Wirtschaft : Peter Herlitz scheidet aus

Seit über 30 Jahren für das Unternehmen tätig / Kosequenz aus dem Rußland Desaster

BERLIN/MÜNCHEN(cbu/HB/tmh).Das kostspielige Rußland-Abenteuer der Berliner Herlitz AG und der Tochtergesellschaft Herlitz International Trading AG (Hit), Ismaning bei München, hat ein weiteres Opfer gefordert.Wie jetzt mitgeteilt wurde, hat Peter Herlitz die Konsequenzen gezogen und ist aus allen Aufsichtsratsämtern im Konzern ausgeschieden.Schon Anfang Juli 1997 mußte der Hit-Vorstandsvorsitzende Gerard Jaslowitzer, der auch als Holding-Chef gescheitert war, seinen Posten räumen. Mit dem Rückzug von Peter Herlitz geht eine Ära des Berliner Familienunternehmens zu Ende: Das letzte Mitglied der Familie Herlitz scheidet aus dem operativen Geschäft des Papier- und Bürowarenkonzerns aus.Ein Rückzug der Familie, die knapp unter 50 Prozent der Herlitz-Anteile hält, auch aus dem Aktionärskreis ist damit aber nicht geplant, wird betont.Peter Herlitz war seit über 30 Jahren, davon 25 Jahre im Vorstand, für die Herlitz AG tätig gewesen und erst Mitte des vergangenen Jahres vom Vorstandschef zum Vorsitzenden des Herlitz-Aufsichtsrates avanciert. Neuer Aufsichtsrats-Chef wird jetzt Hans-Peter Friedrichsen, Geschäftsführer der NKF Holding Deutschland, und seit 20 Jahren im Herlitz-Aufsichtsrat.Gleichzeitig gibt Peter Herlitz auch die Führung der Aufsichtsräte der Tochtergesellschaft PBS Papier-, Büro- und Schreibwaren, Hit und Herlitz Falkenhöh AG ab. Mitte des Jahres war bekannt geworden, daß Hit das Engagement beim russischen Zeitungspapierproduzenten AO Volga vollständig abschreiben muß und dafür Rückstellungen von knapp 90 Mill.DM vornehmen mußte.Wie jetzt mitgeteilt wurde, muß Hit eine weitere Risikovorsorge in Höhe von 13,6 Mill.DM treffen.Dafür gewährt die Herlitz AG eine Darlehenszusage über 15 Mill.DM.Zudem hat die Herlitz AG ihre Mehrheit an Hit abgegeben.Bisher war Herlitz mit etwa 56 Prozent an der börsennotierten Hit beteiligt.Jetzt wurden Anteile an einen nicht näher benannten Finanzinvestor abgegeben, so daß der Herlitz-Anteil nun bei knapp unter 50 Prozent liegt, wurde mitgeteilt.Der Schritt stehe in Zusammenhang mit der neuen Herlitz-Strategie, sich künftig nur noch auf das Kerngeschäft PBS zu konzentrieren.Alle anderen Beteiligungen sollen mittelfristig abgestoßen werden.Man werde aber erst dann verkaufen, wenn der Preis stimmt, erklärte dazu ein Herlitz-Sprecher.Für die Einzelhandelskette McPaper AG werden unter anderem Gespräche mit der Deutschen Post AG geführt.Herlitz macht mit rund 5200 Beschäftigten einen Umsatz von etwa 1,9 Mrd.DM.Für 1997 wird mit einem Minus von 130 Mill.DM gerechnet, die Dividende muß ausfallen.Der Kernbereich PBS entwickele sich derzeit positiv, wird betont.Der Kurs der Herlitz-Aktie, die im M-Dax vertreten ist, befindet sich seit Wochen auf steiler Talfahrt. Die russische Papierfabrik sei eine große Chance gewesen und zum großen Problem geworden, mußte Herlitz-Manager Jaslowitzer kurz vor seinem Ausscheiden zerknirscht eingestehen.Man habe die Märkte und das eigene Know how falsch eingeschätzt.Die von ihm danach als Rettung verheissene Rückwärtsstrategie kam allerdings zu spät.Der Verlustbringer AO Volga sei wertlos und unverkäuflich, mußte Jaslowitzers Nachfolger bei Hit, Jürgen Leipold einige Monate später erkennen. Kleinaktionäre fanden für das Desaster bei der jüngsten Hit-Hauptversammlung deutliche Worte."Der Traum von der Papierproduktion ist wie eine Seifenblase geplatzt," stellte ein Anteilseigner dabei fest.Andere rechneten damit, daß die angeschlage Hit vollends in die Kniee gehen werde.Vier Monate später überschattet AO Volga immer noch die Rückkehr von Hit zu ihren Wurzeln als Papierhandelshaus.

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