Wirtschaft : Neuer Markt

JOBST-HINRICH WISKOW

Der Ruch des Unseriösen umweht den Neuen Markt: Da locke das schnelle Geld, es gehe zu wie im Spielkasino, und jeder Zocker könne ganz schnell zum Millionär werden oder bettelarm.Egbert Prior, der in Fernsehsendungen allerlei Börsentips an den Mann brachte und sich den Ruf eines Gurus erwarb, und Gerhard Schmid, Chef des Telekom-Discounters Mobilcom, dessen Aktien am Neuen Markt notiert werden und ihn zum Millionär machten, haben zur zweifelhaften Reputation des Neuen Marktes beigetragen.Freilich haben sie dieses jüngste Segment der Deutschen Börse zugleich überaus populär gemacht.Der deutsche Neue Markt ist der größte im ganzen Euroland: Nirgendwo sonst haben so viele junge Unternehmen die Chance, Anteilscheine an ein breites Publikum auszugeben, um mit frischem Kapital zu expandieren.Die inzwischen rund 70 notierten Aktiengesellschaften schaffen in einem Jahr mehr Arbeitsplätze als die 30 großen Unternehmen aus dem Deutschen Aktien-Index (Dax).

Aber die Papiere am Neuen Markt sind Risiko-Papiere.Die Kurse eines einzelnen Wertpapiers schlagen hier weitaus heftiger aus, als dies bei den Werten des Dax der Fall ist: Es gibt schlichtweg weniger Aktien, der Markt ist enger, Stimmungen bewirken größere Schwankungen.Zudem handelt es sich bei den Papieren am Neuen Markt ganz überwiegend um Firmen, die auf Zukunftstechnik setzen.Die Erwartungen spielen dabei eine bedeutende Rolle: Manchmal sind auf Jahre keine Gewinne abzusehen, und trotzdem zahlen Anleger schon viel Geld für eine Aktie.Gut oder schlecht? Jedenfalls sollte man wissen, worauf man sich einläßt.Alles auf eine Karte setzen - das empfiehlt sich niemals.Aber zur Beimischung im Depot sollten risikofreudige Anleger, die langfristig orientiert sind, auch auf den Neuen Markt achten.Er könnte zum Joker werden - und das ganz seriös.

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