Neuer Name und neues Geschäftsmodell : Deutsche Annington bekommt neuen Anstrich

Die Deutsche Annington hat einen schlechten Ruf. Nun soll ein neuer Name und ein neues Geschäftsmodell das Image aufbessern. Ob das gelingt, ist fraglich.

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Alles neu: Die Deutsche Annington heißt jetzt Vonovia und versucht sich von dem Schmuddelkind-Image zu emanzipieren.
Alles neu: Die Deutsche Annington heißt jetzt Vonovia und versucht sich von dem Schmuddelkind-Image zu emanzipieren.Foto: Roland Weihrauch/dpa

Das hat es noch nie gegeben in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte: Eine Immobiliengesellschaft schafft es in den Dax, also in die Champions-League der börsenotierten Firmen. Die Deutsche Annington steht jetzt kurz davor – mit mehr als 370 000 Wohnungen in der Republik, aus denen irgendwann mal eine Million werden sollen. Gigant oder Krake: Welche Beschreibung passt auf diese Immobilien-Aktiengesellschaften, auf diese neuen Spieler im Monopoly um den deutschen Wohnungsbestand? Und haben Mieter etwas zu befürchten?

Die Deutsche Annington heißt jetzt Vovonia

Lange eilte der Deutschen Annington der Ruf voraus, es nur auf die Rendite abzusehen, um ihre Aktionäre zufrieden zu stellen, und die Wohnungsbestände vor sich hingammeln zu lassen. Umso überraschender kommt diese Nachricht vom sonst ärgsten Kritiker: „Zumindest auf Vorstandsebene wird der Eindruck eines mieterfreundlichen Unternehmens erweckt“, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes Ulrich Ropertz. Aber er schränkt zugleich ein, dass diese bei den Annington-Verwaltern vor Ort noch nicht überall angekommen sei: Mangelhafte Abrechnung von Betriebskosten und aufgeschobene Instandhaltungen gebe es immer noch. Aber immerhin.
Deutschlands größte Immobilien-Aktiengesellschaft will ihre Vergangenheit offenbar hinter sich lassen. Ein neuer Name soll helfen: Vonovia heißt die Deutsche Annington seit Mitte dieser Woche. Den schwarzen Peter scheint man an die Deutsche Wohnen abgeben zu wollen, ebenfalls eine Aktiengesellschaft, die zweitgrößte im Lande. Diese lehrt Berliner Mietern zurzeit das Fürchten, indem sie die Rechtskraft des Mietspiegels infrage stellt. Gleich mehrere Prozesse führte die Firma gegen Mieter, die nicht mehr bezahlen wollten als laut Mietspiegel erlaubt ist. Dazu legten die Anwälte der Deutsche Wohnen Gutachten vor und führten angeblich vergleichbare Wohnungen auf, um mehr Miete durchzusetzen.

Der Mietspiegel gerät unter Beschuss

Jahrelang hatten Mieter und Vermieter den Mietspiegel als Richtschnur anerkannt, um Streit zu schlichten und Gerichtskosten zu sparen. Damit ist es in Zeiten der Immobilienaktie vorbei. Und weil einzelne Richter sich von den Angriffen auf den Mietspiegel beeindrucken lassen, wird nun nach dem Justizminister gerufen. Um die Rechtssicherheit wiederherzustellen, müsse Heiko Maas einen einheitlichen Rahmen für die Erstellung des Mietspiegels in Deutschland schaffen. Zumal ohne gültigen Mietspiegel auch die Mietpreisbremse nicht greife, die eigentlich den drastischen Anstieg der Mieten in Metropolen begrenzen soll.
Ein Zufall ist es nicht, dass die Deutsche Wohnen so strikt vorgeht: Höhere Mieten sind der eine Weg, um den Aktionären mehr Rendite zahlen zu können, geringere Kosten der andere. Laut Reiner Wild, Chef des Berliner Mietervereins, führte die Deutsche Annington einen „virtuellen Hauswart“ ein. Der ist nicht mehr vor Ort und das spart Personal in der Verwaltung. Der Mieter meldet den Wohnungsmangel online an. Das kostet Zeit, vor allem aber wird das Problem ähnlich verlässlich behoben wie Technikpannen auf Support-Seiten von Handy-Herstellern: eher nicht – bis endlich ein Mensch aus Fleisch und Blut am anderen Ende der Telefonleitung ist.

Ängste schürt auch das Wachstum der neuen Aktiengesellschaften, denn damit wächst auch die Sorge, sie könnten irgendwann den Markt beherrschen und die Mieten diktieren. In Berlin verdoppelte die Deutsche Annington ihren Bestand innerhalb von zwei Jahren. Mit 30 000 Wohnungen, darunter die Moabiter Schlange an der Spree, ist die Deutsche Annington aber weit von einer Monopolstellung entfernt. Doch Konzern-Vertreter ließen am Rande von Pressekonferenzen bereits verlauten, die Firma wolle auf eine Million Wohnungen wachsen. Und Dortmund, wo die Firma bereits mehr als 17 000 Wohnungen hält, gilt unter Mietern bereits als „Annington-Hochburg“. Passen könnte das jedenfalls für jene Art von Wohnungen, die das Unternehmen ursprünglich zusammengekauft hatte: bei sanierungsbedürftigen Immobilien, die nicht gerade in der allerbesten Lage liegen.

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