Philipp Riederle : Ein 18-Jähriger erklärt Unternehmen das Internet

Er ist ein Star der Internetszene und ein gefragter Berater: Der 18-jährige Philipp Riederle berät Konzerne wie Audi, die Deutsche Bank oder Bertelsmann

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Philipp Riederle. "Ich höffne nur die Augen, was mit Social Media gelingen kann."
Philipp Riederle. "Ich höffne nur die Augen, was mit Social Media gelingen kann."Foto: Thilo Rückeis

Wenn Philipp Riederle einen Vortrag hält, dann passt er prima in das Klischee seiner onlinesüchtigen Altersgruppe: Der 18-Jährige kreiselt mit den Armen herum, als sei er der Held eines Computerspieles. Dazu redet er viel und schnell. „Jeder von uns kann jederzeit an jedem Ort jede Nachricht abrufen“, sagte er kürzlich gleich mehrmals bei einem Vortrag in Berlin. Das „Jeder“ bringt er dabei hervor wie Pistolenschüsse. Es ist so etwas wie sein Mantra: Stell dir vor, was dir das Internet ermöglicht!

Mit diesem Anliegen ist Philipp Riederle ein Star der deutschen Internetszene geworden – und ein gefragter Unternehmensberater. Riederle nennt sich einen „digital native“, einen Ureinwohner des Internets, zu denen Riederle alle jene zählt, die nach 1985 geboren wurden. Die Älteren seien „digital immigrants“, Zugezogene, die sich mühsam ins Netzleben einarbeiten müssten. Unternehmen wie Audi, Deutsche Bank und Bertelsmann – allesamt geführt von „Immigranten“ – laden Riederle nun ein, um sich zeigen zu lassen, wie man in der virtuellen Welt ein Feuer entfacht.

Dass Riederle zu einem Impresario des Internets wurde, liegt vor allem an seinem Videopodcast „Mein iPhone und ich“. Im Alter von 13 Jahren stellte er sich erstmals vor die Kamera und erklärte vom Kinderzimmer aus, wie sein neues Handy funktioniert. Die Serie wurde schnell populär, Riederle richtete sich im Keller ein professionelles Studio ein. Mittlerweile schafft der Podcast über eine Million Downloads im Jahr.

Es folgte eine gesponserte Serie über sein iPad, schließlich die Einladungen erster großer Unternehmen und jüngst das Buch „Wer wir sind und was wir wollen“. Darin will Riederle die Lebenswelt der „digital natives“ erklären. „Das Besondere an uns ist, dass wir einfach unser Ding machen können“, sagt Riederle. Man müsse heute kein Programmierer, kein Ingenieur sein, um eine Idee umzusetzen. Man müsse sich auch nicht bei einer Bank einen Kredit holen: „Wer eine Firma starten will, kann doch online Unterstützer finden.“ Der angehende Abiturient entwirft so eine Vision vom befreiten Arbeiten. Seine Generation wolle sich nicht mehr an eine Firma binden. Nachmittags im Büro sitzen, obwohl man nachts viel produktiver sei? Die Arbeitswelt sei nur mehr ein „Relikt der Industrialisierung“. Das ist es auch, was er den Unternehmern bei seinen Vorträgen auf den Weg gibt: Es gibt einen Wandel, akzeptiert ihn, begreift ihn.

Riederle präsentiert auf seinen Vorträgen selten praktische Lösungen, sondern vielmehr Visionen. „Ich sage nicht, ihr müsst jetzt bei Facebook aktiv werden“, erzählt er. „Ich öffne nur die Augen, was mit Social Media gelingen kann.“ So habe er unter anderem einen Lebensmittelhersteller erfolgreich aus einem Shitstorm navigiert: Der Konzern stellte die Produktion von Spielfiguren eines Joghurts ein und erntete herbe Kritik. Riederle half, die Fans über Social-Media-Kanäle zurück ins Boot zu holen – indem sie selbst die Produktion der Figuren in die Hände nehmen durften. „Es braucht nur Mut, etwas anzuschieben“, sagt Riederle.



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