Wirtschaft : Penaten ohne Parabene

Berliner Mutter protestiert gegen Konservierungsstoffe. Johnson & Johnson will Babypflege umstellen.

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In Sorge. Die Berlinerin Caroline Rosales mit ihrem Sohn. Foto: privat
In Sorge. Die Berlinerin Caroline Rosales mit ihrem Sohn. Foto: privat

Berlin - Nach der Geburt ihres Sohnes bekam Caroline Rosales im Krankenhaus ein Pflegeset von Penaten geschenkt. Die junge Mutter cremte damit ihren Sohn nach dem Wickeln ein. „Ich war erschrocken, als ich hörte, dass in der Wundschutzcreme Parabene stecken“, sagt Rosales. Diesen Konservierungsstoffen, die in vielen Kosmetika und Lebensmitteln zu finden sind, wird eine hormonähnliche Wirkung zugeschrieben. Sie stehen im Verdacht, etwa das Risiko für bestimmte Krebsarten zu erhöhen, und dürfen daher nur in geringen Mengen verwendet werden.

Rosales machte sich Sorgen und startete mit dem Naturschutzverband BUND eine Petition bei Change.org. Sie wollte den Hersteller Johnson & Johnson dazu bringen, die Parabene aus der Penaten-Creme zu nehmen. Bisher konnte sie gut 24 000 Unterschriften sammeln. Auch auf der Facebook-Seite von Penaten kritisierten etliche Nutzer das Unternehmen. Offenbar mit Erfolg: Am Freitag kündigte Johnson & Johnson Deutschland an, bis Mitte 2014 bei seinen Babypflegeprodukten auf die Konservierungsstoffe zu verzichten. Derzeit laufe eine „weltweite Umstellung aller Produkte der Babypflege, die noch Parabene enthalten, auch für Penaten“, hieß es. Damit werde auch das Rezept der Wundschutzcreme, die Methyl- und Propylparaben enthält, geändert. Dies sei „ohnehin geplant“ gewesen.

Noch in dieser Woche aber hatte Penaten auf der Facebook-Seite auf die geringe Konzentration dieser Stoffe in Kosmetika hingewiesen. Zudem seien die Parabene in der EU zugelassen, man halte sich an Grenzwerte. Von einer Umstellung, wie der Hersteller sie kürzlich auf seiner US-Internetseite versprochen hatte, war für Deutschland nichts zu lesen.

Das Bundesverbraucherministerium plädiert im Zuge der Debatte für eine Verschärfung der europäischen Kosmetik-Verordnung, die schon heute Parabene nur eingeschränkt zulässt. Im Mai hatte ein Fachausschuss der EU-Kommission empfohlen, einerseits die Grenzwerte für Butyl- und Propylparaben abzusenken und andererseits beide Stoffe im Windelbereich nicht mehr zuzulassen. Man dringe „mit Nachdruck darauf, dass eine entsprechende Einschränkung von Parabenen zügig auf EU-Ebene verabschiedet wird“, sagte ein Ministeriumssprecher dem Tagesspiegel. Ein Entwurf für eine entsprechende Verordnung werde derzeit beraten. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung hält „wegen neuer Studienerkenntnisse“ eine Senkung der genannten Grenzwerte für sinnvoll. Und warnt zugleich vor Panikmache. „Generell gelten Parabene als sehr hautverträglich und rufen deutlich weniger allergische Reaktionen hervor als die meisten anderen Konservierungsstoffe“, sagt Produktsicherheitsexpertin Annegret Blume. Und das Verbraucherministerium beruhigt: „Alle kosmetischen Mittel, die in Deutschland verkauft werden, müssen sicher sein.“ Jahel Mielke

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