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Neuer Fed-Chef : Jerome Powell dürfte die vorsichtige Zinspolitik Yellens fortführen

Der künftige Fed-Chef Jerome Powell ist gemäßigter Republikaner und steht für eine umsichtige Straffung der Geldpolitik. Was von ihm zu erwarten ist.

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Donald Trump stellte den künftigen Fed-Chef Jerome Powell im Rosengarten des Weißen Hauses vor.
Donald Trump stellte den künftigen Fed-Chef Jerome Powell im Rosengarten des Weißen Hauses vor.Foto: REUTERS

US-Präsident Donald Trump hat den früheren Finanzinvestor Jerome Powell als neuen Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nominiert. Trump gab diese Entscheidung am Donnerstag in einer Ansprache in Washington bekannt. Powell, der bereits seit 2012 dem Gouverneursrat der Notenbank angehört, soll die Nachfolge von Janet Yellen antreten, deren Amtszeit im Februar abläuft. Powell muss noch vom Senat bestätigt werden, was aber als sicher gilt. Trump pries Powell bei einem gemeinsamen Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses als "starke" und "schlaue" Führungspersönlichkeit.

Als Fed-Chef wird Powell einer der mächtigsten Männer der Welt sein. Die Entscheidungen der Fed bestimmen maßgeblich die wirtschaftliche Entwicklung auf der ganzen Welt mit.

Powell galt bereits seit einiger Zeit als Favorit für den Posten. Der Jurist und frühere Investmentbanker ist im Fed-Führungsgremium der einzige Vertreter von Trumps Republikanern. Er gilt als Kompromisskandidat, den Republikaner und Demokraten gleichermaßen im Senat akzeptieren können.

Powell ist Banken-Deregulierungen gegenüber aufgeschlossen und gilt als vorsichtig, was die Straffung der Geldpolitik angeht. Er ist ein Mann der Kontinuität eher als ein Mann des Bruchs. Andere Kandidaten dagegen, die anfangs im Rennen waren, wie Kevin Warsh und John Taylor, gelten als Falken, die für eine schnellere und stärkere Erhöhung der Leitzinsen sind. Das wäre aber kaum nach Trumps Geschmack gewesen. Er will, dass die Konjunktur weiter brummt und nicht durch zu hohe Zinsen gebremst wird.

Jerome Powell sitzt bereits seit vielen Jahren im Führungsgremium der Fed.
Jerome Powell sitzt bereits seit vielen Jahren im Führungsgremium der Fed.Foto: imago/Xinhua

Von Powell ist bekannt, dass er sich in den fünf Jahren als Fed-Governor - damit gehört er dem Führungsgremium der Fed an - nie von einer Entscheidung Yellens abgesetzt hat. Es gilt als sicher, dass Powell Yellens Politik einer umsichtigen und langsamen Straffung der Geldpolitik fortsetzen wird. Powell war von US-Präsident Barack Obama als Fed-Governor eingesetzt worden. Im Nachhinein könnte das als weise Entscheidung betrachtet werden.

Die Notenbanken vertrauen ihren eigenen Modellen nicht mehr

Trumps Entscheidung über die Yellen-Nachfolge fällt in eine Zeit, in der sich die Notenbanken der Welt nicht mehr sicher sind, ob sie die Wechselwirkung zwischen ihren Maßnahmen und Inflation selber verstehen. Sie schaffen es einfach nicht, eine gewünschte Inflation von zwei Prozent zu erreichen. Entsprechend unsicherer wirken ihre Äußerungen. "Unser Rahmen, in dem wir Inflationsdynamiken verstehen, könnte in fundamentaler Weise falsch beschrieben sein", sagte Janet Yellen im September. Claudio Borio, Chefökonom der Bank for International Settlements (BIS) in Basel - das ist die Bank hinter den Notenbanken der Welt -, sagte: "Wenn wir vollständig ehrlich wären, wäre eine Frage unvermeidlich: Wie viel wissen wir wirklich über den Inflationsprozess?"

Das Kernmodell der Notenbanken ist die sogenannte Phillips-Kurve. Sie besagt, dass wenn die Konjunktur heiß läuft und die Arbeitslosigkeit sinkt, dann steigt in der Folge die Inflation. Und umgekehrt. Dieser Zusammenhang ist in dieser Form nicht mehr gegeben. Die Weltkonjunktur erholt sich immer weiter, die Arbeitslosigkeit sinkt, aber die Inflation bleibt aus. Und das, ob wohl die Notenbanken seit der Finanzkrise in beispielloser Weise Geld in den Kreislauf pumpen.

Ein Rätsel. BIS-Chefvolkswirt Borio befürchtet, dass die Notenbanken, indem sie die Leitzinsen niedrig halten, sie keinen anderen Effekt haben als die Schulden zu erhöhen. Es werde deshalb schwieriger, "die Leitzinsen zu erhöhen, ohne ökonomischen Schaden anzurichten, wenn man die hohen Schulden bedenkt". Hochverschuldete Unternehmen und Staaten können in große Schwierigkeiten geraten, wenn die Zinsen steigen und sie möglicherweise ihren Schuldendienst nicht mehr leisten können.

Wenn Zinsen steigen, wird es eng für hochverschuldete Unternehmen und Staaten

Auf das Ausmaß der weltweiten Schuldenproblematik bei Unternehmen und Staaten hat im Oktober der Internationale Währungsfonds (IWF) hingewiesen. Wenn diesem Problem nicht begegnet werde, "könnte die globale Wirtschaftserholung aus der Bahn geraten", sagte Tobias Adrian vom IWF.

Bleibt die entscheidende Frage, der sich die Notenbanken gegenübersehen: Wie wollen sie dem nächsten Abschwung begegnen? Der derzeitige Aufschwung mag anhalten, aber wie lange? Was dann? Haben die Notenbanken dann noch ein Instrumentarium, wenn die Zinsen relativ niedrig bleiben? Kommt es dann zum Helikoptergeld? (mit Reuters)

Eine ausführliche Darstellung des Autors, was "Helikoptergeld" bedeutet, finden Sie hier.

Eine Darstellung des Autors, wie sich der Anleger mit Hilfe des "Rebalancings" vor Crashs schützen kann, finden Sie hier.

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