Preiserhöhungen im Kleingedruckten : Die Postbank bittet zur Kasse

Böse Überraschung für Kunden der Postbank: "Girobriefumschläge" und die Zusendung von Kontoauszügen werden kostenpflichtig.

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Girobriefumschlag und Überweisungsformular der Postbank. Mit den Umschlägen können Kunden ohne Internetanschluss bis Ende 2017 ihre Überweisungsaufträge oder Verrechnungsschecks gratis an das privatisierte Kreditinstitut schicken, das zum Konzern der Deutschen Bank gehört. Ab 2018 müssen sie dafür 0,70 Euro pro Umschlag zahlen, also das Briefporto.
Girobriefumschlag und Überweisungsformular der Postbank. Mit den Umschlägen können Kunden ohne Internetanschluss bis Ende 2017...Foto: Stengel

Die Postbank bricht mit einer Tradition – und trifft damit vor allem Menschen mit wenig Geld und ohne Internetanschluss: Von 2018 an können viele Privatkunden ihre Überweisungsaufträge nicht mehr gratis per „Girobriefumschlag“ an das Kreditinstitut schicken. Auch die Zusendung von Kontoauszügen kostet künftig Geld, und bestimmte Auslandsüberweisungen werden deutlich teurer.

„Girobriefumschläge“: So heißen traditionell die einst blauen, heute hellgrauen Kuverts mit der vorgedruckten Postbank- Adresse und der Aufschrift „Im Inland bitte nicht freimachen“. Bisher hatten die Kunden einmal pro Kalenderjahr Anspruch auf zwölf Freiumschläge. Nur wer damit nicht auskam, musste für das nächste Dutzend 8,40 Euro zahlen. Künftig ist dieser Betrag ab sofort fällig. Das gilt für das weit verbreitete Standardkontenmodell „Giro plus“ und für Konten ohne Überziehungsmöglichkeiten („Giro Basis“), nicht jedoch beim teuersten Privatkonten-Modell „Giro extra plus“ und auch nicht bei Neukunden, die ein „Welcome Package“ gratis erhalten.

Zusendung von Kontoauszügen kostet künftig extra

Eine weitere Preiserhöhung zum Jahreswechsel: Künftig bekommen die Privatkunden keinen kostenlosen Quartalskontoauszug mehr zugeschickt. Stattdessen können sie sich für 1,90 Euro einen „Finanzstatus“ bestellen, der neben den Kontoumsätzen noch weitere Informationen enthält. Wer das nicht möchte und auch kein Online-Banking mag, muss in die nächste Postbankfiliale gehen und sich am Auszugsdrucker anstellen – keine guten Aussichten für Kranke und Alte.

Viele Betroffene dürften 2018 kalt erwischt werden. Zwar versendet das Unternehmen an Privatkunden ein Rundschreiben mit einem allgemeinen Hinweis auf geplante Preis- und Leistungsänderungen. Aber nur wer sich die Mühe macht, eine 80-seitige Broschüre in abschreckendem Kleindruck aufzuschlagen, entdeckt dort, worum es konkret geht.

Zwölf Girobriefe für 8,40 Euro

Postbank-Sprecher Tim Rehkopf betont, dass nur „ein Bruchteil“ der gut fünf Millionen Privatkunden noch Girobriefe nutze oder sich Auszüge zuschicken lasse. „Das ist ein kleiner einstelliger Prozentsatz.“ Denn die meisten Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte längst via Internet, Telefonbanking oder Service-Terminals in den Filialen; oder sie geben dort ihre Überweisungsaufträge ab. Die Postbank spare mit der Neuregelung also nicht nur Kosten, sondern reagiere auch auf das geänderte Nutzerverhalten – und sorge für „möglichst nachhaltigen Umgang mit Papier“. Rehkopf verteidigt auch das Entgelt für die Giroumschläge: Die 8,40 Euro für zwölf Briefe seien genau die Höhe des Portos und deckten nicht mal den Bearbeitungsaufwand ab. Noch eine weitere Preiserhöhung findet sich im Kleingedruckten: Die Gebühren für Auslandsüberweisungen in Fremdwährungen steigen bei Onlinebanking von 1,50 auf mindestens acht Euro, am Telefon oder mit Girobrief von 8,50 auf mindestens zwölf Euro.

Dritte Preiserhöhung seit 2015

Für etliche Postbank-Nutzer sind die Änderungen zum Jahreswechsel bereits der dritte Kostenschub seit 2015: Damals führte das Unternehmen, das zum Deutsche-Bank-Konzern gehört, eine Gebühr von 0,99 Euro für Überweisungen in Papierform ein. 2016 wurde die Latte für kostenlose Girokonten höhergelegt: Früher reichten 1000 Euro an regelmäßigen Einkünften, nun sind es 3000 Euro.

Wer mit den angekündigten Änderungen nicht einverstanden ist, kann ihnen widersprechen. „In dem Fall“, sagt Rehkopf, „sprechen wir mit dem Kunden über Alternativen“ – etwa die Nutzung eines anderen Kontomodells oder von Telefon- oder Onlinebanking. Wenn das nichts nützt, bleibt nur die fristlose Kündigung. Sich jetzt aus Protest ein anderes Kreditinstitut zu suchen, will allerdings gut überlegt sein. Denn die ganze Branche dreht in der noch immer andauernden Niedrigzinsphase an der Preisschraube.

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