Wirtschaft : Pflege droht Finanzkollaps Berliner Versicherer: Zusatzvorsorge nötig

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Berlin - Die Zahlen sind alarmierend. Fast jeder dritte Deutsche über 80 ist pflegebedürftig, und der Anteil der alten Menschen an der Gesellschaft wächst. Fünf Prozent sind es derzeit, 2040 werden schon 14,5 Prozent der Deutschen 80 Jahre und älter sein. Zugleich sinkt die Zahl der Jungen, die mit ihren Beiträgen zur Pflegeversicherung für die Pflege der alten Menschen aufkommen. „Die Pflegeversicherung steuert auf einen finanziellen Kollaps zu“, warnt Rainer M. Jacobus, Chef der Berliner Ideal-Versicherung, „aber die Politik will darüber nicht sprechen, und die Bürger möchten das nicht hören.“

Dabei kann Jacobus Fakten für die Pflegemisere liefern. Zusammen mit der Universität Freiburg hat der Berliner Versicherer einen Demografierechner entworfen. 1,2 Millionen Datensätze sind darin enthalten – Lebensläufe, soziale Daten, Krankengeschichten und Pflegefälle. „Mit diesem Wissen können wir vorhersagen, wie sich die Pflegekosten entwickeln werden“, berichtet Jacobus.

Was der Rechner derzeit ausspuckt, sieht nicht gut aus. Wenn die Politik nicht gegensteuert, wird der Beitrag zur Pflegeversicherung weiter steigen, fürchtet Jacobus – von derzeit 1,95 Prozent auf 2,1 Prozent bis zum Jahr 2014, Tendenz steigend. Um das abzuwenden, müsse jeder privat vorsorgen. Der Ideal-Chef plädiert für eine obligatorische private Pflegerentenversicherung. Eine Zusatzpflichtversicherung haben auch Union und FDP in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart.

Dennoch kommt das Projekt nicht recht in Schwung. Zwar berät eine Arbeitsgruppe derzeit über Finanzierungsmöglichkeiten, doch statt über individuelle Zusatzversicherungen wird jetzt eher über einen kollektiven Kapitalstock nachgedacht – innerhalb der bestehenden Pflegeversicherung. Jacobus hält das für falsch. Er will die Zusatzvorsorge bei der Lebensversicherung ansiedeln. Das würde lebenslang stabile Beiträge ermöglichen. Diese sollen allein davon abhängen, wann man die Versicherung abschließt. Um im Pflegefall monatlich 100 Euro zu bekommen, müssten 18-Jährige nach Ideal-Berechnungen 2,21 Euro im Monat zahlen. Wer erst mit 55 einsteigt, muss mit Beiträgen von 7,17 Euro rechnen. Der Staat soll die Zusatzrente mit Zulagen versüßen. Ob der Vorschlag Erfolg hat? „Wir sind mit der Politik im Gespräch“, sagt Jacobus. Heike Jahberg

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