Wirtschaft : Orenstein & Koppel wird an Fiat-Tochter verkauft

BERLIN (mot).Der Baumaschinenhersteller Orenstein & Koppel (O & K), Berlin/Dortmund, wird verkauft.Der Mehrheitseigner, die Fried.Krupp AG Hoesch-Krupp, teilte am Dienstag in Essen mit, der Konzern veräußere seine 75,1prozentige Beteiligung an O & K an die zur Fiat-Gruppe gehörende New Holland N.V.Amsterdam.Aus der seit längerem angestrebten Partnerschaft mit einem internationalen Industrieunternehmen, die nun mit dem Niederländern realisiert werden soll, ergäben sich für die seit Jahren mit roten Zahlen kämpfende O & K "vielfältige Synergiepotentiale zur Erschließung völlig neuer Wachstumsmärkte sowie zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit", betonte die Fried.Krupp AG Hoesch-Krupp.Für das Berliner O & K-Werk gab das Unternehmen eine Bestandsgarantie.An der Spree werde O & K weiter Baumaschinen herstellen und sie unter eigenem Namen vertreiben.O & K-Sprecher Gottfried von Alten bekräftigte gegenüber dem Tagesspiegel, mit der zusätzlichen Fertigung für den New Holland-Vertrieb steige die Auslastung des Berliner Werkes kräftig."Mittelfristig wird die Auslastung in Berlin um etwa ein Drittel steigen." O & K hat in Berlin 806 Mitarbeiter in der Produktion.

Ein Kaufpreis für die 75,1prozentige Mehrheitsbeteiligung von Krupp an O & K wurde am Dienstag nicht genannt.Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Krupp-Aufsichtsrates und der EU-Kommission in Brüssel.Nach dem Willen der beteiligten Unternehmen soll er schon im Dezember vollzogen werden.

Die New Holland-Mutter Fiat kündigte an, Orenstein & Koppel werde mit einer "raschen Verstärkung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten" unterstützt.Das 1895 in Pennsylvania/USA gegründete Unternehmen New Holland gehört zu 69 Prozent der Fiat S.p.A., Turin, 31 Prozent der Aktien werden an der New Yorker Börse gehandelt.Der Konzern, der weltweit über 6000 Händler und Vertriebsstellen zählt, ist in der Herstellung und Vermarktung von Investitionsgütern für die Agrarwirtschaft und von Geräten für die Bauindustrie tätig und erwirtschaftet mit rund 19 000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund zehn Mrd.DM.Den Angaben zufolge ergeben sich kaum Überschneidungen mit dem O & K-Sortiment.Es gebe "nur in bezug auf Fiat-Hitachi-Bagger - beschränkt auf einige Länder - geringe Überlappungen", erklärte O & K.Seit dem Sommer 1997 liefert das Berliner O & K-Werk bereits Bagger an die New Holland Construction Group zum Vertrieb durch deren Netz.O & K dürfte insbesondere von der starken Position New Hollands in Südamerika profitieren.Die Niederländer seien dort stark, wo O & K nur schwach oder gar nicht vertreten ist, teilte Orenstein & Koppel mit.Umberto Quadrino, Vorstandsvorsitzender von New Holland sagte: "Das hervorragende Sortiment von O & K wird unseren Marktanteil in Nord- und Südamerika in großem Umfang steigern."

O & K Baumaschinen beschäftigt derzeit rund 2000 Mitarbeiter und erwirtschaftet 1998 einen Umsatz von rund 800 Mill.DM.Auf der letzten Hauptversammlung in Berlin hatte Vorstandschef Peter Müller-Eschenbach bereits angekündigt, O & K werde für sein Baumaschinengeschäft noch 1998 einen internationalen Partner finden.Damit verbunden war die Hoffnung, die Sanierung des angeschlagenen Baumaschinenherstellers schneller vorantreiben zu können.In der Vergangenheit waren bereits das Rolltreppen-Geschäft und die Mining-Sparte verkauft worden.Im ersten Halbjahr 1998 hatte sich bei einem guten Auftragsbestand eine leichte Entspannung abgezeichnet.Das Ergebnis vor Steuern habe "im Rahmen der Erwartungen" bei minus 28 Mill.DM gelegen, hieß es.1997 erreichte O & K einen Umsatz von 1,12 Mrd.DM.

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