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O2 darf E-Plus übernehmen : Ein neuer Mobilfunkriese entsteht

Nicht T-Mobile, nicht Vodafone: Mit O2/E-Plus entsteht im deutschen Mobilfunkmarkt die neue Nummer eins. Beratern der Bundesregierung gefällt das gar nicht. Die Monopolkommission erwartet geringeren Preisdruck.

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Künftig aus einem Haus. O2 und E-Plus gehören nun beide der spanischen Telefonica.
Künftig aus einem Haus. O2 und E-Plus gehören nun beide der spanischen Telefonica.Foto: dpa

Die Europäische Kommission in Brüssel hat am Mittwoch eine Entscheidung getroffen, die den deutschen Mobilfunkmarkt stark verändern wird. Sie genehmigte den Zusammenschluss von Telefónica Deutschland (O2) und E-Plus. Bald wird es also nur noch drei Mobilfunknetzbetreiber auf dem deutschen Markt geben. Zusammen steigen die beiden Unternehmen – gemessen an der Kundenzahl – zum größten Wettbewerber in Deutschland auf und überholen die Telekom und Vodafone, die bisher klare Marktführer waren. Allerdings hat die EU-Kommission die Genehmigung an Auflagen geknüpft. So muss das fusionierte Unternehmen vor dem Abschluss bis zu 30 Prozent der Netzkapazität des neuen Unternehmens verkaufen.

E-Plus-Chef Thorsten Dirks soll das fusionierte Unternehmen führen

Telefónica hatte die geplante Übernahme von E-Plus bereits im Oktober vergangenen Jahres bei der Kommission angemeldet. Mit einem Volumen von mehr als acht Milliarden Euro, davon fünf Milliarden Euro in bar, ist die Übernahme eine der größten in der Mobilfunkbranche und ein weiterer Schritt zur Bereinigung des Marktes in Europa. Der bisherige E-Plus-Eigentümer, die niederländische KPN, erhält nicht nur das Bargeld sondern erwirbt auch einen Anteil von 20 Prozent an Telefónica Deutschland. Das fusionierte Unternehmen soll künftig vom bisherigen E-Plus-Chef Thorsten Dirks geführt werden.

Gemessen am Jahresumsatz rangiert Telefónica hierzulande auch nach der Übernahme mit 8,1 Milliarden Euro nur auf dem dritten Platz – hinter Vodafone mit 9,6 Milliarden Euro und der Telekom mit zuletzt 22,4 Milliarden Euro Umsatz auf dem Heimatmarkt. Hintergrund des Zusammenschlusses ist es, dass Telefónica mit mehr Kunden auf seinem Netz die Kosten senken und seine Marktmacht ausbauen kann.

Monopolkommission erwartet Schwächung des Wettbewerbs

„Die von Telefónica eingegangenen Verpflichtungen gewährleisten, dass die Übernahme von E-Plus den Wettbewerb auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt nicht beeinträchtigen wird“, sagte der für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsident der Kommission, Joaquín Almunia. „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen.“ Um die Auflagen zu erfüllen, hat Telefónica bereits einen Vertrag mit dem Mobilfunkdienstleister Drillisch vorgelegt, der künftig 20 Prozent der Netzkapazität nutzen will. Daneben muss Telefónica bereit sein, Funkspektrum an einen möglichen neuen Netzbetreiber zu veräußern. Es ist aber unwahrscheinlich, dass ein Interessent auftauchen wird, da der Markteintritt für einen Neuling extrem teuer und mit hohen Risiken verbunden wäre.

Die Monopolkommission sieht die Entscheidung der EU-Kommission kritisch. „Der Wettbewerb dürfte durch die Fusion geschwächt werden, da mit E-Plus das Unternehmen verschwindet, von dem bisher die stärksten Wettbewerbsimpulse ausgingen“, sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Daniel Zimmer, dem Tagesspiegel. Die verbleibenden drei Infrastrukturbetreiber hätten ähnlich große Marktanteile und damit weniger Anreize als in der bisherigen Vierer-Konstellation, mit günstigen Preisen heftig zu konkurrieren. „Auch von den Unternehmen, die nun als Vertragspartner von O2 Netzkapazitäten erwerben können, wird auf die Dauer nur eine begrenzte Wettbewerbswirkung ausgehen, da sie immer auf die Nutzung eines fremden Netzes angewiesen sind“, sagte Zimmer weiter.

Die Telekom hält die Auflagen aus Brüssel für ein falsches Signal

Beim Bundesverband der Verbraucherzentralen befürchtet man vor allem, dass einige der vielen Billigmarken von O2 und E-Plus, die den Wettbewerb in den vergangenen Jahren angeheizt hatten, verschwinden könnten. Ob die Preise dann steigen, werde auch vom Geschäftsmodell des fusionierten Unternehmens abhängen. Und natürlich sind auch die Wettbewerber nicht glücklich über die Entscheidung. Der Zusammenschluss erzeuge ein massives Ungleichgewicht bei der Verteilung der Frequenzen, kritisierte Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme. Darüber hinaus würden mit den Auflagen gezielt Anbieter ohne eigene Netzinfrastruktur gestärkt, „und das ist ein völlig falsches Signal“.

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