und dabei Geld sparen. Kehrseite der Medaille ist aber, dass der Markt unübersichtlicher geworden ist“, sagt Fiete Wulff von der Bundesnetzagentur. Trotzdem sollten vor allem diejenigen, die noch nie gewechselt haben, etwas tun. Sie sind nämlich automatisch im Grundtarif ihres Versorgers und der ist tendenziell teurer als andere Tarife. Vergleichsportale können helfen, einen Überblick über die unzähligen Anbieter und ihre Tarife zu bekommen. Auf keinen Fall sollte man sich aber nur auf eines verlassen, rät Jürgen Schröder von der Verbraucherzentrale. „Das sind keine karitativen Vereine“, sagt er. Jedes Portal will Geld verdienen. Meistens fließen Provisionen. Übrigens: Mit Ökostrom ist man nicht automatisch auf der richtigen Seite. Denn mittlerweile bieten auch Stromdiscounter Ökostrom an – die Entscheidung für „grünen“ Strom erspart einem also nicht den Blick in die AGB.

Wer sich einen Billiganbieter sucht, muss also die Bedingungen genau lesen, um auszuschließen, dass er sich mit dem günstigen Preis am Ende Ärger einkauft. Es ist zudem ratsam, die Kommentare und Erfahrungsberichte anderer Kunden über das Unternehmen zu lesen.

Sich im Netz Rat holen

Wer sich nicht sicher ist, ob er zum Thema Strom alles richtig verstanden hat, kann sich Rat holen, zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen. Informieren kann man sich auch im Netz auf der Seite energieanbieterinformation.de. Betrieben wird das Portal vom Bund der Energieverbraucher und gefördert wird es zusätzlich durch das Verbraucherministerium. Wer sich einen Anbieter ausgeguckt hat, kann hier sehen, ob es mit ihm in der Vergangenheit Ärger gab oder ob er guten Kundenservice anbietet. In Berlin gibt es zudem den „Checkpoint Energie“. Verschiedene Verbände betreiben ihn, darunter wiederum die Verbraucherzentralen. Hier können Verbraucher an Informationsveranstaltungen teilnehmen und Beratung zu allen Fragen rund um Energie erhalten. Das Angebot ist aber – genau wie die Beratung bei den Verbraucherzentralen – kostenpflichtig.

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