ORTSTERMIN : Tanken im Niemandsland

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Man trifft nicht jeden Tag einen Ministerpräsidenten an der Tankstelle. Auch für Matthias Platzeck ist es eine Premiere: Er könne sich nicht erinnern, jemals eine Rede in einem solchen Ort gehalten zu haben, sagte der Brandenburger Regierungschef am Mittwoch. Platzeck steht im Bistro der Total-Station am Flughafen BER, um den Grundstein für eine Multi- Energie-Tankstelle zu legen. In knapp einem Jahr sollen Autofahrer hier nicht nur Benzin und Diesel tanken können, sondern auch Wasserstoff und Strom. „Das ist nicht Science Fiction, sondern wird Realität am BER“, sagt Platzeck, der den Flughafen damit das erste und einzige Mal an diesem Morgen erwähnt. Science-Fiction kann man einige hundert Meter weiter erleben. Dort, wo die Großbaustelle des Großflughafens im Niemandsland liegt. Mancher Tankstellen-Gast wird sich an diesem eisigen Morgen gefragt haben, wer zuerst fertig wird – die Multi-Energie-Station oder der Hauptstadt-Airport.

Auch die Elektromobilität mit Brennstoffzellen-Autos, die Wasserstoff tanken, ist Zukunftsmusik. Fahrzeuge gibt es weder in Berlin noch im übrigen Land in nennenswerter Zahl. Serienreif ist die Technologie frühestens in zwei Jahren. Dennoch verbinden die Initiatoren des Schönefelder Projekts – Total, das Windkraft-Unternehmen Enertrag, der Industriegasespezialist Linde und das Wasserstoff-Bündnis CEP – große Hoffnungen mit der Tankstelle, in die zehn Millionen Euro investiert werden, die Hälfte vom Verkehrsministerium. „Ohne Wasserstoff wird es keine Energiewende in der Mobilität geben“, sagt Enertrag-Chef Werner Diwald. Deshalb sei der Aufbau der Infrastruktur so wichtig. Aus 15 sollen bis 2015 bundesweit 50 Stationen werden. Auch hier ist der Bund mit Fördermillionen dabei. Die Schönefelder Anlage, die ihre Energie aus einem benachbarten Windpark beziehen wird, werde „neue Wege öffnen“, sagt Total-Geschäftsführer Hans- Christian Gützkow. Das unterschreibt Matthias Platzeck gern: Es sei immer gut, wenn nicht nur geredet, sondern etwas Praktisches getan werde – in Schönefeld und anderswo.

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