Online-Handel in Afrika : Berliner Samwer-Brüder investieren in Nigeria

Bei Jumia gibt es fast alles vom Minikleid bis zur Waschmaschine. Noch sind die Umsätze überschaubar, doch in Nigeria wächst das Online-Kaufhaus rasend schnell. Die Idee zu dem Amazon-Klon stammt aus Berlin.

Cecile de Comarmond
Lieferung in jedes Dorf - afrikanische Staaten sind gerade für Internethändler eine Wachstumshoffnung.
Lieferung in jedes Dorf - afrikanische Staaten sind gerade für Internethändler eine Wachstumshoffnung.Foto: AFP

Lieferung bis in abgelegenste Dorf in längstens fünf Tagen: So lautet das Versprechen des Internet-Kaufhauses Jumia, das gerade in rasender Geschwindigkeit den nigerianischen Markt erobert - den größten in ganz Afrika.
Innerhalb eines Jahres entwickelte sich das kleine Start-up zu einem Onlinehandel mit 450 Mitarbeitern.

Vom Minikleid über Handys, Zigarren bis zur Waschmaschine - das Sortiment von Jumia umfasst inzwischen 50.000 Produkte. Beteiligt an dem Unternehmen sind auch die Berliner Samwer-Brüder - die Gründer des Klingelton-Dienstes Jamba.

100.000 Nigerianer besuchen die Website täglich, damit ist Jumia.com.ng das Portal mit der vierthöchsten Klickzahl in dem westafrikanischen Land. „Ich bezweifle, dass es viele Märkte auf der Welt gibt wie diesen: mit 160 Millionen Menschen, einer wachsenden Mittelklasse und ohne große Kaufhäuser“, schwärmt Tunde Kehinde, einer der beiden Gründer von Jumia Nigeria.

Der 29-jährige Nigerianer lernte seinen Geschäftspartner, den 36 Jahre alten Ghanaer Raphael Afaedor, während seines Studiums an der US-Eliteuniversität Harvard kennen. Kehinde und Afaedor tragen weder Krawatte noch Anzug, sie haben nicht einmal ein eigenes Büro. Gemeinsam mit ihren meist jungen Angestellten arbeiten sie in den Großraumbüros am Firmensitz in einem der schicken Viertel von Lagos.

Auch in Marokko, Ägypten und Kenia gibt es Ableger

Noch schreibt ihr Unternehmen keine schwarzen Zahlen. Doch die beiden sind zuversichtlich: Nach Angaben des Marktforschungsinstitutes Euromonitor verdoppelte sich der Umsatz im Onlinehandel 2012 beinahe - auf über drei Milliarden Naira (über 14 Millionen Euro). Geldgeber sind neben dem Telekommunikationskonzern Millicom die drei Samwer-Brüder mit ihrer Berliner Firma Rocket Internet, die weltweit an über hundert Start-ups beteiligt ist - unter anderem auch am Internet-Kaufhaus Zalando. Vom Sortiment ähnelt Jumia allerdings mehr dem US-Konkurrenten Amazon.

Rocket Internet startete das Kaufhaus zeitgleich in Marokko, Ägypten und Südafrika, dort jedoch unter dem Namen Zando. Im Moment versucht Jumia sich in Kenia zu etablieren, in den nächsten Monaten sind die französischsprachigen Länder Westafrikas an der Reihe.

"In Afrika gibt es wenige qualitativ hochwertige Angebote für E-Commerce und gleichzeitig ist der traditionelle Handel - Supermärkte und Einkaufszentren - in vielen Ländern kaum entwickelt“, sagt Jérémy Hodara, der Geschäftsführer von Rocket Internet für Afrika und Frankreich.

Nigeria ist reizvoll und herausfordernd

Der nigerianische Markt ist dabei besonders verlockend, weil sich das Internet dort mit Höchstgeschwindigkeit verbreitet. „Die Möglichkeiten sind enorm“, sagt Hodara. „Aber die Umsetzung sehr komplex.“ Die Schwierigkeiten beginnen bei der Energieversorgung. Obwohl Nigeria der größte Ölproduzent Afrikas ist, fällt der Strom manchmal bis zu zwölf Stunden aus. Unternehmen sind gezwungen, sich teure Generatoren anzuschaffen.

Die Immobilienpreise sind schwindelerregend und haben schon manchen Unternehmer davon abgehalten, sich in Nigeria anzusiedeln. Jumia machen zudem die weit verbreiteten Internet-Betrügereien zu schaffen, die viele Nigerianer vor Online-Einkäufen zurückschrecken lassen. Um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, können Jumia-Kunden bei der Lieferung bar oder mit Karte bezahlen.

Dera Meka, Hausfrau im vornehmen Viertel Lekki, macht davon Gebrauch. Die Rechnung für ihre erste Bestellung bei Jumia - ein Paar Schuhe - begleicht sie beim Paketboten. Meka hätte sich auch in einer Boutique in Lagos neue Schuhe kaufen können. Doch die Auswahl dort ist weit geringer, und jeder Einkauf bedeutet, sich durch die kilometerlangen Staus kämpfen zu müssen, die die Metropole lahmlegen.

Anfangs richtete sich Jumia vor allem an die Wohlhabenden. „Aber inzwischen bemühen wir uns sehr um ein Sortiment, das alle anspricht“, sagt Hodara. Die Zielgruppe ist dennoch begrenzt: Die Mehrheit der Nigerianer muss mit weniger als zwei Dollar (1,50 Euro) am Tag auskommen. (AFP)

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