Wirtschaft : Neuer Investor steigt bei Fluglinie dba ein

Ex-Helios-Chef übernimmt 25,1 Prozent der Anteile

Rainer W. During

München - Der Gründer und frühere Besitzer der Helios-Kliniken, Lutz Helmig, übernimmt überraschend mit seiner Beteiligungsgesellschaft Aton 25,1 Prozent der Anteile der Fluggesellschaft dba. Über den Kaufpreis wurde Vertraulichkeit vereinbart, das Eigenkapital werde aber auf 20 Millionen Euro verdoppelt, gab dba-Chef Hans-Rudolf Wöhrl am Montag in München bekannt. Sein finanziell schwach ausgestattetes Unternehmen, das er 2003 von British Airways übernommen hatte, kommt damit an frisches Kapital, um ihr Streckennetz ausbauen und die in die Jahre gekommene Flugzeugflotte erneuern zu können.

Der jetzt verkaufte Geschäftsanteil war im vergangenen Jahr ursprünglich von dem im Dezember verstorbenen Eigner der Germania Fluggesellschaft, Hinrich Bischoff, erworben worden. Dieser hatte sich aber nach kurzer Zeit wieder von ihm getrennt, weil er bei der dba sein Sparkonzept nicht durchsetzen konnte.

Die durch das Engagement von Bischoff im Wert gestiegenen Anteile waren seitdem bei der dba geparkt, die Altgesellschafter allein hätten den Rückkaufpreis nicht aufbringen können, so Wöhrl, der weiter mit 59,9 Prozent Mehrheitseigner und Aufsichtsratsvorsitzender bleibt. Je 7,5 Prozent der Anteile halten die beiden dba-Geschäftsführer Martin Gauss und Peter Wojahn.

„Nach dem Phantom der Landebahn kommt jetzt das Phantom aus dem OP“, scherzte Hans Rudolf Wöhrl, Aufsichtsratschef und Mehrheitseigner der dba. Helios-Chef Helmig, der als kamerascheu gilt und sich nach eigenen Angaben gestern erstmals fotografieren ließ, hatte den 94-prozentigen Anteil seiner Familie an den Helios-Kliniken im Herbst 2005 für 1,5 Milliarden Euro an die Fresenius AG verkauft.

Er habe „klare Gesellschafterstrukturen“ vorgefunden und gehe davon aus, dass die dba auch zukünftig „innovativ den Markt aufmischen“ werde, sagte der gelernte Gefäßchirurg, der auch Mitglied des dba-Aufsichtsrats wird. Die dba arbeite so wie seine bisherigen Unternehmen grundsätzlich ohne Bankschulden und aus eigener Kraft.

Für Helmig, dessen Aton GmbH bereits Beteiligungen an drei Unternehmen aus den Bereichen Dienstleistung und High-Tech-Medizintechnik hält, ist es das erste Engagement im Luftfahrtbereich. Eine wirtschaftliche Verflechtung mit der Air Berlin, über die in der Branche viel spekuliert wurde, wird es dagegen auch zukünftig nicht geben, sagte Wöhrl. Eine solche Allianz hätte das Ende der Selbstständigkeit bedeutet. Auch an weitere Investoren oder einen Börsengang werde zurzeit nicht gedacht. Die Bezahlung der ersten von insgesamt 40 im Vorjahr bestellten, neuen Boeing 737-Jets sei gesichert, über die Finanzierung der später zur Auslieferung anstehenden Maschinen werde kurzfristig entschieden. Dafür sei auch die Gründung einer börsennotierten Besitzgesellschaft nicht ausgeschlossen.

Mit rund 4,3 Millionen erwarteten Passagieren in diesem und 5,5 Millionen im kommenden Geschäftsjahr sei die dba die am schnellsten wachsende Luftverkehrsgesellschaft in Europa, betonte Wöhrl. Für das im März endende Geschäftsjahr wird mit einem Umsatz von 400 Millionen Euro gerechnet, zur Gewinnprognose wollte sich der Aufsichtsratschef nicht äußern. Das Unternehmen liege „voll im Plan“, der mit einem Plus abschließt, doch werde die Integration der im Vorjahr übernommenen Billigairline Germania Express das Jahresergebnis belasten. So habe deren internationales Streckennetz auf innerdeutsche Routen umgestellt werden müssen. Dennoch mache man sich „wirtschaftlich keine Sorgen“, sagte Wöhrl. In Kürze werde man „neue Innovationen“ präsentieren, es gelte, insbesondere die „Reisezeit am Boden“ zu verkürzen.

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